Kaiserslautern Workshop in Kaiserslautern: Die Fagotte sind los!

Jörg Klamroth organisiert den Workshop.
Jörg Klamroth organisiert den Workshop.

Hilfe! Die Fagotte sind los! Erstmals findet der jährliche Workshop mit Abschlusskonzert für Fagottist(inn)en jeden Alters in Kaiserslautern statt.

Nach Berlin, Köln und Bamberg in den letzten Jahren nun endlich das Prestige-Projekt zur Imagepflege auch in unserer Region: Und zwar vom 8. bis einschließlich 9. Juni – mit Workshop am betreffenden Samstag von 10 bis 20 Uhr im Albert-Schweitzer-Gymnasium und großem Gala-Abschlusskonzert am folgenden Sonntag um 11 Uhr in der Fruchthalle.

Wie der hiesige Solofagottist des Pfalztheaters und Organisator der diesjährigen Veranstaltung, Jörg Klamroth, berichtet, steckt dahinter weit mehr als das: Jährlich treffen sich die rund 200 Mitglieder des Vereins „Fagott e.V.“ an wechselnden Veranstaltungsorten, um in sieben Leistungsgruppen Literatur für Fagottensembles gemeinsam zu erarbeiten und im Abschlusskonzert der Öffentlichkeit vorzustellen.

Geeignet ab sechs Jahren

Klamroth widerlegt die landläufige Auffassung, dass das gewichtige Bassinstrument unter den Holzblasinstrumenten nur für „gestandene“ Altersgruppen geeignet sei. Kinderinstrumente wie das Fagottino ermöglichen den Beginn ab etwa sechs Jahren, und ein Hersteller habe sich auf das sogenannte „Tiger-Enten-Fagott“ mit schwarz-gelber Farbgebung nach Janosch spezialisiert.

Stimmführer namhafter Kulturorchester sowie Dozenten von Musikhochschulen fungieren als Ensembleleiter, sind von der Literatursichtung (Bearbeitungen und Originalwerke für Fagottensembles) bis zur Einstudierung und individuellen Förderung gefragt. Der Vorstand des Fagott-Vereins (der laut Klamroth seinesgleichen unter den Orchesterinstrumenten suche) wie Irene De Marco und Monika Schumacher ist wie alle Dozenten ehrenamtlich tätig. Die Stilistik der mehrstimmigen Spielliteratur reicht von etwa 1600 bis in die Gegenwart und deckt konzertante Gattungen ebenso ab wie jazzige Einflüsse und Popularmusik. Dabei kommen Instrumente wie das konventionelle Fagott und Raritäten wie das Kontrafagott zum Einsatz und die Ensembles präsentieren einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad.

Region galt einst als Fagott-Nest

Klamroth erinnert daran, dass durch den hiesigen „Fagott-Papst“ Professor Alfred Rinderspacher und ehemals Solofagottist beim Pfalztheater das Instrument in dessen glanzvoller Ära ab den 70er Jahren durch dessen Charisma einst einen großen Zulauf – vor allem bei Gymnasiasten – hatte. Vom berühmten „Fagottnest“ war damals die Rede, zumal aus diesem viele führende Fagottisten bis in die Top-Orchester wie die Berliner Philharmoniker „schlüpften“. Mittlerweile gab es – so Klamroth – beim diesjährigen Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ nur noch einen Teilnehmer. Klamroth hofft auf Impulse durch den Workshop unter der Schirmherrschaft vom in Lautern lebenden Rinderspacher und auf eine steigende Popularität des verkannten Instruments, das er liebevoll als „Exot“ bezeichnet.

Eine Sorge plagt ihn allerdings, denn die mitreisenden Orchestermusiker und Dozenten werden in Hotels untergebracht, die kleineren Kinder kommen mit ihren Eltern – aber für die Jugendlichen sucht Klamroth noch private Gastgeber für zwei Nächte und er geht selbst in seinem Haus in Erlenbach mit gutem Beispiel als Gastfamilie voran. Klamroth appelliert an kunstsinnige und verständnisvolle Idealisten, dem bewährten Vorbild anderer Regionen zu folgen und die Stadt von ihrer besten gastfreundlichen Seite zu zeigen.

Immerhin wird sich am 7. Juni ein Tross mit Bussen aus Erftstadt im Raum Köln und weiterhin aus Reutlingen in Richtung Pfalz in Bewegung setzen. Die soziale Idee dahinter kommt auch in den niedrigen Gebühren für Teilnehmer und Vereinsmitglieder zum Ausdruck, die sich auf 30 Euro (jünger als 25 Jahre) und 40 Euro (älter als 25) belaufen. Die Literaturliste, die erarbeitet wird, steht schon jetzt fest und kann unter fagotte.eu aufgerufen werden. Dabei ist auch der Stimmumfang zur Orientierung angegeben. Für Mitwirkende ist es interessant, die spielerischen, stilistischen und klanglichen Möglichkeiten des Instruments einmal auszuloten und das Niveau zu erweitern. Für Interessenten ein klingendes Kompendium der Instrumentenkunde und der Musikgeschichte. Ein Monumentalereignis wird zum Ausklang sein, wenn alle gemeinsam die pompösen Intraden von Melchior Franck auf der Bühne aufführen, die der hiesige Fagottist Klamroth eigens dafür arrangiert hat.

Kontakt

Jörg Klamroth ist per E-Mail an fagottelosinkl@t-online.de oder telefonisch unter 06301 795 381

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