Kaiserslautern Wohngebiet bei den Roten Teufeln
Im Gewerbegebiet West/Merkurstraße hat sich Zug um Zug ein vielfältiges Unternehmer- und Geschäftsviertel entwickelt. Auf dem Bännjerrück läuft der letzte Bauabschnitt, auf dem Betzenberg die erste Erschließung. Der Stadtrat diskutiert den Vorschlag einer verkehrsfreien Zone. Vor einem halben Jahrhundert, 1967, begannen diese Aktionen, und sie brachten die Stadt ein gutes Stück voran.
Bis zum Jahr 1967, vor 50 Jahren, war die Stadtentwicklung nach der Wiederaufbau- und der ersten Neubauphase zu einem Abschluss gekommen, der es erlaubte, neue Ideen der Stadterweiterung voranzutreiben und umzusetzen. Auch der Bezug des Rathauses ab dem 4. Dezember 1967 „auf dem Eisplätzchen“, wie es damals noch hieß, schien ein Signal zu neuem Aufbruch zu sein. Mit dem Gewerbegebiet West, dem Bännjerrück und dem Baugebiet Betzenberg im Süden gibt es einen umfangreichen Aufgabenkatalog. Neue Ideen gab es vor 50 Jahren auch: Der damalige Beigeordnete und spätere Oberbürgermeister Hans Jung stellte am 7. Juni 1967 in einer SPD-Versammlung die Frage zur Diskussion, ob in Kaiserslautern eine verkehrsfreie Zone eingerichtet werden soll. Der Rat berät. Er diskutiert und zerredet. Erst sechs Jahre später, 1973, kann die Verwaltung die vorbereiteten Pläne aus der Schublade ziehen, und der Ausbau einer Fußgängerzone beginnt. In dem 62 Hektar großen Gewerbegebiet West/Merkurstraße sind, nach Auskunft der Stadt, derzeit rund 175 Unternehmen angesiedelt, neue Betriebe und ältere, die in der Innenstadt keine Expansionsmöglichkeit hatten. Nach Abschluss des ersten Erschließungsteils beginnen 1967 die Ansiedlungen, und die Stadt legt mit Beschluss vom 29. November 1967 die Straßennamen Merkurstraße und Denisstraße fest. Das neue Gewerbegebiet habe auch der Ansiedlung von Klein- und Mittelbetrieben aus der Altstadt gedient, steht in einer Broschüre des Referats Stadtentwicklung aus dem Jahr 1996. Durch einen Geländetausch von 100 Hektar mit dem Land Rheinland-Pfalz in den 1950er Jahren kommt Kaiserslautern in den Besitz des Flurstücks Bännjerrück. Die Stadt erschließt dieses Areal als größtes Neubaugebiet nach dem Krieg. Mit dem fünften und letzten Bauabschnitt von 28 Hektar läuft 1967 die Erschließung des neuen Wohngebiets aus. Der Stadtteil Bännjerrück hat sich mit der Rostocker Straße und der Jenaer Straße bis auf einen schmalen Streifen an die amerikanische Wohnsiedlung Vogelweh ausgedehnt. Die Bebauung des Bännjerrücks war überwiegend Wohnungsbeschaffung für Vertriebene, Ausgewiesene und „Ostzonen-Flüchtlinge“. Dieser Besiedlungsmodus änderte sich Ende der 1970er Jahre. Um 1967 schwächelt die Konjunktur, aber Kaiserslautern, K-Town, geht es gut. Die Stadt boomt. Die sicheren Arbeitsplätze bei den amerikanischen Streitkräften fangen die Konjunkturschwäche ab. Wohnungen und Bauplätze sind gefragt. Die Stadt muss neues Bauland erschließen. Parallel zum letzten Bännjerrück-Abschnitt laufen 1967 Erschließungsarbeiten im ersten Bauabschnitt Betzenberg. Die Parzelle umfasst rund 20 Hektar. Es waren, wie aus städtischen Unterlagen hervorgeht, 723 Wohneinheiten vorgesehen, Zweifamilienhäuser, Hochhäuser und Bungalows. Es gibt Proteste, aber im Walddistrikt Betzenberg fallen die Bäume: Grünes Licht für ein begehrtes Wohngebiet bei den Roten Teufeln.