Kaiserslautern Wohltuende Wirkung

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Jazz in der Vorweihnachtszeit: Was gibt es Schöneres, um sich gegen die kalten Wintertage aufzuwärmen? Dachten sich wohl Bodo Jaworek und seine Kollegen vom Jaworek-Reinhardt-Ensemble. Am Dienstag stimmten sie als Quartett die Gäste im Benderhof auf die Weihnachtstage ein mit warmen, sinnlich-temperamentvollen Melodien à la Gypsy-Jazz nach Django-Reinhardt-Art.

Der große Einmarsch von Zuschauern und Zuhörern blieb jedoch an diesem Abend aus. Erstaunlich, denn auf den Tag genau vor zwei Jahren stand das überregional bekannte Jaworek-Reinhardt Ensemble im Benderhof auf der Matte, damals vor einem brechend vollen Haus. An den Musikern konnte es also nicht liegen. Wahrscheinlicher ist, dass der Vorweihnachtsstress die Lauterer Konzertgänger endgültig eingeholt hatte. Aber da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, wurde das Konzert spontan von 20 Uhr auf 21.15 Uhr aufgeschoben, um den Nachzüglern noch eine Chance zu geben, pünktlich einzutrudeln. Um 21.15 hat sich jedoch in Sachen Publikumsdichte wenig getan. Bodo Jaworek hatte seine eigene Theorie: Stefan Flesch war schuld. „Der Stefan Flesch hat jetzt erstmal noch 800 Leute in der Kammgarn und wenn die dann alle kommen, wird es schön“, prognostizierte der „Zaubergeiger aus der Pfalz“. Bis dahin wurde schon mal angestimmt und das in gewohnt temperamentvoller Jaworek-Reinhardt-Manier. Neben traditionellem Sinti- oder Gypsy-Swing ging es über die französische Musette und ungarische Folklore bis hin zu lateinamerikanischen Rhythmen, die so viel feuriges Gefühl inne hatten, dass die Außentemperaturen in Sekundenschnelle vergessen waren. Hotswing à la Django Reinhardt von seiner schönsten Seite. Das Ensemble um Bodo Jaworek hat sich nicht umsonst das Vermächtnis des legendären Musikers auf die Fahne geschrieben. Lolo und Jerome Django Reinhardt sind Nachkommen des legendären belgischen Jazzvirtuosen, der in den 1930er- und 1940er-Jahren den Gypsy-Jazz nach Europa brachte. Mit spielerischer Leichtigkeit und konzentrierter Miene griffen Vater und Sohn geschmeidig in die Saiten und ließen sie so lange schwingen, bis die Instrumente glühten. Bassist Ralph Müller lieferte die tief brodelnden Akzente am Viersaiter. Und wenn Bodo Reinhardt mit dem Bogen über die Violine strich, war der Zauber des Gypsy-Jazz komplett. Ob nun die langsame rhythmische Nummer mit dem Titel „Made for Wesley“, das französische Reinhardt-Stück namens „Douce Ambiance“ – von einem scheinbar sprachgewandten Gast aus der hinteren Ecke mit „Zarte Freundschaft“ übersetzt –, das verruchte „Coquette“ oder ein belebendes Cover der Gipsy Kings - alle waren auf den Punkt genau zentriert, harmonierten prächtig im Ensemble, flossen sanft ins Gehör und zogen ohne Umschweife in den Bann. Kaum jemand, der nicht mit den Beinen wippte oder leise zum Takt schnipste. Die berauschenden „Zigeuner-Melodien“ drangen offenbar durch die Wände und lockten zunehmend neugierige Passanten in den Benderhof. Ein Beweis, dass Kompositionen und Spieltechniken Django Reinhardts noch heute anziehende und wohltuende Wirkung haben.

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