Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wo liegt die neue Medical School der Westpfalz?

In sogenannten Skills Labs sollen angehende Ärzte und das sonstige medizinische Personal gemeinsam ausgebildet werden.
In sogenannten Skills Labs sollen angehende Ärzte und das sonstige medizinische Personal gemeinsam ausgebildet werden.

Ein Medizincampus mit Skills Labs und Interdisziplinarität: In Kaiserslautern wird das Westpfalz-Klinikum ein neues Modell für die Ausbildung schaffen.

Etliche junge Menschen aus der Westpfalz sind gerade in Budapest, meist begleitet von ihren Eltern. Was sich vielleicht wie ein Familienurlaub in Ungarn anhört, ist tatsächlich eine Wohnungssuche. Denn die jungen Leute beginnen im September ihr Medizinstudium an der Budapester Semmelweis-Universität. In drei Jahren werden sie dann an die Medical School Kaiserslautern (MSK) des Westpfalz-Klinikums wechseln – und dabei auch am Standort Kirchheimbolanden praktische Erfahrungen sammeln.

September 2024: In Kaiserslautern wird der Kooperationsvertrag mit der Semmelweis-Universität Budapest unterzeichnet.
September 2024: In Kaiserslautern wird der Kooperationsvertrag mit der Semmelweis-Universität Budapest unterzeichnet.

Wo ist denn diese MSK, wird seit September 2024 immer wieder gefragt. Vor einem Jahr war in Kaiserslautern der Kooperationsvertrag zwischen Westpfalz-Klinikum, Semmelweis-Uni und dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium unterschrieben worden. Demnach absolvieren im ersten Jahrgang rund 40 Medizinstudierende – danach sollen es jeweils 80 sein – ihren vorklinischen Teil in einem deutschsprachigen Medizinstudium in Budapest, die praktische Ausbildung folgt am Westpfalz-Klinikum. Dieses wird folglich zum Krankenhaus mit universitärem Charakter. Schon jetzt dient es als akademisches Lehrkrankenhaus für die Universitäten Heidelberg und Mainz.

Investor soll bauen

Die Medical School existiert aktuell aber nur auf dem Plan. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll feststehen, ob das Bauvorhaben über einen Investor verwirklicht werden kann, das Krankenhaus wäre dann Mieter. Gebaut werden soll auf dem früheren Pfaff-Gelände im Westen von Kaiserslautern. Indes ist auf dem reservierten Grundstück nicht nur die Schule für die angehenden Mediziner vorgesehen. Karlheinz Seidl, seit 2023 Ärztlicher Direktor des Westpfalz-Klinikums, berichtet von einem auf 500 bis 700 Personen ausgelegten Ausbildungscampus, der dort entstehen soll, wo früher Nähmaschinen hergestellt wurden. Neben den Ärzten soll der Nachwuchs in den nichtärztlichen Bereichen, wie Pflegefachpersonen, Operations- und Anästhesietechnische Assistenten oder Physiotherapeuten, ausgebildet werden.

Das frühere Pfaffgelände: Dort ist ein Grundstück für den Medizin-Campus reserviert.
Das frühere Pfaffgelände: Dort ist ein Grundstück für den Medizin-Campus reserviert.

Seidl spricht auch von einer engen Verzahnung der Medizinstudierenden und der Auszubildenden. „Das macht uns schon besonders, dass wir diese Interdisziplinarität schon während der Ausbildung propagieren und auch leben.“ Hand in Hand sollen die Studierenden und das künftige medizinische Fachpersonal in Trainingsräumen, „Skills Labs“, ihr Handwerk unter realistischen Bedingungen üben können. Für den Ärztlichen Direktor ist das unabdingbar, komme aber während des Studiums an staatlichen Hochschulen noch zu kurz.

Ohne Einser-Abi

Zwei Drittel des ersten Studierenden-Jahrgangs kommen laut Seidl aus der Region, ein Drittel von weiter weg. Bewerben für das Medizinstudium ohne Zulassungsbeschränkung, wie etwa ein Abiturschnitt von 1,0, konnten sich alle Interessierten aus Deutschland und dem deutschsprachigen Raum. Aufgrund der großen Nachfrage geht der Ärztliche Direktor davon aus, dass nach Rücksprache mit der Semmelweis-Universität etwas mehr als 40 junge Menschen im September anfangen können. Davon unabhängig hatte der Verein „Ärzte für die Westpfalz“ zuletzt weitere acht Stipendien für die Universitäten in Pecs und Budapest vergeben.

Der Ärztliche Direktor des Westpfalz-Klinikums, Karlheinz Seidl.
Der Ärztliche Direktor des Westpfalz-Klinikums, Karlheinz Seidl.

Dass so viele Medizinstudierende aus der Region kommen, spricht für den Ärztlichen Direktor für die Westpfalz und ihr Klinikum: „Wir sind sehr innovativ, wir sind wissenschaftlich orientiert.“ Darüber hinaus böten die Standorte Kusel und Kirchheimbolanden Vorteile. „Bei uns“, so Seidl, „hat man zusätzlich die Chance, in kleineren Kliniken Erfahrungen zu sammeln, ein breiteres Spektrum zu erleben statt nur spezieller Krankheitsbilder.“ Ein Vorteil für alle, die später Allgemeinmediziner werden wollten. „Natürlich erhoffen wir uns einen gewissen ,Klebeeffekt’ für die ärztliche Versorgung in der Region.“

Seidl: Ist nur folgerichtig

Dass das Westpfalz-Klinikum nun universitären Charakter erhält, ist für den Ärztlichen Direktor nur folgerichtig. Er verweist auf den Wissenschaftsstandort Kaiserslautern, der etliche Synergieeffekte mit einem Mehrwert für die Patienten des Krankenhauses ermögliche. Beispiel Künstliche Intelligenz: Durch Zusammenarbeit mit den Forschungsinstituten vor Ort könnten Tausende über Herzschrittmacher erfasste Daten noch besser analysiert werden, „und der Patient profitiert davon“.

Voraussichtlich Ende Oktober, wenn sich der erste Jahrgang ein wenig eingerichtet hat, will das Westpfalz-Klinikum mit einer Delegation nach Budapest reisen. Ausgesucht wurden die ersten 40 Studierenden übrigens von Westpfalz-Klinikum und Semmelweis-Universität gemeinsam, wie Karlheinz Seidl betont. Die Universität habe einen exzellenten Ruf weltweit, sowohl bei der Ausbildung als auch in der Forschung. „Und sie hat 40 Jahre Erfahrung mit deutschsprachigen Studiengängen.“

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