Kaiserslautern
Wirbelsäulen-Spezialisten am Westpfalz-Klinikum
Für Prellungen oder schwere Verletzungen nach Unfällen ist beispielsweise die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie von Chefarzt Professor Alexander Hofmann zuständig: „In unseren Zuständigkeitsbereich fallen Arbeitsunfälle ebenso wie Sport- oder Verkehrsunfälle.“ Ein „Klassiker“ sei der Fall von der Leiter – bei dem der Patient zwangsläufig meist mit dem Rücken auf den Boden aufschlägt. Die Unfallchirurgen operieren häufig Wirbelsäulenbrüche, bei denen beispielsweise ein Wirbel zerschmettert wurde und repariert oder ersetzt werden muss. Das könne mit Titankörperchen oder mittels Knochentransplantation gemacht werden. Um ältere Patienten mit osteoporotischen Frakturen kümmere man sich ebenfalls. Osteoporose ist eine Alterskrankheit, die – vereinfacht gesagt – Knochen dünner und damit anfälliger für Brüche macht. Hofmann fasst zusammen: „Wir operieren alles, was akut ist.“
Zuerst konventionelle Therapien
Statt gleich zu operieren, wie es bei Notfällen notwendig sein kann, setzen die Klinik für Neurochirurgie und deren Chefarzt Kajetan von Eckardstein möglichst auf konventionelle Therapien – etwa bei Bandscheibenvorfällen oder anderen Verschleißerkrankungen. Von Eckardstein: „Wir raten den Patienten zuzuwarten – zumindest wenn sie keine Lähmungserscheinungen haben.“ Operieren sei nur bei großen Schmerzen eine Option. „Die meisten Bandscheibenvorfälle werden nicht operiert“, erklärt von Eckardstein. Andererseits könne ein Eingriff auch Linderung bringen, unter anderem bei einer Spinalkanalstenose; bei der Bandscheiben oder Wirbel breiter werden und auf die Nerven drücken: „Das lässt sich gut operieren und hilft dem Patienten.“ Aber auch hier werde nicht gleich zum Skalpell gegriffen.
In Sachen Wirbelsäule sitzt auch Markus Dietrich mit am Tisch. Er ist Oberarzt in der Klinik für Neurochirurgie und gleichzeitig Leiter der Abteilung für spinale Neurochirurgie. Schmunzelnd erklärt er: „Wir decken Methoden ab, die andere nicht abdecken. Zu unseren Aufgabengebieten gehören Schmerztherapie und Spastikbehandlung.“ Ebenso die Bekämpfung von Tumoren an der Wirbelsäule. Dazu nutzt Dietrich ein nach eigenen Angaben seltenes Verfahren, die Thermoablation: „Unter Röntgenkontrolle bringen wir eine Heizsonde in den Tumorkörper. Damit verkochen wir die Tumormasse.“ Diese Behandlung sei eine gute Ergänzung zur Strahlentherapie, sei allerdings außerhalb des Westpfalz-Klinikums nur wenig bekannt.
Neurochirurgische Sprechstunde
Gemeinsam mit Dietrich bietet von Eckardstein eine neurochirurgische Sprechstunde im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) nach Terminvereinbarung an. Von Eckardstein: „Da können Patienten ohne Überweisung zu uns kommen, um Beschwerden an der Wirbelsäule abklären zu lassen.“ Ebenfalls werden dort Infiltrationsbehandlungen durchgeführt, bei der unter einem Röntgengerät eine Nadel zielgenau platziert wird, um Medikamente an einen Schmerz- oder Entzündungsort zu bringen. „Damit lassen sich Schmerzen gut behandeln – und wir bekommen möglicherweise Erkenntnisse, welches Gelenk genau betroffen ist.“
Was kann man vorbeugend tun, um mit den Medizinern möglichst keine Bekanntschaft als Patient zu machen? Dietrich: „Eine gesunde Lebensführung und auf den Körper achten.“ Von Eckardstein ergänzt: „Körperliche Belastungen können zwar Verschleißerkrankungen fördern. Aber Wirbelsäulenbeschwerden passieren nicht nur Klavierträgern.“ Und Unfallchirurg Hofmann ergänzt: „Es sucht sich ja niemand aus, vor uns zu liegen.“
Erkrankungen nehmen zu
Dass ihnen die Arbeit ausgeht, fürchten die drei Mediziner nicht. Im Gegenteil: Ihren Erfahrungen nach nehmen Wirbelsäulen-Problematiken zu. Dietrich: „Beispielsweise haben bakterielle Entzündungen der Wirbelsäule in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.“ Dass die Menschen immer älter werden, trage ebenfalls zu mehr Arbeit für die Wirbelsäulen-Fachleute des Westpfalz-Klinikums bei.
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