Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Pfalzklinikum und Polizei mit Menschen umgehen, die psychisch krank und aggressiv sind

Nur wenige psychisch erkrankte Menschen werden sich selbst oder anderen gegenüber aggressiv. Im Pfalzklinikum haben die Fachleut
Nur wenige psychisch erkrankte Menschen werden sich selbst oder anderen gegenüber aggressiv. Im Pfalzklinikum haben die Fachleute verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen.

Pfalzklinikum und Polizei haben immer wieder mit Menschen in psychischen Extremsituationen zu tun. Dabei kann es auch schon einmal aggressiv oder gar gewalttätig zugehen, wie jüngst ein Fall in Mannheim zeigte. Pfalzklinikum und Polizei erklären, wie sie mit psychisch kranken Menschen umgehen, die eine Gefahr für sich selbst oder andere sind.

Was fördert aggressives Verhalten?
„Die Gesellschaft durchlebt momentan eine Zeit mit vielen Belastungen, wie die Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg, die Inflation und vieles mehr. Diese und andere Belastungen führen zu Nöten und Ängsten bei den Menschen, dabei kann es auch zu aggressivem Verhalten kommen“, so das Pfalzklinikum. Die Psychiatrie sei ein Spiegelbild der Gesellschaft und stelle insofern keine Ausnahme im Vergleich zu anderen Kliniken oder Institutionen dar.

Was sind Ursachen, dass jemand gewalttätig wird?
Die Ursache aggressiver Verhaltensweisen ist divers und kann unter anderem in der Hilflosigkeit oder der Haltung eines Menschen liegen und ist nicht zwangsläufig an eine psychische Erkrankung gekoppelt, erklärt das Pfalzklinikum. Die dahinterliegenden Gefühle wie beispielsweise Wut, Aggression oder Angst seien Bestandteile eines jeden Menschen und gehörten zu ihm wie auch andere Gefühle wie Freude oder Liebe. Ein solches Gefühl sei an sich nichts Krankhaftes. Bei welchen Krankheitsbildern Gewalt gegen sich selbst oder andere besonders häufig vorkommt, lässt das Klinikum offen.

Wie wird im Klinik-Umfeld mit aggressiven Patient umgegangen?
„Wir begegnen Menschen mit Respekt und können so bereits vieles entschärfen“, betont das Pfalzklinikum. Der Erfahrung nach stünden oft Not oder Hilflosigkeit hinter aggressivem Verhalten, dem mit therapeutischen Möglichkeiten begegnet werde. In besonderen Krisensituationen werde allerdings mit 1:1-Betreuung, durch Gespräche und Entspannungstechniken, sowie im Bedarfsfall auch medikamentös geholfen. Dadurch könnten die meisten Situationen gelöst werden.

Was, wenn ein Patient trotzdem gewalttätig wird?
Im Pfalzklinikum würden die Mitarbeiter aller Berufsgruppen regelmäßig in Deeskalationsmaßnahmen geschult. Kommt es zu aggressivem beziehungsweise gewalttätigem Verhalten, und lässt sich diese Krise nicht von den Mitarbeitenden lösen, werde die Polizei gerufen, wie es in somatischen Krankenhäusern und anderen öffentlichen Kontexten auch geschehe.

Arbeiten Polizei und Pfalzklinikum häufig zusammen?
„Das Pfalzklinikum blickt auf eine langjährige gute Zusammenarbeit mit der Polizei zurück“, heißt es aus der Pressestelle. Zahlen, wie oft die Polizei im Umfeld des Pfalzklinikums im Einsatz ist, werden keine genannt. Zu der Zusammenarbeit gehöre ein regelmäßiger Austausch, bei dem sowohl Einzelfälle als auch Generelles vor- und nachbesprochen werde.

Gibt’s gemeinsame Trainings oder Schulungen mit dem Pfalzklinikum?
Gemeinsame Schulungen mit dem Pfalzklinikum würden derzeit nicht durchgeführt, so die Polizei.

Werden Polizeibeamte im Umgang mit psychisch kranken Menschen besonders geschult?
Bereits im Studium nehme der Themenbereich Psychologie einen wichtigen Stellenwert ein. Insbesondere werde der Umgang mit Personen, die ein psychisch auffälliges Verhalten zeigen, gelehrt. Daneben werde unter anderem auch auf Eigensicherungsaspekte eingegangen. Die Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz biete vielfältige Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten beispielsweise zu den Themenbereichen suizidale Krisenintervention, Kommunikationstrainings und Umgang mit psychisch auffälligen Personen an. In taktischen Trainings finde der Themenbereich ebenfalls Berücksichtigung.

Sind Ereignisse wie jüngst Mannheim, wo ein psychisch kranker Mann bei einem Polizeieinsatz gestorben ist, ein Anlass, den Umgang mit psychisch Kranken noch einmal in den Inspektionen anzusprechen?
Erfahrungen und Erkenntnisse aus solchen Einsätzen werden in die Aus- und Fortbildung aber auch in die alltägliche Arbeit integriert, so die Pressestelle der Polizei. Der Umgang mit psychisch auffälligen Personen spiele nicht nur in Rockenhausen und Kaiserslautern, wo es psychiatrische Einrichtungen gibt, eine Rolle, sondern könne überall von Bedeutung werden.

Wann bringt die Polizei jemanden „in eine Fachklinik“, ins Pfalzklinikum?
Eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik ist laut Polizei üblicherweise Aufgabe der kommunalen Ordnungsbehörden und im Landesgesetz über Hilfen bei psychischen Erkrankungen geregelt. Darin heißt es: „Eine psychisch erkrankte Person darf nur untergebracht werden, wenn und solange sie durch ihr krankheitsbedingtes Verhalten in ihrer Einsichts- und Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt ist und gegenwärtig ihre Gesundheit, ihr Leben oder (...) bedeutende Rechtsgüter (...) erheblich gefährdet und diese Gefahr nicht anders abgewendet werden kann.“

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