Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wie geplante Eingriffe am Westpfalz-Klinikum derzeit ablaufen

Die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Westpfalz-Klinikums ist in einem Altbau untergebracht.
Die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Westpfalz-Klinikums ist in einem Altbau untergebracht.

Silvio Brehmer ist Krebspatient – und war nach den Lockerungen im Westpfalz-Klinikum unter den ersten Patienten, die für eine geplante Behandlung wieder in die Klinik geholt wurden. Dabei war einiges anders, als es sonst abgelaufen wäre.

Im vergangenen Juli ist Brehmer in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik im Westpfalz-Klinikum wegen eines Rachentumors operiert worden. Fast acht Stunden dauerte der Eingriff damals, 46 Lymphknoten wurden ihm entfernt, erinnert sich der 55-Jährige zurück. „Gottseidank habe ich an die Operation selbst keine Erinnerungen“, ergänzt er schmunzelnd – wobei ihm das nur an den Augen anzusehen ist. Denn für den Gesprächstermin im Klinikum, bei dem auch HNO-Chefarzt Norbert Stasche mit Abstand am Tisch in einem Besprechungsraum sitzt, tragen alle Mundschutz. Und die Fenster sind auf, um frische Luft hereinblasen zu lassen.

Brehmer ist Risikopatient, hat seit der Operation eine Chemotherapie samt Bestrahlung mitgemacht und war im Dezember in Reha. Er erzählt: „Eigentlich hätte ich zur Nachuntersuchung mit Gewebeprobe schon im April einen Termin gehabt, aber da es mir gut geht, war es kein Problem, das zu verschieben.“ Andererseits, räumt der Morlauterer ein, „bin ich ja immer noch Krebspatient und will wissen, was mit mir ist“. Dass er nun zu den ersten Patienten gehört, die zu elektiven, also geplanten Behandlungen ins Klinikum gerufen wurden, war ihm also sehr recht. Stasche hakt ein: „Die laufenden Krebsbehandlungen bei anderen Patienten haben wir natürlich die ganze Zeit über fortgeführt, aber bei Nachuntersuchungen gibt es oft etwas Spielraum.“

Am Montagmorgen ist Brehmer nun also ins Westpfalz-Klinikum gekommen – zunächst um einen Rachenabstrich zu machen, außerdem wurde seine Temperatur gemessen und Blut entnommen. Anschließend durfte er für die Nacht nach Hause. „Mit dem Hinweis, für den Tag in die Selbstisolation zu gehen, also die Kontakte zu anderen Menschen auf ein Minimum zu beschränken“, schildert er. Stasche ergänzt: „Da wir die Abstriche im eigenen Labor auswerten können, sind die Ergebnisse in der Regel nach fünf, sechs Stunden da.“ Die Methode zum Nachweis der Coronaviren sei sehr zuverlässig und sorge nicht nur dafür, dass das Personal geschützt wird, sondern auch die Bettnachbarn. Stasche: „Natürlich sollen Patienten sicher sein, dass ihr Zimmergenosse nicht erkrankt ist.“ Notfallpatienten werden bei ihrer Einlieferung getestet und bis die Ergebnisse vorliegen mit hohen Schutzanforderungen behandelt – „als wenn sie das Coronavirus hätten“.

In einer Operation wurden Brehmer am Dienstag dann Gewebeproben aus dem Rachen entnommen, zwei Nächte musste er anschließend stationär im Krankenhaus bleiben. „Der Besuch von meiner Frau und den Kindern fehlt schon“, berichtet der 55-Jährige, „doch die drei Tage waren auszuhalten.“ Er hat volles Verständnis für den Unmut anderer Patienten, die seit Wochen niemand mehr besuchen durfte. Seit Donnerstag ist die Besuchsregelung wieder etwas gelockert. Stasche: „Allerdings gibt’s gerade auf Stationen mit Krebspatienten besonders schutzwürdige Bereiche, in denen wir es mit Besuchen restriktiver halten.“

Ein seltsames Gefühl, weil im Westpfalz-Klinikum auch Corona-Patienten versorgt werden, habe Risikopatient Brehmer nicht gehabt: „Nach dem Anruf habe ich nicht gezögert.“ Dass das Krankenhauspersonal immer mit Mundschutz unterwegs ist, sei gewöhnungsbedürftig, aber ja im Sinne der Patienten, findet der Morlauterer. Er weiß – aus eigener Erfahrung – dass der Schutz auch belastend sein kann, wenn man ihn ständig tragen muss: „Aber das ist schon in Ordnung so.“

Unterm Strich, sagt Stasche, sei das Infektionsrisiko in der Region und im Krankenhaus „sehr, sehr gering“: „Im Westpfalz-Klinikum ist eine corona-sichere Behandlung möglich.“ Einen Geheimtipp, wie man gefahrlos durch die Corona-Pandemie kommt, kann der Chefarzt seinem Patienten am Ende des Gesprächs nicht mitgeben: „Abstand halten gilt weiterhin, da das Virus durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Deswegen sind die Masken auch wichtig: Die schützen zwar nicht mich, aber mein Gegenüber.“ Am geringsten sei die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft. „Fenster auf“, rät der Mediziner.

Brehmers Frau erwartet ihn schon. Geht alles gut, werden die Nachuntersuchungsintervalle Jahr für Jahr größer, die Krankenhausaufenthalte seltener. Der 55-Jährige geht seit März deutlich achtsamer mit sich und Mitmenschen um: „Man schätzt das Leben einfach mehr.“

Foto nur mit Maske: Risikopatient Silvio Brehmer im heimischen Garten in Morlautern. Dort erholt er sich von dem Eingriff.
Foto nur mit Maske: Risikopatient Silvio Brehmer im heimischen Garten in Morlautern. Dort erholt er sich von dem Eingriff.
„Abstand halten gilt weiterhin, da das Virus durch Tröpfcheninfektion übertragen wird“, sagt Professor Norbert Stasche.
»Abstand halten gilt weiterhin, da das Virus durch Tröpfcheninfektion übertragen wird«, sagt Professor Norbert Stasche.
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