Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Wie geht es in der Oberliga weiter?

Wann darf wieder gespielt werden? TuS Dansenberg II und Trainer Sebastian Wächter warten ab und halten sich fit.
Wann darf wieder gespielt werden? TuS Dansenberg II und Trainer Sebastian Wächter warten ab und halten sich fit.

Die meisten Trainer glauben nicht mehr, dass die Oberliga zu Ende gespielt wird, auch der Dansenberger Coach nicht. Deshalb bereiten sich fast alle Vereine schon auf die neue Runde vor – wann immer diese beginnen wird. Trainiert wird derzeit fast überall via Apps. Nur ein Trainer hofft derzeit immer noch, dass es diese Saison weitergeht.

Die Sportwelt ist seit Wochen im absoluten Ruhemodus. In manchen Sportarten wurde die Saison schon abgebrochen, andere zögern noch. Wie sieht es in der Handball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar aus? Eine Umfrage unter den pfälzischen Klubs.

Dansenberg erreicht Saisonziel

Der TuS Dansenberg II stehen in der Oberliga auf Nichtabstiegsplatz 14. Der Spiel- und Trainingsbetrieb ruht. „Die Spieler haben trotz der freien Zeit ein Trainingsprogramm, das sie absolvieren müssen. Das beinhaltet unter anderem zwei einstündige Dauerläufe pro Woche“, erläutert Trainer Sebastian Wächter. Die Ergebnisse müssten dann mittels einer dafür bestimmten App an ihn geschickt werden. „Außerdem soll zu Hause ein selbstständiges Kräftigungs- und Stabilisationsprogramm absolviert werden, das wir im Training grundsätzlich durchziehen.“

An einer Fortsetzung der Saison glaubt Wächter nicht. „Aktuell belegen wir einen Nichtabstiegsplatz, so wie die ganze Saison schon. Damit hätten wir unser Ziel erreicht, mit einer jungen Truppe die Klasse zu halten“, sagt er mit Blick auf die Option, dass die Tabelle eingefroren wird. „Ich bin mir sicher, dass wir unser Ziel auch auf sportlichem Weg erreichen würden, da der Wille bei den Jungs, den Klassenverbleib zu schaffen, sehr groß ist.“ Das wichtige Duell beim Tabellennachbarn HSG Eckbachtal wurde abgesagt. Der Vorsprung auf die „Gekkos“ beträgt zwei Punkte.

Trainings-App für alle Spieler

„Was wir brauchen, ist so viel Planungssicherheit wie möglich“, sagt Stefan Bullacher, Trainer des Tabellenführers der Handball-Oberliga, SV 64 Zweibrücken. An einen Saisonfortgang glaubt keiner mehr, deshalb müsse der Verband Entscheidungen in Sachen Aufstieg, Abstieg beziehungsweise Nicht-Abstieg treffen. Der SV 64 geht im Moment von einem Aufstieg aus. „Und wir rechnen aktuell mal mit einer kommenden Runde. An der mehr Mannschaften teilnehmen, also sozusagen eine Mammutrunde“, sagt Bullacher. Einkalkuliert ins aktuelle Trainingsprogramm ist die Frage: „Wann kann diese nächste Runde überhaupt starten?“, fragt Bullacher. In jedem Fall werde es eine längere Trainingspause geben, um Energie für die erwartete Mammutrunde tanken zu können. Wann diese Pause sein wird, „hängt davon ab, wann die nächste Runde startet“, sagt Bullacher. Bis dahin heißt es für seine Spieler – die Mannschaft bleibt fast komplett zusammen – viermal pro Woche individuell trainieren. Aktuell wären die Laufeinheiten noch zu zweit zu realisieren. Es gibt Ausdauer- und Krafteinheiten. Das wird alles genau aufeinander abgestimmt. Alle Spieler sind mit einer App ausgestattet, die das Trainingspensum erfasst. Die Daten werden ausgewertet, so dass erkennbar ist, wer was von den Trainingseinheiten macht.

Fit halten für neuen Verein

Training in Corona-Zeiten? „Gar nicht so einfach“, sagt Philip Wiese, der seit Jahresbeginn gemeinsam mit Kai Schumann Oberligist VT Zweibrücken-Saarpfalz trainiert. „Man kennt die Spieler ja, weiß, wie sie ticken“, sagt Wiese. Fahrrad und Laufschuhe besitze jeder. Das seien derzeit mögliche Trainingsgeräte. Die VTZ-Trainer stellen den Spielern zudem Fitness-Übungen für zu Hause zur Verfügung. „Vor allem Übungen, bei denen mit dem eigenen Körper und Körpergewicht gearbeitet wird“, erklärt Wiese.

Davon ausgehend, dass die aktuelle Saison nicht mehr angepfiffen wird, „ist es für uns ohnehin eher ein Problem, dass die Mannschaft ihr Gesicht stark verändert und etliche Spieler gehen. Diese halten sich schon für ihren kommenden Verein fit“, erläutert Wiese. Die VTZ selbst wird in der neuen Runde viele neue Spieler bekommen. Die haben teils schon nachgefragt, wie es in Sachen Training aussieht. Die Übungen werden auch ihnen zur Verfügung gestellt, wenn gewünscht. „Wir wissen alle nicht, was kommt. Momentan sind Kai und ich dabei, eine ganz normale Saisonvorbereitung ab Juli zu planen. Ob dieser Plan gebraucht wird, müssen wir abwarten.“ Bis dahin heißt es: sich fit halten.

Einfrieren bringt nichts

Handball ist im Moment das Unwichtigste“, sind sich Thorsten Koch, Trainer der HSG Eckbachtal, und sein Kollege Andreas Reckenthäler von den VTV Mundenheim einig. Trotzdem beschäftigt die aktuelle Situation in der Oberliga auch sie. Reckenthäler ist dabei in der komfortableren Situation, hat mit Auf- und Abstieg nichts zu tun.

Das sieht beim aktuellen Vorletzten HSG Eckbachtal anders aus. „Ich glaube, es gibt keine Alternative, als die Runde zu Ende zu spielen“, sagt Thorsten Koch deshalb. Alles andere würde schließlich Konsequenzen für alle Ligen über und unter der Oberliga haben. „Wir würden nach dem aktuellen Stand nur die Klasse halten, weil Hochdorf in der Dritten Liga auf einem Nicht-Abstiegsplatz steht. Aber Hochdorf hat auch ein Spiel mehr ausgetragen als Willstätt dahinter“, nennt er ein Beispiel, warum für ihn ein Einfrieren auf dem aktuellen Stand nicht infrage kommt. Er werde eine Entscheidung der Verbandsgremien aber klaglos akzeptieren. „Die sind in einer Lage, für die es keine einvernehmliche Lösung geben kann.“ Auf eine Trainingsvorgabe hat Koch verzichtet: „Darum kümmern wir uns, wenn wir wissen, wie es weitergeht.“

VTV: Zumindest zweimal laufen

Andreas Reckenthäler von den VTV Mundenheim glaubt dagegen nicht, dass die Liga fortgesetzt wird. „Immerhin befinden wir uns hier nicht im professionellen Bereich und, die Spieler haben für die Sommermonate schon Urlaub gebucht“, sagt er. Außerdem seien sechs Wochen Ruhepause nach der langen Saison als Regeneration wichtig. Er hat bisher darauf verzichtet, den Spielern individuelle Trainingspläne nach Hause zu schicken. „Ich habe ihnen nur gesagt, dass sie bitte mindestens zweimal pro Woche Laufen gehen sollen.“

Wettkämpfe gegeneinander

Am 19. April sollte bekannt sein, wie mit der Handball-Saison 2019/20 verfahren wird. Müsste er entscheiden, aktuell würde Michael Übel, Trainer des TV Offenbach, die Saison ganz absagen. Das Sportliche sei im Moment außen vor. Er macht sich schon Gedanken über Auf- und Abstieg, denkt daran, dass die HSG Eckbachtal noch vier Heimspiele hätte, und ist froh, dass darüber andere entscheiden müssen. Seine Mannschaft hat mit Auf- oder Abstieg nichts zu tun. Ist überhaupt noch Training? „Jein“, sagt Übel.

Seine Spieler mussten eine Lauf-App herunterladen, die er selbst nutzt. Die bietet wöchentliche „Challenges“ (Teams laufen gegeneinander) an, und gibt Ziele wie gelaufene Kilometer vor. Ein kleines Fitnessprogramm soll das Training ergänzen. „Eigenmotivation, ich denke, das haben sie“, sagt Übel über seine Spieler. „Ich mache mir keine Sorgen, dass wir mit einem extrem schlechten Fitnessstand aus der Situation herauskommen.“ Er geht davon aus, dass es Ende Juli, wenn Oberligisten generell ihre Vorbereitung aufnehmen, weitergehen könnte, hält sich aber zurück: „Auch das ist nicht sicher.“

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