Imsbach / Kusel / Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wie exotische Gewürze auf dem Markt: Die Band Bazaar

Bandprobe in Imsbach: Bazaar legt los.
Bandprobe in Imsbach: Bazaar legt los.

Westpfälzer Weltmusik: Ein Probetag und ein Konzert mit der Band Bazaar um die bekannten Kaiserslauterer Musiker Julia und Christoph Jung.

Mit einem herzlichen „Hi, nice to meet you“ begrüßen die Mitglieder von Bazaar die Reporterin am Frühstückstisch im Hause Jung in Imbsbach. Die Musiker machen gerade Probenpause und stärken sich bei Kaffee und Brötchen in der Küche. Es hat den Charme einer Wohngemeinschaft. Bazaar ist eine Gemeinschaft aus Freunden und Kulturen. Und sobald alle wieder die Instrumente in die Hände nehmen, entführen sie einen auf eine Reise durch ferne Orte und noch fernere Klänge.

Wir befinden uns am Rande von Algier. Die Sonne strahlt so gnadenlos, dass einem die Schweißperlen übers Gesicht laufen. Der Boden ist hart, staubtrocken, stellenweise eingerissen. Die dünnen Sohlen der Sandalen lösen sich langsam auf, während sie an den Felsen und Sandkörnern entlang schaben. Aber da vorne, hinter dem wässerigen Schimmer einer Fata Morgana, sind sie bereits zu sehen: die bunten Zelte und Stände des algerischen Marktes. Auf der einen Seite frisches Obst aus fernen Ländern, auf der anderen Seite orientalische Teppiche und fein verzierte Stoffe. Und überall weht der Duft von exotischen Gewürzen durch heiße Winde, die in der Nase kitzeln und zum Probieren verführen. So muss man sich die Musik von Bazaar vorstellen.

Start beim Ethno-Camp

Schon im Namen steckt die Illusion eines Marktes (aus dem Persischen „Bazar“), auf dem jedoch keine Früchte, Teppiche und Gewürze verkauft werden, sondern Klänge, Rhythmen und Emotionen. Ein Probenbesuch bei der Band gleicht einem Spaziergang durch einen Markt, der von einer Kostprobe zur nächsten führt und verzaubert. 2016 begann die Reise der Band beim Ethno-Camp in Kusel. Hier versammeln sich jedes Jahr Menschen aus aller Welt auf Burg Lichtenberg und feiern ihre Kulturen mit Musik, Tanz und Speisen.

Hier traf der Imsbacher Musiker Christoph Jung auf einen Gitarristen aus Algerien: Mouloud Mammeri. Die musikalische Chemie stimmte sofort. „Wir waren direkt verliebt in Mouloud, als er seine Gitarre ausgepackt und einen Hauch Desert Blues gespielt hat“, erinnert sich Julia Jung, Musikerin und Christophs Ehefrau. Aus Verliebtheit wurde Freundschaft und aus der Freundschaft entstand ein noch unbestimmtes Bandprojekt – die Geburtsstunde von „Bazaar“.

Afrika für Europäer

„Für mich als Rhythmiker waren die vielen Kulturen und Traditionen aus dem afrikanischen Kontinent schon immer sehr spannend“, schwärmt Christoph Jung. „Es gibt in jeder Ecke einen eigenen Stil und jeder Stil ist noch mal ein Universum für sich. Für einen Europäer ist es nicht leicht, sich in diese Grooves einzufinden. Ohne Mouloud hätten wir es wohl nicht geschafft“, lobt der Schlagzeuger, während Mammeri verlegen antwortet: „Ohne euch und ohne uns alle hätten wir es nicht geschafft!“

2017 stieß Nabil Saadi zur Band, ein Algerier, der in Frankreich lebt: „Ich hatte mich von meiner Partnerin getrennt und war auf der Suche nach etwas, womit ich Geld verdienen konnte.“ Die Musik spielte eine große Rolle in seinem Elternhaus, aber ich hatte kein wirkliches Interesse daran“, sagt er. Doch sein langjähriger Freund Mouloud entfachte sein Interesse und holte den begnadeten Musiker an die Zweitgitarre.

Proben im Grünen

Anfangs saß Roland Vanecek am Keyboard, später Marcel Kamps. Als Mouloud 2022 nach Düsseldorf zog, traf er bei einer Jamsession Jack Devaney , Bassist und Schlagzeuger aus dem englischen Brighton. „Als Marcel aus gesundheitlichen Gründen die Band verlassen musste, hat Mouloud mich gefragt, ob ich bei Bazaar Bass spielen wollte. Vor sechs oder sieben Monaten hatte ich meine erste Probe mit der Band.“ Die Truppe war komplett. Etliche Gigs sollten folgen – auf Festivals, in Clubs und an Schulen wie der Kaiserslauterer Lina-Pfaff-Realschule plus.

Geprobt wird im verwinkelten, mit viel Grün zugewachsenen Imsbacher Heim von Ehepaar Jung. Hier leben und musizieren Mammeri, Saadi und Devaney, wenn sie für eine Probenwochenende anreisen. „Dieses Haus, fühlt sich für mich wie ein Zuhause an“, sagt Mammeri. „Es ist einfach toll, hier gemeinsam Zeit zu verbringen. Wir spielen Musik, haben Spaß, trinken ein paar Bier und schauen gemeinsam Fernsehen“, erzählt er lachend. Ihr Lieblingsbier? Für die Düsseldorfer Musiker in der Band ist das ganz klar: Altbier! „Wir sind Fans“, rufen sie alle. Und in die deutsche Hausmannskost haben sich die Musiker auch verliebt – besonders in Sauerkraut!

Spaß ist der Antrieb

Die gesellige Freundschaft mit einem Hauch von WG zieht sich bis in den Proberaum. Mouloud drückt an Nabils Gitarrenknöpfen herum, um seinen Sound einzustellen. Jack imitiert das Summen einer Fliege an den Basssaiten, Nabil haut die imaginäre Fliege mit den Händen auf dem Becken von Christophs Schlagzeug kaputt. Alle lachen.

Spaß ist der Antrieb der Bazaar-Musiker. Spaß haben sie auch bei der Musik, die von jamaikanischem Reggae über algerische Hochzeitslieder bis zu mexikanischen Rhythmen reicht. Die Grooves pumpen und tanzen, die Stimmen der Sänger fließen, die Sprachen wechseln zwischen Französisch und Englisch und Arabisch. Die Tempi wechseln noch schneller. Die Soundatmosphäre schwankt zwischen rau und dreckig wie die sonnenverbrannten Straßen Marokkos, und rein und klar wie das Wasser an der algerischen Mittelmeerküste. Ein rundum sandiger Sound, drückend, treibend, erdend und doch beflügelnd zu neuen exotischen Ufern.

Eigenes und Traditionelles

Auf der Setliste sind eigene Stücke, vor allem aber traditionelle Werke aus den unterschiedlichen Kulturen der Musiker. Sie remixen und fusionieren diese Traditionen auf ihre Art. „Es gibt keine Copyrights. Deshalb machen wir unsere eigenen Versionen daraus“, erklärt Mouloud. Dabei wirken sie wie ein eingespieltes Team, das keine Proben mehr braucht. „Für mich ist es wichtig, mich gut zu fühlen mit den Musikern um mich herum“, sagt Julia Jung.

Dieses wohlige Gefühl wurde noch am gleichen Tag auf der Bühne des Kuseler Kinetts versprüht. Rappelvoll war es im ehemaligen Kino. Sobald die fünfköpfige Truppe – samt zweier Backgroundsängerinnen – die Bretter enterte, war die Hölle los. Von der vordersten bis zur hintersten Ecke wurde gesungen, getanzt, gefeiert, Auf der Bühne zogen die Musiker alle Register, um ein spektakuläres interkulturelles Festival zu garnieren. Mit Songs wie „Viens“, „Lulla“ und dem mehrminütigen „Soudani Manayo“, das zu 90 Prozent aus einem immer weiter wirbelnden Instrumental bestand und alle Zuhörer in einen tranceähnlichen Tanzzustand verfallen ließ. Wer einmal den Sound dieser multikulturellen Formation probiert hat, will unbedingt mehr von dieser vielfältigen und farbenfrohen Geschmackscollage.

Der Traum: Die Wüste

Und was will die Band? „So viel spielen wie möglich“, antwortet Nabil. „Gerne auch mehr Festivals, denn wir sind eine geborene Festivalband“, meint Sängerin Julia Jung. Vielleicht erfüllt sich die Band schon bald einen gemeinsamen Traum: Ein Konzert mitten in der Sahara! Na dann: „Let’s desert rock!“

Die Desertrockband Bazaar im Kuseler Kinett.
Die Desertrockband Bazaar im Kuseler Kinett.
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