Betze-Geflüster RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein FCK-Fan Lukas Gottwalt „zerstörte“

Grinst bis über beide Ohren: Lukas Gottwalt ist froh, dass er wieder am Stadion trainieren kann.
Grinst bis über beide Ohren: Lukas Gottwalt ist froh, dass er wieder am Stadion trainieren kann.

Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass sich Lukas Gottwalt im Training verletzt hat. Seitdem kämpft er und will nur eins, wieder zurück auf den Platz, der Mannschaft helfen. Er hat schwierige Phasen hinter sich, aber mittlerweile sieht er Licht am Ende des Tunnels: Er darf wieder trainieren und hofft jetzt, dass er vielleicht noch ein paar Minuten auf dem Platz stehen darf, bevor die Saison zu Ende ist und sein Vertrag ausläuft.

Der Moment, in dem er aufwachte und seinen Fuß sah mit den Schrauben und dem Gestänge, das da rausschaute, dem „Fixateur“, war fast noch schlimmer als der, in dem es passierte. Ende Mai letzten Jahres beim Elf-gegen-Elf machte es plötzlich „knack, knack“. „Ich wusste gar nicht, wie schnell sowas gehen kann. Ich habe direkt gemerkt, dass da was nicht stimmt.“ Gottwalt wurde mit dem Krankenwagen abtransportiert und erfuhr, was nicht stimmte: Wadenbein gebrochen, Syndesmoseband gerissen und „viele, viele Bänder sind in Mitleidenschaft gezogen worden“. Drei Stufen gibt es von dieser Art von Verletzung. Bei ihm war es „die schlimmste“. Er hoffte trotzdem, dass er nach drei, vier Monaten wieder Fußball spielen können würde.

Das böse Erwachen

Doch ganz so schnell sollte es nicht gehen. Zweimal wurde Lukas Gottwalt im Mai operiert. Erst wachte er mit dem Fixateur auf, dann bekam er eine Stellschraube am Syndesmoseband. Zwölf Tage lag er im Westpfalz-Klinikum. Ohne Besuch – wegen Corona. Im Krankenhaus erfuhr er, dass es mindestens sechs Monate dauern würde, bis er zurückkommen wird.

Was folgte, waren Wochen Reha in Frankfurt, dann ein Monat in Donaustauf bei Physiotherapeut Klaus Eder, der früher die Fußballnationalmannschaft betreut hat. Doch irgendwas stimmte nicht. „Die Beweglichkeit war nicht so gut.“ Gottwalt entschloss sich für eine Arthroskopie in der BG-Klinik in Frankfurt. Der Knorpel wurde geglättet, Narbengewebe entfernt „und die Platte direkt rausgenommen“.

FCK-Fan raubt ihm den Schlaf

Elf Monate sind seit der Verletzung vergangen. Eine Zeit, die für den 23-jährigen Frankfurter nicht einfach war. Im Krankenhaus war er „viel am Handy“, hat viel telefoniert mit Kumpels und der Familie. Er war froh, dass er aufstehen konnte mit Gestell. Und er freute sich über seinen Zimmernachbarn, einen FCK-Fan, mit dem er über Fußball reden konnte – der ihm aber den Schlaf raubte. „Er hat so geschnarcht. Ich konnte nachts nicht schlafen.“

Nach zwölf Tagen durfte Gottwalt heim und wurde von seiner Familie umsorgt. Er wohnte acht Monate lang bei seinen Eltern in Frankfurt, startete dort die Reha und war dankbar für die Hilfe. „Du kannst ja nichts machen, wenn Du auf Krücken bist.“ Seine türkische Mutter kochte seine Lieblingsgerichte. „Sie ist die beste Köchin“, schwärmt er von den türkisch angehauchten Gerichten, die er so mag.

Zurück in Kaiserslautern

Seit drei Wochen wohnt Gottwalt wieder in Kaiserslautern – und wird auch da immer wieder mit Essen von zuhause versorgt. „Ich bekomme das nicht so gut hin“, gesteht er und ergänzt: „Nudeln kriege ich hin.“

In letzter Zeit kocht der Deutsch-Türke immer wieder mal zusammen mit seiner Freundin. Dass er die hat, verdankt er indirekt seiner Verletzung. Er war auf Reha in Donaustauf und schrieb die Schweinfurterin, die ihm gefiel, auf Instagram an. Sie trafen sich in Regensburg und es war ein Volltreffer. Seit November sind sie ein Paar und treffen sich so oft es geht.

Noch eine weitere Frau begleitete den Fußballer auf seinen Weg und tat alles dafür, dass er wieder fit wurde: seine Physiotherapeutin in der Reha in Frankfurt. Sie kommt aus der Pfalz, ist FCK-Fan und wollte, dass er so schnell wie möglich wieder fit wird, damit er der Mannschaft helfen kann.

Hartes Training

Viel Krafttraining stand auf seinem Programm, Beintraining, Bankdrücken, Beweglichkeit, Übungen für die Hüfte, die Brustwirbelsäule. Und seine Physiotherapeutin ließ keine Gnade walten. „Die hat mich getriezt und hat mich echt manchmal zerstört.“ Im Nachhinein war er ihr dankbar dafür.

Seit drei Wochen trainiert er wieder am Stadion, mit dem Rehatrainer, seinem Leidensgenossen Dominik Schad und Lukas Spalvis. „Auf einmal stand er hier“, erzählt er von dem Moment, in dem er sich für Spalvis freute, der lange in seiner Heimat Litauen versucht hat, wieder fit zu werden, und noch länger kämpft als er, um zurückzukommen – zweieinhalb Jahre. Dominik Schad ist sein Leidensgenosse. „Er hatte fast die gleiche Verletzung wie ich.“ Als Schad vom Platz getragen wurde, litt Gottwalt mit ihm und nahm sofort Kontakt auf. „Ich war glaube ich der Erste, der ihm geschrieben hat.“ Seitdem muntern sie sich gegenseitig auf und tauschen sich aus über ihre Wehwehchen. Dass sein Kollege fünf Monate früher wieder trainiert als er, freut ihn.

Die Depriphase

Gottwalt tut das Training mit seinen Kollegen extrem gut. „Es geht stetig bergauf. Ich hoffe, dass ich vielleicht in zwei Wochen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann“, sagt er, und seine Augen strahlen. Er gibt zu, dass er schon mal eine „Depriphase“ hatte. Zwischendrin hatte ich gar keine Hoffnung mehr. Und auch der Gedanke „Was passiert, wenn ich aufhören muss?“ kam hoch.

Doch sein Optimismus ist längst zurückgekehrt. Auch dank seiner Eltern, denen er „sehr dankbar“ ist. Gottwalt überbrückte die Wartezeit und die Zeiten zwischen den Rehaeinheiten mit Fußballschauen. Und eigentlich hatte er sich geschworen, „kein Fifa zu zocken“, aber er spielte dann doch mit seinen Kumpels, auch Basketball. „Ich mag die NBA.“

Aber am liebsten steht er nun mal selbst auf dem Platz und tut alles dafür, zurückzukommen. Er rackert vor dem Stadion, spielt Pässe, dribbelt, springt. Der 23-jährige Innenverteidiger will zurück auf den Platz und hofft, dass er in Kaiserslautern bleiben kann. Er würde der Mannschaft vorher gerne noch helfen, schaut jedes Spiel, meistens mit seinem Papa auf Magenta, und manchmal entfährt ihm ein lauter Schrei. Am Samstag sitzt er auf der Tribüne und feuert sein Team an. „Ich bin bereit. Ich würde gerne spielen“, gibt er zu und arbeitet weiter fürs Comeback.

Freut sich, dass er wieder mit dem Ball trainieren darf: Lukas Gottwalt.
Freut sich, dass er wieder mit dem Ball trainieren darf: Lukas Gottwalt.
Happy, dass sie auf dem Rasen sitzen darf: Maria Huber.
Happy, dass sie auf dem Rasen sitzen darf: Maria Huber.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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