Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfalz-Klinikum sucht mit besonders flexiblen Arbeitszeiten nach Pflegekräften

 Jürgen Hünich und Katharina Klepca (Mitte) arbeiten im Flexteam des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern. Jessica Ulrich ist i
Jürgen Hünich und Katharina Klepca (Mitte) arbeiten im Flexteam des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern. Jessica Ulrich ist im sogenannten Flexbüro für die Personalgewinnung zuständig.

Pflegepersonal wird schon seit Jahren händeringend gesucht. Dabei geht das Westpfalz-Klinikum jetzt neue Wege: Das sogenannte Flexteam verspricht maximal flexible Arbeitszeiten, die verlässlich geplant werden können. Doch dafür wird eine Gegenleistung erwartet ...

An allen vier Standorten des Westpfalz-Klinikums, also Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen, sind alleine im pflegerischen Bereich fast 1500 Menschen tätig. Geht es nach Pflegedirektorin Andrea Bergsträßer, dürften es gerne noch einige mehr sein: „Das Thema Pflegefachkräftemangel ist leider allgegenwärtig.“ Mit den üblichen Stellenanzeigen sei es zunehmend schwieriger, Menschen zu erreichen. „Wir mussten also überlegen, wie wir damit umgehen“, erzählt Bergsträßer. Im Frühjahr vergangenen Jahres sei sie auf ein Projekt eines Krankenhauses aufmerksam geworden, in dem mit besonders flexiblen Arbeitszeiten geworben wurde.

Zusammen mit einer Beratungsfirma ist daraufhin seit April 2021 das Pilot-Projekt „Flexteam“ konzipiert worden, das seit Mitte Dezember am Standort Kaiserslautern läuft. Kurz gesagt können potenzielle Arbeitnehmer, die im Pflegebereich bereits eine Ausbildung gemacht haben, dem Westpfalz-Klinikum ihre Wunsch-Arbeitszeiten nennen und sich im Falle einer Anstellung darauf verlassen, wirklich nur in den vereinbarten Zeitfenstern eingesetzt zu werden. Überstunden und Aushilfsdienste sind ausgeschlossen. Bergsträßer: „,Frei ist frei’ lautet die Devise.“

Für jeden Interessenten ein passendes Angebot

Wie das in der Praxis aussehen kann, erläutert Jessica Ulrich, die zusammen mit Alexandra Thurnes im Flexbüro, der Organisationseinheit des Teams, arbeitet: „Da gibt’s die unterschiedlichsten Lebensläufe. Etwa die alleinerziehende Mutter, die nur arbeiten kann, während das Kind im Kindergarten betreut wird. Oder Menschen, die nur in Nachtdiensten arbeiten wollen.“ Denkbar sei auch, dass wochen- oder monatsweise Dienste im Flexteam übernommen werden. Das Ziel von Flex-Recruiterin Ulrich sei es, jedem Interessenten ein passendes Angebot zu machen. Ist der Arbeitsvertrag unterschrieben, „dann garantieren wir das Einhalten der Zeiten auch“, unterstreicht Bergsträßer.

Um das Flexteam bekannt zu machen, wird vornehmlich auf Onlinewerbung gesetzt, sagt Ulrich, die aus dem Marketingbereich kommt: „Wir richten unsere Werbung auf eine große Bandbreite aus – Studenten, Mütter bis hin zu älteren Arbeitnehmern.“ Mit Erfolg, wie Bergsträßer betont. Seit Mitte Dezember seien mehr als 100 Bewerbungen eingegangen, die nach und nach abgearbeitet werden – ebenfalls eine Aufgabe der Flexbüro-Mitarbeiterinnen. Ulrich: „Wir begleiten die Interessenten im besten Fall von der ersten Kontaktaufnahme über das Bewerbungsverfahren bis hin zum ersten Einsatz auf Station und darüber hinaus.“

Die Flexibilität bei der Arbeitszeit hat ihren Preis

Zehn Arbeitsverträge für das Flexteam wurden schon unterschrieben, was laut Ulrich gut sechs Vollzeitstellen entspricht. In den kommenden Jahren soll das Flexteam auf 120 Mitarbeiter anwachsen, nennt Bergsträßer eine Wunschgröße. Bevor es an die Patienten geht, würden die neuen Flex-Pflegekräfte ausgiebig eingearbeitet – je nach Vorkenntnissen.

Doch die freie Arbeitszeitgestaltung und die verlässliche Dienstplanung haben ihren Preis: Das Flexteam hat im Klinikum den Springerpool abgelöst. Die Flexteam-Mitarbeiter wissen also zwar acht Wochen im Voraus, wann sie arbeiten, aber nicht, wo sie arbeiten. „Das ist dann das Entgegenkommen der Mitarbeiter, die beispielsweise auf Stationen als Krankheitsvertretung eingesetzt werden, wenn Kollegen auf Weiterbildungen sind oder bei Vakanzen aushelfen.“ Um die Dienstplanung und die Absprache mit den Stationen kümmert sich Flexbüro-Leiterin Thurnes.

Flexteam zunächst nur in Kaiserslautern

Bislang beschränkt sich das Flexteam nur auf Kaiserslautern. „Je kleiner der Standort, desto schwieriger ist die Umsetzung“, sagt Bergsträßer, „wir haben hier viele Stationen, was das ab- und zugeben einfacher macht.“ Auf lange Sicht sei es allerdings ihr Wunsch, das neue Modell auch auf die Krankenhäuser in Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen auszuweiten. „Die Stationen profitieren ja, weil bei Engpässen kein Kollege mehr angerufen werden muss, um Überstunden zu machen“, das müsse allen ermöglicht werden. Zunächst jedoch sollen in Kaiserslautern Erfahrungen gesammelt werden.

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