Kaiserslautern
Westpfalz-Klinikum: Hoher Personalausfall wegen Corona
Die Corona-Pandemie hat das Westpfalz-Klinikum nach wie vor im Griff. Die Anzahl der dort behandelten Corona-Patienten steigt laut Klinikumssprecher Dennis Kolter kontinuierlich an. Derzeit sind es standortübergreifend 96, darunter etliche Patienten, die nicht wegen, sondern mit Corona behandelt werden. Zwölf Patienten werden auf Intensivstationen behandelt, acht davon invasiv beatmet. Von den 76 erwachsenentauglichen Intensivbetten der hohen Versorgungsstufe des Klinikums waren – Stand Dienstagmorgen – 68 belegt. Am Standort Kaiserslautern seien inzwischen wieder drei Isolierstationen in Betrieb, so Kolter.
Binnen einer Woche 200 Infektionen beim Personal
Nach zwei Jahren Pandemie seien die Mitarbeiter müde und erschöpft. Die Lage verschärft sich, weil immer mehr Personal krank oder quarantänebedingt ausfällt. Die Ausfallquote sei aktuell um circa 50 Prozent höher als im Normalfall, so Kolter. Von den rund 4000 Mitarbeitern des Klinikums – darunter sind rund 100 ohne Corona-Impfschutz – haben sich kürzlich innerhalb einer Woche knapp 200 mit dem Coronavirus infiziert. Deren Arbeit müssten andere Mitarbeiter übernehmen. „Das macht die Gesamtsituation noch unerträglicher“, heißt es vom Klinikum.
Betriebsratsvorsitzender: „Krankheitsfälle sind unser größtes Problem“
„Dass so viele Mitarbeiter an Corona erkrankt sind, ist aktuell unser größtes Problem“, sagt der Betriebsratsvorsitzende des Westpfalz-Klinikums, Leonel Alves. Deswegen müssten auf Normal- und Intensivstationen Betten gesperrt werden. Alves: „Zum Glück erkranken die Mitarbeiter meistens nicht schwer, aber sie dürfen wegen der Quarantäne nicht arbeiten.“
An den Standorten Kaiserslautern und Rockenhausen gilt aufgrund der Corona-Lage aktuell ein Besucherstopp, in Kusel und Kirchheimbolanden greift für Besucher die 2G-plus-Regel. In Kaiserslautern wurde der Stopp bereits zum 30. Dezember verfügt, nachdem vermehrt Infektionen aufgetreten waren. In Rockenhausen wurde der Stopp am 24. März verhängt. Dort war die Anzahl positiv auf das Coronavirus getesteter Mitarbeiter zuletzt deutlich angestiegen. Gemessen an der Anzahl der Beschäftigten, infiziere sich an den unterschiedlichen Standorten vergleichbar viel Personal. An einem kleineren Standort wie Rockenhausen seien solche Ausfälle aber noch schwieriger auszugleichen, erläutert Kolter. Alle Mitarbeiter unterziehen sich laut Kliniksprecher pro Woche zwei Antigen-Schnelltests und einer PCR-Testung. Auf Covid- oder Intensivstation steht für die Mitarbeiter sogar jeden zweiten Tag ein PCR-Test an, so Kolter. Erfahrungsgemäß finden die Infektionen häufig im privaten Umfeld statt, nicht in der Klinik.
Notfallversorgung wird aufrechterhalten
Die angespannte Lage hat Auswirkungen auf die Patienten: Geplante, nicht zeitkritische Operationen würden wieder verlegt, sagt Leonel Alves. „Wir können aktuell eine Notfallversorgung aufrechterhalten.“ Jeder Patient, der kein Notfall sei, müsse mit Wartezeiten rechnen.
Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden nehme außerdem die Krankheitsschwere im Westpfalz-Klinikum zu: „Coronabedingt haben viele Patienten in den vergangenen beiden Jahren Vorsorgeuntersuchungen schleifen lassen oder selbst bei Symptomen oder Schmerzen Angst, ins Krankenhaus zu kommen, weil sie eine Corona-Infektion fürchten.“ Die Patienten warteten momentan mit einem Arzt- oder Krankenhausbesuch oft zu lange, „das macht es nicht einfacher“. Die Situation sei allerdings nicht nur im Westpfalz-Klinikum so, ergänzt Alves: „Das trifft so ziemlich jeden Maximalversorger in Rheinland-Pfalz und sogar Deutschland.“