Kulturnacht RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfälzer Brass Machine feiert 25-Jähriges – mit Premiere

Von Null auf Hundert: Im zweiten Jahr nach Bandgründung schafft es die Brass Machine aufs weltberühmte Jazzfestival von Montreux
Von Null auf Hundert: Im zweiten Jahr nach Bandgründung schafft es die Brass Machine aufs weltberühmte Jazzfestival von Montreux.

Eine Erfolgsgeschichte sondergleichen hat die Westpfälzer Formation Brass Machine geschrieben. Seit einem Vierteljahrhundert gibt es die Band nun schon.

Die Band begann einst als wahrer Senkrechtstarter. Bei der Langen Nacht der Kultur ist sie in der Fruchthalle Kaiserslautern als Top-Act zu hören. Es war im Jahr 2001, als der heute in Pirmasens beheimatete Journalist und Musiker Jens Vollmer die Brass Machine gründete. Sie ging aus einem anderen, erfolgreichen Projekt hervor: der Band Peppermint Patty. Diese besaß mit den Peppermint Horns eine überaus strahlkräftige Bläsergruppe, die den Soul-, Pop- und Rockcovern kräftige Würze verlieh. Mit Peppermint Patty war der umtriebige Westpfälzer seit 1989 unterwegs. 2001 zerfiel die Band, da Sänger und Rhythmusgruppe andere Wege einschlagen wollten. Es blieben die Horns um Jens Vollmer übrig, die in der Folge etwa auch eine erfolgreiche Konzertserie im Kaiserslauterer Kulturzentrum Kammgarn gestalteten.

„Bei großen Bands ist es immer die erste Maßnahme, sich von Bläsern zu trennen, wenn man wirtschaftlich erfolgreicher sein will. Also haben wir eine Band ins Leben gerufen, bei der man die Bläser nicht wegrationalisieren kann“, bekennt Vollmer einen Hintergedanken bei der Gründung seiner Brass Machine. Gleichzeitig behielt er das frühere Erfolgsrezept einer starken, weil messerscharf-schlagkräftigen Bläsersektion bei. Sie war anfangs auch personell identisch mit den Peppermint Horns und bestand neben dem Bandleader am Saxophon aus dem Erfenbacher Posaunisten Joe Denzer und dem Trompeter Joachim Braun aus Kaiserslautern. Auf Braun folgte bereits 2003 das Landauer Trompetengenie Ralph „Mosch“ Himmler, der seinerseits 2005 von dem Engländer Don Owen abgelöst wurde, der in seiner Heimat mit Größen wie The Beautiful South oder Dr. John gespielt hatte.

Reger Wechsel in der Sängerriege

Noch regeren Wechsel gab es in der 25-jährigen Bandgeschichte bei den Sängern. Schon zu Beginn fanden sich regionale Größen im Wechsel auf der Bühne wieder, darunter Sabine Massing, Silke Hauck, Steffi Zellhofer, Sonja Volz, Majka Kiefer, Markus Eisel und Sascha Kleinophorst. Sie alle machten in späteren Jahren auch mit anderen Projekten von sich reden, Volz etwa mit ihrer Band Friends, Kiefer mit Majkallica, Eisel mit den Gruppen Eiselmeyer und Saftwerk oder auch Kleinophorst bei Saftwerk und als festes Ensemblemitglied im Capitol Mannheim. Die drei Letztgenannten trafen sich auch immer wieder bei Auftritten mit dem Landespolizeiorchester auf der Bühne.

2009 kam es zu einem grundlegenden Wechsel der Sängerriege, nachdem die Urbesetzung mit einem großen Neujahrskonzert in der Kreuzsteinhalle Erfenbach verabschiedet worden war: Christian Stockert stieg als neuer, fester Frontmann ein, verstärkt durch Benjamin Penna. Später kam Melissa Könnel dazu. Als Gäste traten immer mal wieder Miss Christine, Svenja Meyer, Manuel Lothschütz, Dennis Köhler und Sascha Kleinophorst auf. Sonja Volz blieb der Band erhalten. In wechselnden Besetzungen prägen sie gesanglich das weite Repertoire der Band zwischen Rock-, Pop-, Soul- und Funktiteln von den 70ern (Motown/Stax-Ära) über die 80er bis hin zu aktuellen Songs.

Recht stabil präsentiert sich die Rhythmusgruppe der Brass Machine – was jetzt nicht nur musikalisch gemeint ist. Rainer Dettling bedient von Anfang an das Schlagzeug, Markus Zellhofer den Bass und Christof Brill die Gitarre. Allein an den Tasten gab es Wechsel. Nach einem runden Jahrzehnt gab Frank Schäffer die Position an Martin Preiser ab.

Das Wunder von Montreux

Und dann kam das Wunder von Montreux: Bereits im zweiten Jahr ihres Bestehens gelang es der Band, beim weltberühmten Jazzfestival am Genfer See aufzutreten. Und das gleich zwei Mal. Vollmer, der selbst erstmals 2001 als Zuhörer nach Montreux reiste, hatte sich fest vorgenommen, sich für einen der Open-Air-Auftritte im kostenfreien Rahmenprogramm zu bewerben. „Und das so lange, bis es klappt.“ Und es klappte postwendend. „Wir konnten das alle nicht glauben. Ich hab’ die Bandmitglieder angerufen und erst mal gesagt: Setz’ Dich mal“, erinnert sich Vollmer an den Moment, als die Zusage der Veranstalter ins Haus flatterte. Was kam, ist inzwischen Legende. Oder ein Traum. Je nach Betrachtungsweise.

Einer der magischen Festivalmomente: die Brass Machine 2019 auf dem Genfer See.
Einer der magischen Festivalmomente: die Brass Machine 2019 auf dem Genfer See.

Zwei Abende auf den seinerzeit noch zwei Open-Air-Bühnen des Festivals vor der idyllischen Kulisse des Sees und rund 2000 bis 3000 begeisterten Zuschauern. Von Null auf Hundert sozusagen in den Olymp der Musiker. Der zweite Gig in Montreux folgte fünf Jahre später. Und auch an 2007 haben Vollmer & Co. Nur die besten Erinnerungen. Da drei bekanntlich aller guten Dinge sind, kehrte die Brass Machine 2019 zurück, diesmal ins kostenpflichtige Programm des Festivals. Auf dem Oberdeck eines der Musikdampfer, die über den See cruis(t)en, spielten sie vor Hunderten begeisterter Hörer – ach was: Tänzer und Groover. Es entstand dabei einer jener seltenen, magischen Montreux-Momente, in denen die Musik über das Publikum kommt wie eine große, weiche Woge und sie restlos mitnimmt. Im Festivalprogramm tauchte die Pfälzer Formation nun auf Augenhöhe mit internationalen Headlinern wie Elton John auf.

Konzerte für die Seele

„Es war fantastisch, die Leute erzählen heute noch davon, es waren Konzerte für die Seele – und für die nächste Bewerbung bei anderen Veranstaltern“, resümiert Vollmer heute die Gastspiele am Genfer See. Den ersten Auftritt hatte die Band mitgeschnitten, es entstand die CD „Live in Montreux“, bei den Fans wie den Veranstaltern gleichermaßen hoch gehandelt. „Die CD war ein Türöffner zu rund 80 Konzerten“, die wir im Folgejahr absolviert haben“, erwähnt Vollmer einen schönen Nebeneffekt der Produktion. „Unser erster Auftritt dort war in jedem Fall der wichtigste und prägendste. Der dritte vielleicht der schönste – nach dem Auftritt sind wir mit dem leeren Schiff dem Sonnenuntergang entgegengefahren“, gerät der Bandleader, der abseits der Bühne, auf der er leidenschaftlich bis exzessiv sein Instrument beackert, nicht gerade für Gefühlsausbrüche bekannt ist, wahrlich ins Schwärmen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte die Brass Machine wohl die einzige westpfälzische Band in der Festivalgeschichte sein, sicher aber die einzige, die (bislang) gleich dreimal am Genfer See aufkreuzte.

Freut sich aufs Jubiläumsprogramm: Bandleader Jens Vollmer.
Freut sich aufs Jubiläumsprogramm: Bandleader Jens Vollmer.

So lang die Bandgeschichte inzwischen ist – Vollmer schätzt sie auf weit über 1000 Auftritte vom Firmen-Event bis zum Open-Air –, so illuster waren dabei die Stationen: etwa der Gig zur der WM-Eröffnung 2006 auf dem Stiftsplatz mit offiziell 6000 Besuchern – Vollmer schätzt eher gegen 10.000 – und einer Bombenstimmung. Oder das Gastspiel vor etwa ebenso vielen Zuschauern beim Rhein in Flammen am Deutschen Eck, direkt unter der Statue. Auch als Supportband war die Brass Machine mit Größen unterwegs, darunter so unterschiedliche Künstler wie Roger Cicero, die Kelly Family, Joy Flemming, Blood Sweat and Tears, Paul Kuhn, Candy Dulfer oder auch Foreigner. Nicht minder imposant ist die Liste der Gastkünstler, die mit der Band auftraten: die Grönemeyer-Begleitmusiker Alfred Kritzer und Armin Rühl etwa, Schlagzeuglegende Curt Cress, Basser Dominik Krämer und Saxophonist Felix Fromm.

Echt abgespaced!

Zum guten Schluss darf eine Kuriosität in der Bandgeschichte nicht verschwiegen werden: das Rocksical „Raumschiff Melody“. 2004 feierte das nicht ganz ernst gemeinte, kunterbunte Science-Fiction-Rock-Musical mit eigener Geschichte rund um Coversongs und eigener Ausstattung in der Fruchthalle Premiere. Die Brass Machine ist eben immer auch für eine Überraschung gut.

Und ebenda, in der Fruchthalle, darf sich das Publikum bei der Langen Nacht der Kultur auf eine weitere Überraschung freuen: Die elf Mannen um Bandleader Vollmer stellen ihr neues Programm vor. „Das werden dann Klassiker in Brass-Machine-Version sein, etwa von Phil Collins oder Foreigner, aber auch aktuellere Sachen, die ins Programm passen, etwa von Bruno Mars. Derzeit feilen wir noch an den anspruchsvollen Arrangements, etwa von Raye“, gibt Vollmer einen ersten Einblick. Man darf gespannt sein.

Info

Konzert bei der Langen Nacht der Kultur am 13. Juni, 23 Uhr, in der Fruchthalle Kaiserslautern.

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