Metal-CD RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfälzer Band Adorned Graves legt neues Album vor

„The earth has opened her mouth“: CD von Adorned Graves.
»The earth has opened her mouth«: CD von Adorned Graves.

Die Kaiserslauterer Band Adorned Graves spielt Old-School-Metal. So weit, so gut, so unspektakulär. In der üppigen bandspezifischen Variante des ohnehin vielschichtigen Stils versammelt das Quartett allerdings auch noch viele ungewöhnliche, weniger erwartbare Elemente und Einflüsse. Wie groß die dadurch noch einmal erweiterte Bandbreite der Gruppe tatsächlich ist, zeigt sich bereits im allerersten Titel ihres aktuellen Albums „The earth has opened her mouth“.

Denn „Epitaph I“, der erste Titel auf dem neuen Album von Adorned Graves, klingt so gar nicht nach dem wilden, harten, lauten Sound, den man mit Metal klischeehaft in Verbindung bringt. Eher fühlt man sich bei der musikalischen Umsetzung dieser zum Namen der Band (übersetzt etwa: „geschmückte Gräber“) passenden „Grabinschrift“ – nach leisem Wasserrauschen und raschelnden Schrittgeräuschen – in einem irischen Folksong mit einem Hauch von Enya in der Singstimme der Kaiserslauterer Gastsängerin Ruth Börner-Staub. Irgendwie hat man bei dem melancholischen Stück sofort Bilder von weiten Tälern und grünen Auen vor Augen.

Aber keine Sorge: Die Zurückhaltung hält nicht das ganze Stück über. Kurz nach Minute drei wird es nämlich doch noch richtig metallig-heftig. Und ab Track Nummer zwei – „Pilgrim’s Path“ – und dem rauen Gesang von Herbie Langhans dürften sich Metal-Fans ganz zu Hause fühlen. Auch später finden sich in starken Stücken wie im mit über zehn Minuten längsten Titel „Valley Of Achor“ des umfänglichen Albums – fast wäre es ja ein Doppelalbum geworden – immer wieder überraschende Momente in Sachen Tempo, Stilausprägung, Emotion und Aussage. Sogar leichte orientalische Elemente (in „Progenitors“) und gesprochene Passagen (im letzten Stück „Epitaph II“) sind auszumachen.

Geheimnisvolle Geschichten

Neben der solcherart abwechslungsreichen, aber insgesamt eben doch ziemlich kraftvoll-pointiert daherkommenden Metal-Musik überzeugt auch das interessante Gesamtkonzept, das bis hinein in die Sprache und die mit ihr erzählten Geschichten reicht. Es geht, wie das erwähnte „Pilgrim’s Path“ schon erahnen lässt, um eine lange und geheimnisvolle Pilgerreise, auf der man viel Zeit zum Nachdenken hat und auf der es zu interessanten Begegnungen und Zwischenfällen kommt. Die in gutem, manchmal absichtlich altertümlich erscheinendem Englisch gehaltenen Texte mit Berührungspunkten sogar zur biblischen Sprache schließen dabei unmittelbar an das Adorned-Graves-Vorgängerwerk „Being towards a river“ an. Ging es damals um das Element Wasser, so zeigt man sich jetzt buchstäblich bodenständiger, beschäftigt man sich in Kompositionen wie „On A White Pale Hill“ und „Lord Of The Stone“ mit Steinen, dem Erdboden, Hügeln und – passenderweise – Metall.

Bei alldem agieren die vier Musiker keineswegs allein. Bis auf das Instrumental „Wind Over Glenn“ und das von Deafon Graever in vorderster vokaler Linie geformte „Son Of Soil“ kommen nämlich nicht weniger als neun verschiedene Gast-Sänger und -Shouter aus neun Ländern – sozusagen als Wegbegleiter auf der Pilgerreise – zum Einsatz. Darunter sind dann auch solche versierten Künstler wie die erwähnte Ruth Börner-Staub, der israelische Sänger Kobi Farhi oder der Amerikaner Chris Ackerman.

Info

Eine limitierte physische CD-Version von „The earth has opened her mouth“ ist bereits erschienen und über die Homepage der Band, www.adorned-graves.de, bestellbar sowie im Soundcheck Kaiserslautern erhältlich. Seit 21. Juli ist das Album auch online über die gängigen Streaming-Dienste zu beziehen.

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