Kaiserslautern Wenn Schuhe Geschichte(n) erzählen

Ist schon lange dran an ihrem Thema Schuhe: Anne-Marie Sprenger.
Ist schon lange dran an ihrem Thema Schuhe: Anne-Marie Sprenger.

Die Amerikaner kommen zu uns, hinterlassen Spuren und gehen zurück in ihr Land. Seit rund sieben Jahrzehnten. Das Zentrum, in dem die Geschichten jener Soldaten auf Zeit gesammelt und bewahrt werden, steht in Ramstein. Darauf macht derzeit eine Sonderausstellung aufmerksam, die den Aspekt hinterlassener Spuren mit einem künstlerisch-bildhaften und literarischen Zugang aufgreift und unter dem Titel „Schuhe.Spuren.Wege“ Arbeiten aus dem Atelier von Anne-Marie Sprenger aus Lustadt zeigt.

Schuhe, nichts als Schuhe. Farbig und grau gemalt an den Wänden. Ausgetreten und leicht angestaubt mitten auf dem Boden aufgereiht in installierter Nähe zu Textblättern. Das ist der Anblick, den Gäste beim Betreten des Dokumentations- und Ausstellungszentrums zur Geschichte der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz (dcr) erwartet. Obwohl die Künstlerin nicht unbedingt Soldatenstiefel im Sinn gehabt haben mag, war Museumsleiter Michael Geib spontan überzeugt, mit ihrem Schuh-Projekt auch einen inneren Konsens zur Region Ramstein und Air Base darzustellen. Das Thema Schuhe und Schuhgeschichten begleitet die Künstlerin schon lange Jahre. Begonnen hatte es im Zusammenhang mit einem Projekt zum Thema Heimat. Redewendungen wie „Fuß fassen“ bezeichnen Daseinsorte. Geografische Bezüge finden sich in der regionalen Nähe südpfälzischer Schuhdörfer und -städte. Und mit der Schuhmacherkunst beginnen die Wege derer, die sie an den Füßen tragen. Doch womit auch immer kreatives Gestalten der Künstlerin einerseits und angeregtes Weiterdenken der Besucher andererseits beginnt – es spielt eine untergeordnete Rolle. Denn der Ausstellungstitel gibt vielfältige Ansätze zum Weiterdenken, zum Interpretieren. Natürlich auch unter modischen Aspekten oder aus handwerklichen oder historischen, wie jenem Ötzi im Eis, an den Michael Geib bei der Eröffnung erinnerte. Seit Menschengedenken tragen Füße Schuhwerk. Je nach Anlass und Vermögen in Varianten von Stiefeln bis Puschen, aus Leder oder Holz. Sprenger malt auf farbige und geometrisch aufgeteilte Flächen der Bildträger Stöckelschuhe in Bleistifthöhe mit sanftem Schwung in schmal zulaufenden Fußspitzen. Kaum zu tragen. Jedoch schön anzusehen. Andere Motive werden von Wischspuren belebt, von architektonischen Aufbauten, deren fassadenähnliche Rechtecke mit Noppenabdrücken an sportliche Versionen erinnern. Ein Motiv, ganz im Duktus grauwertig-sensibler Ebenen, bildet einen Schuhberg ab. Da passiert es: Auschwitz 1945 – das Lager wird befreit, Spuren zuhauf vom Holocaust. Eine Assoziation, die sich nicht beiseite schieben lässt, trotz jener Jahre seitdem und etwa drei Schuhgenerationen danach. Jeder, der sich hinein begibt in die Thematik der Acryl- und Tuschespuren der Anne-Marie Sprenger, in den Farbtonreichtum, der von emotionalen Bezügen berichtet, die verborgen hinter Formen wirken, jeder offene Ausstellungsbesucher also geht bereichert und angeregt von dannen – womöglich versunken nach dem Fragen eigener Spuren und was sie bewirkten. Am Rande der Ausstellung zeigen eine Vitrine und ein Wandgitter, wie sich die Kindergartenkinder im Miesenbacher „Kinderplanet“ haben anregen lassen: dekoratives Design für Schuhwerk aus dem heimischen Schuhschrank und wunderschön anzusehende Fußabdrucke Puschen-tragender Kinderfüße. Sehr empfehlenswert. Ausstellung „Schuhe.Spuren.Wege“ ist noch bis zum 27. Mai im dcr Ramstein, Schernauer Straße 46, zu sehen; Öffnungszeiten täglich von 14 bis 17 Uhr (außer montags) .

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