Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn Laienorchester einen neuen Dirigenten suchen

Das Kolping-Blasorchester Kaiserslautern bei seinem Weihnachtskonzert 2017, damals unter Leitung von Andreas Vicinus.
Das Kolping-Blasorchester Kaiserslautern bei seinem Weihnachtskonzert 2017, damals unter Leitung von Andreas Vicinus.

Einen Dirigenten zu finden, kann im Laienmusizierwesen durchaus schwerfallen. Das zeigt der Fall des renommierten Kolping-Blasorchesters Kaiserslautern. Erst nach langem Suchen und dank einiger Kompromisse wurde man fündig – im Saarland. Seit Januar führt Daniel Peters den Stab.

Auch das Kolping-Blasorchester spürt die Entwicklung, dass Dirigenten immer kürzer bei einem Klangkörper bleiben. Dabei ist der 1912 gegründete Verein künstlerisch sehr attraktiv und bietet mit seiner exemplarischen Jugend- und Breitenarbeit beste Zukunftsperspektiven.

Die Ära des Kantors und Musiklehrers Raimund Mattern von 1962 bis 1998 bleibt wohl in Zukunft unerreichbar. Zumal Mattern dafür kämpfte, dass auch Mädchen und Frauen in die damalige Kolpingkapelle integriert werden konnten. Mit Konzertreisen in die USA und quer durch Europa erhöhte der Dirigent die Popularität und Attraktivität des Ensembles. Mit Frank Wißmann führte zwischen 2001 und ’15 noch ein Dirigent über einen längeren Zeitraum den Taktstock. Alle nachfolgenden Leiter – etwa Jochen Lorenz (1999 bis 2001), Jan Epp (2015 bis 2017) und Björn Weinmann (2018/19) – blieben nur relativ kurz. Eine Fluktuation, die bei vielen Vereinen zu beobachten ist und durch Corona noch erhöht wurde.

Folgen der Pandemie

Eng verknüpft mit der Suche und Beschäftigung von Dirigenten ist die Problematik der Finanzierung. Kolping-Vorsitzender Andreas Vicinus – zugleich stellvertretender Chef des Kreismusikverbands Westpfalz – beziffert den Einnahmeverlust durch Corona fürs Kolpingorchester Kaiserslautern auf rund 10.000 Euro. Immerhin sorgen 170 passive Mitglieder sowie Spenden für ein Finanzpolster.

Vicinus legt größten Wert auf Dirigenten „von außen“. Im RHEINPFALZ-Gespräch begründet er dies mit der Notwendigkeit neuer Erfahrungen, Sichtweisen und Interpretationsauffassungen. Inzwischen sind dabei allerdings Kompromisse nötig: Bei weiten Anfahrtswegen – wie im Fall des seit Januar engagierten Daniel Peters – könne ein Orchesterleiter auch aus familiären und beruflichen Gründen nicht mehr alle Vereinstermine wahrnehmen. Daher springen bei der Probenarbeit Vicinus selbst, Frank Wißmann und Richard Tebuckhorst im Wechsel ein. Aber jeder bringe ein komplettes Programm mit, damit die Umstellungsprobleme möglichst reduziert werden.

Nur wenige Bewerber

Regionale Kulturorchester mit vielen Musikern im Bläserbereich, dazu Dozenten für Blas- und Schlaginstrumente an zwei regionalen Musikschulen – müsste es da nicht einen riesigen Andrang an Bewerbern mit vielen Probedirigaten geben? „Sollte man zwar meinen, ist aber nicht so“, erläutert Vicinus.

Trotz einer Ausschreibung der Dirigentenstelle, die nach dem Ausscheiden von Björn Weinmann vakant war, über Kreis- und Landesmusikverband gab es beim Kolping-Blasorchester nur drei Anfragen. Der jetzige Dirigent Daniel Peters war dem Orchester schon von früher bekannt, konnte allerdings durch den feststehenden Probentermin zunächst nicht verpflichtet werden.

Die Aufgabe kann selbst für gestandene Dirigenten im Liebhaberbereich eine große Herausforderung sein. Vorzubereiten sind zwei große Jahreskonzerte mit völlig verschiedenen Programmen. Parallel ist die Notenmappe mit Unterhaltungsmusik zu pflegen, was ein ständiges Feilen und Nachbessern erfordert. Dies umso mehr, wenn Nachwuchsmusiker zu integrieren sind.

Hoffnungsträger von der Blies

Die Terminhatz mit Kirchenfesten sowie weltlichen Terminen bei Kirmes oder Altstadtfest bedingt, dass auch die Probenarbeit geschickt geplant werden muss. Dazu muss der oder die Neue ein Händchen haben fürs Zusammenspiel von Einsteigern und alten Hasen, „Mitläufern“ und ambitionierten Stimmführern. Das Kolping-Blasorchester unterscheidet sich somit von regionalen Kapellen, die keinen kirchlichen Zweig bedienen und auch nicht den geselligen. „Hier ist Vielseitigkeit Trumpf“, sagt Vicinus. Daher müssten auch künstlerische Abstriche gemacht werden. Obwohl der leitende Dirigent „nur“ fürs Hauptorchester künstlerisch verantwortlich ist, muss er den Aufbau des Vereinssystems kennen und umsetzen: Blockflöten-Spielkreis, Bläserklassen, Vor- und Jugendorchester sowie Ensembles aus den Reihen des Orchesters.

Der neue Hoffnungsträger Daniel Peters aus Blieskastel hat schon mit sechs Jahren Blockflöte erlernt. Heute ist das Waldhorn sein Haupt-Instrument. Später hat er an der Universität Landau Musik fürs Lehramt studiert und erwarb zudem Qualifikationen als Dirigent für Laienorchester. Danach sammelte er Erfahrung in der Leitung von Jugendorchestern und beim Blechbläser-Ensemble der Uni Landau. Mittlerweile ist er Dozent beim Orchesterseminar des Saarpfalz-Kreises.

Seit kurzer Zeit dirigiert der 38-jährige Daniel Peters die Lauterer Kolping-Kapelle.
Seit kurzer Zeit dirigiert der 38-jährige Daniel Peters die Lauterer Kolping-Kapelle.
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