Kaiserslautern „Weniger große Amputationen“
Einen Informationstag rund um die Gefäßmedizin, der sich sowohl an Patienten und Angehörige als auch an Fachleute richtet, bietet das Gefäßzentrum Westpfalz am Mittwoch, 8. März, an. Die Veranstaltung unter der Leitung von Professor Manfred Dahm geht im Tagungszentrum Betzenberg über die Bühne, für Patienten beginnt sie um 14 Uhr. Sabrina Zeiter sprach darüber mit dem Chefarzt der Thorax-, Herz- und gefäßchirurgischen Klinik am Westpfalz-Klinikum.
Bei Patienten mit Gefäßproblemen ist es wichtig, neben den Angehörigen verschiedene medizinische und nichtmedizinische Partner mit ins Boot zu holen. Alleine vom medizinischen Part her gesehen, sind in solchen Fällen Angiologen, Radiologen, Neurologen und Chirurgen beteiligt. Man muss sich austauschen. Zumal im Laufe einer Gefäßerkrankung, die lebenslang ist, auch mehrere Körperregionen betroffen sein können. Die Veranstaltung findet seit vier Jahren statt, wie sind Sie mit der Resonanz zufrieden? Die Resonanz ist sehr gut. 150 Teilnehmer gab es im vergangenen Jahr bei den Medizinern, rund 100 Patienten waren dabei. 2016 haben wir zum ersten Mal auch medizinisches Fachpersonal angesprochen. 70 Interessenten waren da. Welche Ziel verfolgen Sie mit dem Patiententag, der sich um das Thema „Von der Schaufensterkrankheit zum schwarzen Fuß: Rund um die arterielle Durchblutungsstörung der Beine“ dreht und für die Öffentlichkeit wahrscheinlich am interessantesten sein dürfte? Wir wollen auf Risikofaktoren aufmerksam machen und die Patienten dazu bringen, dass sie auf Symptome aufmerksam werden, die von einer Durchblutungsstörung zeugen könnten. Damit früh der Arzt aufgesucht wird und durch eine andere Lebensweise noch etwas erreicht werden kann. Als Arzt sieht man immer wieder, dass Patienten erst kommen, wenn der Fuß schwarz ist. Das hätte oft verhindert werden können. Da wir für diese Erkrankung sensibilisieren wollen, haben wir zum ersten Mal Schulen angesprochen und für die Teilnahme geworben. Wir sind gespannt auf die Resonanz. Wie schädlich das Rauchen ist, wird ja auch im Biologieunterricht thematisiert. Weitere Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen sind Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen. Wieso haben Sie sich gerade für dieses Thema entschieden? Durchblutungsstörungen sind einfach die häufigste Erkrankung in der Gefäßmedizin. Betroffen sind eher ältere Patienten, wenn mehrere Riskofaktoren zusammenkommen. Bereits bei der ersten Veranstaltung dieser Art haben wir Durchblutungsstörungen thematisiert. Mittlerweile hat sich aber bei den Therapiemöglichkeiten einiges getan, zum Beispiel gibt es andere Interventions- und Operationsansätze: Die großen Amputationen gehen zurück. Welche Folgen kann die Krankheit haben, wie sehen die Therapien aus? Es gibt verschiedene Stadien und Schweregrade. Ein schwarzer Fuß bedeutet schon eine schwere Durchblutungsstörung. Ein leichterer Grad heißt etwa: Bei einer Untersuchung werden zwar Durchblutungsstörungen festgestellt, aber der Patient merkt noch nichts davon. Das kann sich graduell steigern, indem er zum Beispiel beim Spazierengehen Schmerzen in den Beinen verspürt, später zudem in Ruhepausen. Die Schaufensterkrankheit ist ein solches Stadium: Der Patient geht ein Stückchen, hat dann Schmerzen und muss erst einmal stehenbleiben. Durchblutungsstörungen sind ein nicht nur auf die Beine bezogenes Alarmzeichen. Die Lebenserwartung verringert sich, weil dann oft auch das Herz betroffen ist. Zur Vorbeugung gehört natürlich, die Risikofaktoren zu beseitigen, etwa mit dem Rauchen aufzuhören. Bei Gefäßerkrankungen sind zum Teil Medikamente angesagt, die konsequent eingenommen werden müssen. Bei der Therapie gibt es zum einen Interventionen: Man arbeitet mit einem Kathetersystem in den Gefäßen. Zum anderen ist da die Operation – an der verengten Stelle selbst oder per Bypass. Wie läuft der Patiententag ab? Von 14 bis 15.30 Uhr steht eine Podiumsdiskussion auf dem Programm, bei dem die Patienten und Angehörigen Fragen stellen können. Eine Podologin ist ebenso vertreten wie eine Allgemeinmedizinerin und ein Gefäßchirurg. Vor dem Vortragssaal sind von 14 bis 16 Uhr etliche Infostände zum Thema Gefäßgesundheit aufgebaut.