Kaiserslautern Weltrekordversuch: Wie Inklusionssportler Abdul Dogan Menschen zur Teilnahme bewegen will

Abdul Dogan ist nicht nur Botschafter des Weltrekordversuchs, sondern auch Trainingspartner für interessierte Gruppen. Im Volksp
Abdul Dogan ist nicht nur Botschafter des Weltrekordversuchs, sondern auch Trainingspartner für interessierte Gruppen. Im Volkspark hat er sich mit Mitarbeitern des Westpfalz-Klinikums zum Training getroffen.

Menschen zum Laufen bewegen, ein Zeichen für Inklusion setzen und einen Weltrekord aufstellen: Das sind die Ziele des Vereins SIAK. Abdul Dogan nimmt eine Schlüsselrolle ein.

Abdul Dogan befindet sich aktuell im Dauereinsatz. Der 39-jährige Inklusionssportler hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Veranstaltungsbotschafter in Kaiserslautern vor und während des dreimonatigen Weltrekordversuchs mit den verschiedensten Gruppen und Personen zu trainieren, dabei fleißig Kilometer zu sammeln. Er möchte zugleich zeigen, wie wichtig es ist, Barrieren zu überwinden und alle Menschen – unabhängig von physischen Einschränkungen – am sportlichen Leben teilhaben zu lassen.

Initiiert hat den Rekordversuch der Verein Science and Innovation Alliance Kaiserslautern (SIAK). Start ist beim B2Run-Firmenlauf am 22. Mai. Dann ist auch die letzte Möglichkeit, sich für die Aktion zu registrieren. Bis 19. August sammeln alle gemeldeten Teilnehmer Kilometer. Die geschieht über die GPS-basierte Lauf-App viRACE, die die gelaufenen Kilometer automatisch erfasst. Ob Joggen, Walken oder „strammes“ Spazierengehen – jede Bewegung zählt. Die Regeln geben lediglich vor, dass „überwiegend gelaufen und nicht nur gegangen“ werden soll. Nach Ende der 90 Tage wird am 23. August bei einem Event unter Anwesenheit eines Richters des Rekord-Instituts für Deutschland (RID) überprüft, ob der Rekord tatsächlich erzielt wurde. Das RID gilt als deutschsprachiges Pendant zum international ausgerichteten Guinnessbuch der Rekorde. Den Spitzenwert für „die weiteste im Team gelaufene Distanz in 90 Tagen“ hält derzeit die Allianz-Gruppe mit knapp 1,38 Millionen Kilometern – gelaufen 2017 von rund 10.000 Mitarbeitern.

Dogan: „Die Barriere ist nur im Kopf“

Im Sinne der Inklusion erlauben die Regeln des Rekordversuchs erstmals explizit die Teilnahme von Rollstuhlfahrern, sofern sie die Kilometer mit eigener Muskelkraft zurücklegen. Ziel der Initiatoren ist es, die Attraktivität des Innovationsstandorts Kaiserslautern zu stärken, sich zudem für Inklusion und gegenseitige Unterstützung einzusetzen.

„Ich glaube fest daran, dass Sport Menschen verbindet und Barrieren abbaut“, sagt Abdul Dogan, hier mit Bewegungsmanagerin Jenni
»Ich glaube fest daran, dass Sport Menschen verbindet und Barrieren abbaut«, sagt Abdul Dogan, hier mit Bewegungsmanagerin Jennifer Höning und Michael Grubert.

Dogan sitzt seit seiner Geburt im Rollstuhl – was ihn nicht davon abhält, mehrmals in der Woche Kraft und Ausdauer zu trainieren. Sein Lebensmut wirkt ansteckend, neben Marathondistanzen absolvierte er vor einiger Zeit innerhalb von zwei Monaten eine Strecke von 1750 Kilometern. Grenzen scheint es für den Lauterer nicht zu geben, mentale Stärke überwinde selbst die größten Hindernisse. „Die Barriere ist nur im Kopf“, betont er. „Trotz der Herausforderungen, die eine körperliche Beeinträchtigung mit sich bringt, habe ich meine Leidenschaft für den Sport und den Ehrgeiz, meine Träume zu verwirklichen, niemals aus den Augen verloren.“

Am Mittwoch wird die Teufelsbande trainiert

Mit dieser positiven Grundeinstellung will er andere motivieren, sich dem Rekordversuch anzuschließen. So spulte er in den vergangenen Wochen bereits ein beachtliches Pensum herunter, trainierte gemeinsam mit den Mitarbeitern der Firma Accenture, der Hochschule Kaiserslautern, der Innovationsbühne, des Westpfalz-Klinikums, der Stadt und der Verbandsgemeinde Landstuhl sowie dem Unisport-Team. Am Mittwoch, 14. Mai, wird Abdul Dogan dann noch mit der Teufelsbande – dem offiziellen Kids-Club des FCK – trainieren. Auch dort wird Dogan mit der ihm eigenen Begeisterung vorangehen: „Der Sport hat mir gezeigt, dass das scheinbar Unmögliche erreichbar wird, wenn du Leidenschaft und Entschlossenheit mitbringst. Ich glaube fest daran, dass Sport Menschen verbindet und Barrieren abbaut.“

Fast müßig zu erwähnen, dass Abdul Dogan selbst einen nennenswerten Beitrag zum Weltrekord beisteuern möchte: 2500 Kilometer in 90 Tagen sind sein Ziel. Und er kann wohl auch die Urheberschaft für die Weltrekord-Idee beanspruchen. Gemeinsam mit der Kaiserslauterer Bewegungsmanagerin Jennifer Höning wollte er mit einer ungewöhnlichen Aktion für Aufmerksamkeit sorgen, über das Thema Inklusion informieren und dabei auch sportlich Grenzen überwinden. Höning recherchierte daraufhin jede Menge verrückter Weltrekord-Aktionen – und landete beim 90-Tage-Lauf. Dogan war sofort Feuer und Flamme. Sofort Unterstützung zugesagt hat FCK-Fan Manuela Kraft. Sie hatte gemeinsam mit der Bewegungsmanagerin wiederholt die „Betze“-Treppen mit Motivationssprüchen beschriftet, woraus sich eine Freundschaft entwickelt hat.

Das Netzwerk wächst unaufhaltsam

Julia Bangert von SIAK schlug dann vor, noch eine Nummer größer zu denken, möglichst viele Menschen mit einzubeziehen und Abdul Dogan als Motivator voranzuschicken. „Wir betreiben Standortmarketing mit unserem Netzwerk. Da passt es gut, die Stadt und die Region dazu zu bringen, aktiv zu sein“, erklärt sie. Das Netzwerk der Personen und Firmen wächst seither unaufhaltsam – fast schon weltrekordverdächtig.

Die Serie

Für und mit Kaiserslautern den Weltrekord für die weiteste im Team gelaufene Distanz in 90 Tagen holen: Diesem Ziel verschreiben sich täglich mehr Menschen. Die RHEINPFALZ begleitet die Aktion. Info: next-step-kl.com/weltrekord.

Im ersten Teil der Serie haben wir das Projekt vorgestellt
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