Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Auswirkungen das Attentat auf Donald Trump auf den US-Wahlkampf haben könnte

Der vom Attentat gezeichnete Donald Trump ballt unmittelbar nach dem Anschlag fast schon trotzig die Faust: „Das Foto ging sofor
Der vom Attentat gezeichnete Donald Trump ballt unmittelbar nach dem Anschlag fast schon trotzig die Faust: »Das Foto ging sofort viral«, sagt die Politikwissenschaftlerin Sarah Wagner.

Das Attentat auf den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump beschäftigt die Weltöffentlichkeit. Welche Auswirkungen hat der Anschlag vom Samstag auf die Gesellschaft in den USA? Wie wirkt sich das Geschehen von Pennsylvania auf den laufenden Wahlkampf um das Präsidentenamt aus? Sarah Wagner von der Atlantische Akademie (AA) Rheinland-Pfalz sagt: Der Einfluss ist nicht zu unterschätzen, für fundierte Prognosen sei es aber zu früh.

Die Bilder gingen um die Welt: Donald Trump, ehemaliger US-Präsident und aussichtsreicher Bewerber der Republikaner auf das Amt des Präsidenten bei der Wahl im November, wurde bei einer Wahlkampf-Veranstaltung im US-Bundesstaat Pennsylvania am Samstag von einer Kugel getroffen und am Ohr verletzt. Der ohnehin bereits turbulent anmutende US-Wahlkampf hat durch das Attentat noch einmal zusätzlich Fahrt aufgenommen. Aber in welche Richtung?

„Gefestigte Aussagen sind derzeit nicht möglich. Die Lage ist volatil, es gibt zu viele Variabeln“, sagt Sarah Wagner. „Fest steht aber: Der Anschlag wird sich auswirken.“ Wagner, seit 2015 bei der AA, beobachtet seit Jahren das politische Leben in den USA. Ein Effekt, der sich bereits bei den vergangenen Wahlen abgezeichnet hat, wird sich aus Sicht Wagners noch verstärken: „Die Wählerbasis der Republikaner wird noch weiter zusammenrücken und stärker mobilisiert werden“, vermutet die stellvertretende Direktorin der AA.

Bereits in der Vergangenheit hätten beide große Parteien in den USA, Republikaner und Demokraten, bei den Präsidentschaftswahlen überwiegend auf Stammwähler bauen können. „Die Mobilisierung der eigenen Basis ist daher immens wichtig.“ Das Attentat verstärke diese Entwicklung. Und: Der Anschlag verstärke auch das von Trump und seiner Wählerschaft verbreitete Narrativ, dass ein Wiedereinzug ins Amt des ehemaligen Präsidenten verhindert werden solle.

Was die gereckte Faust bewirken kann

Kurz bevor die Leibwächter den angeschossenen Donald Trump vom Podium geleiten wollten, reckte der blutende Kandidat fast trotzig die Faust in den Himmel. Eine Geste, die seine Anhänger jubelnd aufnahmen. „Das Foto ging sofort viral“, hat Wagner beobachtet, die dem Bild eine „unglaubliche Symbolkraft“ zuschreibt: Trump präsentiere sich, unmittelbar nachdem er Opfer eines Anschlags geworden ist, eben nicht als Opfer, sondern zeige sofort Stärke, wirke wie ein Held. „Da kann kein gestelltes Kampagnenfoto mithalten.“

Diese zur Schau gestellte Stärke kontrastiere die in den vergangenen Wochen diskutierte Schwäche des amtierenden US-Präsidenten Joe Biden. Diese hatte in den vergangenen Wochen zu einer Diskussion bei den Demokraten geführt, ob Biden überhaupt der richtige Kandidat ist. Die Demokraten küren in etwa vier Wochen in Chicago offiziell ihren Kandidaten für das Amt des Präsidenten, der Parteitag der Republikaner beginnt am Montag, 15. Juli, in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin.

Abgesehen von der Debatte, wer denn für die Demokraten gegen Trump ins Rennen ums Weiße Haus gehen soll, die noch nicht abgeschlossen scheint, hat das Attentat auf Trump höchstwahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Strategie der Demokraten, glaubt Wagner. Bisher sei Trump als „Gefahr für die Demokratie“ dargestellt worden. Die Republikaner drehten den Spieß nun um und behaupteten, dass gerade diese Verteuflung Trumps ja offensichtlich zu Gewalt führe, die in einem Attentat gemündet sei. „Das wird ein Balanceakt für die Demokraten“, glaubt Wagner.

Die Wahlen sind am 5. November

Wie sich das Attentat auf die Stimmung und die Wahlabsichten in den USA auswirken wird, dazu liegen laut Wagner wohl erst in der kommenden Woche Zahlen vor: „Erst dann wird sich das Geschehen in Umfragen niederschlagen.“ Für fundierte Prognosen sei es dennoch zu früh. In den USA gewählt wird erst im November, traditionell am Dienstag nach dem ersten Montag im November. 2024 ist das der 5. November.

Info

Am Dienstag, 16. Juli, bietet die Atlantische Akademie in Zusammenarbeit mit der Politikwissenschaft der RPTU einen Online-Vortrag an. Ab 18 Uhr geht es um die US-Außenpolitik nach den Präsidentschaftswahlen im November. Referentin ist Majda Ruge vom European Council on Foreign Relations. Alle Infos zur Anmeldungen finden sich auf der Website der Atlantischen Akademie.

Sarah Wagner ist die stellvertretende Direktorin der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern.
Sarah Wagner ist die stellvertretende Direktorin der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern.
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