Kaiserslautern Was Stil bedeutet

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Es fällt schwer, sich einen glücklicheren Auftakt zur sinfonischen Reihe der BASF in der neuen Saison vorzustellen als dieses über alle Maßen begeisternde Konzert im Ludwigshafener Feierabendhaus. Unter Karl-Heinz Steffens’ mitreißend brillanter Leitung wurden die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und die beiden Solisten, Marie-Pierre Langlamet (Harfe) und Julien Beaudiment (Flöte) jedem noch so hohen Anspruch gerecht.

Vorgestellt wurde ein französisches Programm, passenderweise mit französischen Solisten: Debussys „Danse sacrée et danse profane“ (sakraler und weltlicher Tanz) und „La Mer“ sowie das Flötenkonzert „Galim“ des zeitgenössischen Komponisten Pascal Dusapin im ersten Teil. Nach der Pause folgten dann Mozarts in Paris entstandenes Konzert für Flöte und Harfe und zum wahrhaft krönenden Schluss des Konzertprogramms die zweite Suite aus Ravels Ballett „Daphnis und Chloé“. Vom ersten bis zum letzten Ton zogen die Aufführungen die Zuhörer im Feierabendhaus unwiderstehlich in ihren Bann durch Feinschliff, Esprit, elementaren vitalen Elan und expressive Gewalt. Wie an dieser Stelle bereits festgestellt, wirkt die Musik bei Karl-Heinz Steffens außergewöhnlich lebendig, abwechslungsreich und authentisch. Unter seiner impulsiven, gestisch äußerst beredten Stabführung erscheint alles sinnvoll und zugleich aufregend, wird jedes noch so kleine Detail zum spannenden Ereignis. Ihm beim Dirigieren zuzuschauen, lohnt allein schon einen Konzertbesuch. Wobei es ihm keineswegs um Schaueffekte geht. Vielmehr gilt Steffens Zeichengebung der Artikulation der Musik, der Dynamik, den Farben, die sie ungemein differenziert und sensibel formt, und richtet sich an das Orchester. So erhielten die musikalischen Charaktere auch diesmal extrem prägnante Umrisse, wurden andererseits Höhepunkte mit letzter emotionsgeladener Konsequenz angesteuert. Dies vor allem bei den großen Apotheosen von „La Mer“ und ganz besonders dem rauschhaften Pandämonium des Schlusssatzes von „Daphnis und Chloé“, in dem die Staatsphilharmonie entfesselt aufspielte und nachgerade zu baden schien im französischen Klangparadies. Dem ekstatischen Tonzauber standen andererseits delikate, anmutige Konzertpassagen gegenüber mit überaus ansprechenden Beiträgen der philharmonischen Soloinstrumentalisten. Last not least die beiden Solisten: Marie-Pierre Langlamet und Julien Beaudiment profilierten sich als Virtuosen von Format, imponierten durch spielerische Eleganz und höchst verfeinerte Musikalität. Ihre Wiedergabe von Mozarts Konzert für Flöte und Harfe ließe sich an gestalterischer Fantasie, Anmut und Grazie kaum überbieten. Man konnte dabei auch lernen, was Stil bedeutet.

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