Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Glasfaserausbau nicht so schnell vorangeht, wie sich viele wünschen

Zukunftsfähig, aber aufwendig zu verlegen: Glasfaserkabel bis zum Haus oder sogar in die Wohnungen.
Zukunftsfähig, aber aufwendig zu verlegen: Glasfaserkabel bis zum Haus oder sogar in die Wohnungen.

Jahr für Jahr wachsen die Datenmengen, die über das Internet ausgetauscht werden. Gigabit-Koordinator Christoph Baumann soll dafür sorgen, dass Kaiserslautern in Sachen Bandbreite zukunftsfähig aufgestellt ist. Doch da gibt’s ein paar Hindernisse ...

Die Datenmenge, die hoch- und heruntergeladen wird, steigt rasant an. Das kann jeder Internetnutzer selbst beobachten und reicht vom Serienstreaming und Game-Downloads bis zu sogenannten sozialen Medien, in denen mittlerweile Bewegtbilder Trumpf sind. Vom Bedarf an schnellen Internetverbindungen für Forschung und (Digital-) Industrie ganz abgesehen.

Ganz zu schweigen von künftigen Online-Anwendungen. Stichwort: Internet der Dinge. Sebastian Staab, Direktor des Referats Tiefbau der Stadtverwaltung, ist überzeugt: „Der Gigabit-Ausbau ist für uns als Kommune Daseinsvorsorge.“ Deswegen sei 2020 die Position eines Gigabit-Koordinators im Rathaus geschaffen worden, bei dem in Sachen Breitbandausbau die Fäden zusammenlaufen.

Die Aufgabe hat Christoph Baumann übernommen: „Wir sprechen zwar aktuell über Gigabit, also Geschwindigkeiten von 1000 Megabit pro Sekunde bei Kabel- und Funknetzen, aber bereits Anfang der 2030er Jahre werden wir in den Terabit-Bereich kommen.“ Ein Terabit/s sind wiederum 1000 Gbit/s. Als Anwendungsbeispiele, die so hohe Geschwindigkeiten benötigen, nennt Baumann autonomes Fahren oder smarte Häuser, in denen die Elektrogeräte in Echtzeit übers Internet kommunizieren. Das Mittel der Wahl, um Gigabit- und höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, sind Glasfaserkabel. Doch in der ganzen Stadt „mal eben“ Glasfaserleitungen zu verlegen, das gestaltet sich aus mehreren Gründen schwierig.

Problem 1: Netzbetreiber suchen sich Filetstücke

So soll der Ausbau zunächst grundsätzlich eigenwirtschaftlich geschehen: Netzbetreiber wie die Telekom, Vodafone, Deutsche Glasfaser/Inexio, K-net und Plusnet sollen auf eigene Kosten dafür sorgen, dass Internet-Bandbreiten bis zu einem Gigabit erreicht werden. Doch die Unternehmen haben in erster Linie Interesse am Innenstadtbereich, wo mit einer Baumaßnahme viele potenzielle Kunden erreicht werden können. Randbereiche oder gar Stadtteile sind deutlich weniger attraktiv. Das zu ändern ist eine Aufgabe von Baumann: „Wir sprechen viel mit den Anbietern, suchen Kooperationen und arbeiten an schnellen Genehmigungsverfahren.“ Und: Wenn heute eine Straße im Vollausbau saniert wird – ohne, dass ein Netzbetreiber konkrete Glasfaserausbaupläne hat –, werden Leerrohre verlegt. Auf Kosten der Stadt. Staab: „Wir wollen ja nicht, dass eine neue Straße in zwei, drei, fünf Jahren aufgerissen werden muss, um dort Kabel zu verlegen.“ Als Beispiele nennt er den Schlehweg in Dansenberg und den Schillerplatz. „Künftig ist das bei allen Baumaßnahmen des Tiefbaureferats vorgesehen“, sagt Staab, „zumindest wenn sich keine Partner finden.“

Problem 2: Bei Förderung dauern die Prozesse zu lang

Wenn das so ist und in einem Gebiet die Internetgeschwindigkeit unter 100 Mbit/s liegt, dann gibt’s für die Erschließung Fördermittel von Bund und Land. Beispielsweise für schnelles Internet in Stockborn. Die 100 Mbit/s-Schwelle soll laut Baumann in den kommenden Jahren fallen, Förderungen auch bei schnelleren Anschlüssen möglich werden. Doch bis die Gelder fließen, dauere es oft lang, sagt Baumann. In Stockborn habe man den Förderantrag im März 2021 gestellt. Die Bundesmittel seien mittlerweile bewilligt, das Land lasse mit seinem Förderbescheid allerdings noch auf sich warten.

Problem 3: Kabelfernsehnetz bremst Verbesserungen

In Kaiserslautern sind 85 Prozent der Haushalte mit gigabitfähigen Anschlüssen versorgt, verweist Baumann auf eine Statistik. Die allerdings täuscht, wie er erklärt: „Vodafone gibt für seine Kunden gigabitfähige Verbindungen an. Die nutzen das frühere Kabelfernsehnetz aus Kupfer zur Übertragung. Grundsätzlich sind die Anschlüsse tatsächlich gigabitfähig. Aber man teilt sich die Bandbreite mit anderen Nutzern. Je mehr Menschen in einer Straße Vodafone-Anschlüsse haben, desto langsamer wird die Übertragungsgeschwindigkeit.“ Besonders zu Zeiten, in denen viele Menschen online unterwegs sind, sei das zu bemerken. Dieser Weg sei nicht zukunftsfähig und blockiere die Förderung eines Glasfaserausbaus, denn das Gebiet gelte als „von Vodafone erschlossen“.

Problem 4: Der Ausbau ist sehr teuer

Der Glasfaserausbau sei für etwa zwölf Prozent der Haushalte und Anschlusspunkte im Stadtgebiet abgeschlossen, sagt Baumann. Rund 2700 Haushalte haben somit einen Glasfaseranschlusspunkt am Haus. Also noch viel zu tun. Wieso nimmt das die Stadtverwaltung nicht selbst in die Hand? Weil das Verlegen der Kabel richtig aufwendig ist – und viel Geld kostet. Laut Baumann gibt es drei Ausbauverfahren: klassischer Tiefbau (85 Euro Kosten pro Meter), minimalinvasiver Glasfaserausbau (65 Euro pro Meter) und oberirdische Leitungen (zehn Euro).

Staab: „Viele Länder sind im Glasfaserausbau weiter als wir, weil die Kabel von Haus zu Haus spannen. Das ist allerdings sehr störungsanfällig und im Innenstadtbereich keine Option.“ Ebenso sei es in der Stadt mit dem minimalinvasiven Ausbau schwierig. „Hier können nicht einfach Schlitze in den Bürgersteig gefräst werden, dafür liegen zu viele Leitungen. Und was passiert, wenn Strom- oder Gasleitungen angebohrt werden, das haben wir vor kurzem in Landstuhl gesehen.“ Die Tiefbau-Variante sei also die einzige, die in Kaiserslautern infrage komme.

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