Kaiserslautern
Vorletzten Teil der Metal Opera „Dispyria“ vorgestellt
Es galt, den vorletzten Akt der sich seit fast anderthalb Jahrzehnten entwickelnden Metal Opera „Dispyria“ zu präsentieren. Im Mittelpunkt dieses Parts mit dem Titel „Redemption (Part I: Twisted World)“ stand dabei gleich zweierlei: zum einen die inhaltliche Fortsetzung der von Walzer erdachten komplexen Fantasy-Geschichte um Dämonen, Schicksal und den Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen bekannten Protagonisten wie Josh Devon und neu hinzu gekommenen Gegnern wie Scrumgrot, dem ersten „Seelenreißer“.
Die tragende Geschichte hinter der ebenfalls von Jürgen Walzer erschaffenen Musik wurde an diesem Abend nicht nur von der „Dispyria“-bewährten Moderatorin Martina Blandfort sprachlich gekonnt vermittelt. Während der musikalischen Performance wurden zum jeweiligen, meist düsteren Inhalt passende Video-Sequenzen projiziert, erstellt mit KI-Hilfe, die allerdings die fantasievoll-kreative Handschrift des auch als Videokünstler bekannten „Dispyria“-Schöpfers erkennen lassend.
Zehn Personen auf der Bühne
Auf dieser Basis kam es zur Live-Präsentation der Musik, die im weiteren Vorfeld gar nicht so einfach war. So mussten etwa die zehn Bühnen-Beteiligten – die Band hat keinen Namen, nur das Projekt – für die nur wenigen Proben unter einen Hut gebracht werden. Für die erkältungsbedingt mit Stimmproblemen kämpfenden Sängerin Sabrina Roth musste und konnte kurzfristig die nicht minder stimmstarke Ines Theobald zur Entlastung bei einigen Songs einspringen. Aber es funktionierte letztlich alles – es waren schließlich erfahrene Profis am Werk.
So wurde der Release-Abend zu einer weitgehend runden Sache. Mit der geballten Kraft von gleich drei Gitarristen (Jürgen Walzer, Markus Pfeffer, Knut Bausch), zwei Schlagwerkern (Perkussionist Achim Scherer, Schlagzeuger Mario Walther) und dem sich mit Stephan Hugo und Dennis Ohler zu einer soliden Vierheit ergänzenden Vokalboard lieferte man quer durch die Stimmungen von choral-zurückhaltend bis mächtig rockig-treibend ab.
Metalliges Powerplay
Rhythmisch und harmonisch ergänzt wurden die mehrschichtigen Titel durch die Beiträge von Sven Sommer (Bass) und Michael Weickenmeier (Keyboard). Es war anspruchsvoll, zum Hinhören animierend, das Publikum, darunter viele bekannte Musiker aus der Lauterer Szene, war auch ohne extra-plakative Energie-Entladungen berührt.
Neben älteren, die aktuelle „Dispyria-Situation erklärenden Titeln (wie das besonders emotionale „Tears of an Angel“) spielte man so einen guten Teil aus dem zehnteiligen „Redemption“-Album. Zwischen „Nothing Without You“ (einem beeindruckend gravitätischen Liebeslied) über das Scrumgrot einführende „The First of Its Kind“ bis hin zur knackigen Zugabe realisierte die Band auf diese Weise zweieinhalb Stunden metalligen Powerplay.
Zwei Überraschungen
Schade nur, dass die komplexe „Dispyria-“Musik nicht optimal, sondern über längere Strecken hinweg nur ziemlich verwaschen durch die Anlage kam. Schmälern konnte das den Erfolg des Abends aber kaum, zumal das Konzert mit zwei netten Überraschungen aufgewertet wurde: Der an der Produktion beteiligte US-Sänger Zak Stevens (Savatage) – der Clip zu seinem „The Revelation“ ist seit diesem Freitag online – grüßte per Video aus South Carolina. Der ebenfalls in mehreren Titeln des Albums vokal vertretene Carsten „Lizard“ Schulz war sogar im Kammgarn-Publikum dabei. Auf das nun noch zu erwartende „Dispyria“-Grand Finale darf man nach diesem Konzertabend besonders gespannt sein.