Kaiserslautern Vor 350 Jahren starb die Pfalzgräfin Eleonore

Ein Porträtbild der Pfalzgräfin ist nicht überliefert. Bildhauer Gernot Rumpf schuf dieses bronzene Kleid für den Lauterer Barba
Ein Porträtbild der Pfalzgräfin ist nicht überliefert. Bildhauer Gernot Rumpf schuf dieses bronzene Kleid für den Lauterer Barbarossabrunnen.

Der Wadgasserhof liegt in der Kaiserslauterer Steinstraße direkt gegenüber dem Stadtmuseum, das ihn seinen Ausstellungsflächen angegliedert hat.

Früher beherbergte das Gehöft ein Hospital samt Kapelle. Später machte es die Pfalzgräfin Marie Eleonore zu ihrem Wohnsitz. Sie gilt als eine der wenigen Frauen, die in der Stadtgeschichte eine gewisse Rolle spielten. Vor 350 Jahren ist sie gestorben.

Marie Eleonore war eine brandenburgische Prinzessin, die durch Heirat zur Schwägerin des Kurfürsten von der Pfalz wurde. Sein Griff nach der böhmischen Königskrone führte – neben anderen machtpolitischen Schach- und Winkelzügen der Herrscherhäuser Europas – zum Dreißigjährigen Krieg. Als Eleonore inmitten der allgemeinen Verheerungen in Kaiserslautern Zuflucht fand, war die Stadt gerade von der Mordlust und Zerstörungswut der Armeen heimgesucht worden. Weil sie dennoch den Status einer Pfalzgräfin und Fürstentochter nicht aufgeben mochte, lag sie mit den Lauterern im ewigen Streit ums liebe Geld.

„Als geborene Prinzessin von Brandenburg hatte sie wohl einen hohen Begriff von ihrer Stellung und forderte gern Frondienste der Bevölkerung ein, die der Stadtrat nicht erlauben wollte“, sagt Bernd Klesmann, der Leiter des Stadtarchivs. Immerhin waren die Lauterer damals noch stolz auf den längst eingebüßten Status einer freien Reichsstadt. „Das hat sich alles bis heute in den Ratsprotokollen erhalten“, so der Archivar.

„Herzlich wenig bekannt“ über Zeit an der Lauter

Außer diesen Belegen und einer Handvoll Briefe haben nur wenige Dokumente aus Eleonores Jahren in Kaiserslautern die Zeit überdauert. Nach Einschätzung Klesmanns ist die Pfalzgräfin eine „interessante Figur, über die wir leider herzlich wenig wissen“. Das Stadtarchiv besitzt einen handschriftlichen Brief, doch nicht einmal ein Porträtbild ist erhalten. Ein Gemälde ihres Manns hängt im Hunsrück-Museum Simmern.

Ihr Gatte war Ludwig Philipp, der Sohn jenes pfälzischen Kurfürsten Friedrich IV., dem ob seiner Lust auf Party das Trinklied zugeschrieben wird: „Wie kam gestern ich ins Nest?/ Bin scheint’s wieder voll gewest!“ Der Pfälzer Kurfürstensohn und die Berliner Kurfürstentochter heirateten im Advent 1631 – mitten im Dreißigjährigen Krieg also, als die deutschen Lande bereits von Schwert und Fackel, Hunger und Seuchen aufs Schwerste getroffen waren.

Dauerstreit ums liebe Geld

Die Kurpfalz war von den Spaniern besetzt, zerstört und ausgepresst. Eleonores Bräutigam Ludwig Philipp musste seinem Fürstentum Pfalz-Simmern fernbleiben. Mit seiner Angetrauten führte er das Dasein eines (freilich nicht darbenden) Flüchtlings – ebenso wie sein Bruder Friedrich V., der „Winterkönig“, der nach seinem „böhmischen Abenteuer“ bald da, bald dort Unterschlupf suchte und 1632 in Mainz starb. Sein Sarg stand während einer jahrelangen Irrfahrt zeitweilig auch in Kaiserslautern herum. Danach verliert sich seine Spur.

Ludwig Philipp von Pfalz-Simmern und seine Marie Eleonore betraten erst pfälzischen Boden, als die protestantischen Heere unter Führung des Schwedenkönigs Gustav Adolf die katholischen Spanier vertrieben hatten. Doch ihre Zeit als „Administratoren der Kurpfalz“, die in Frankenthal residierten, war nur von kurzer Dauer. Nach der Niederlage der Schweden 1634 begann für das fürstliche Paar „ein viele Jahre dauerndes unstetes Flüchtlingsleben“, wie die Lauterer Autorin Marliese Fuhrmann schreibt. Die Odyssee führte sie nacheinander nach Metz, Sedan und schließlich Kreuznach. Ihre sieben Kinder kamen im Exil zur Welt. Nur zwei erreichten das Erwachsenenalter.

Ein Leben auf der Flucht

Im Herbst 1644 – also noch vor Abschluss des Westfälischen Friedens – wurde dem Fürstenpaar ein neues Domizil im Schloss Lautern zugewiesen. Das einst vom Pfalzgrafen Casimir erbaute Palais war seit dem Kroatensturm 1635 nur notdürftig hergerichtet worden. Von 2100 Einwohnern vor dem Krieg lebte kaum noch ein Drittel. Überall in der Stadt waren die Kriegsschäden zu sehen.

Marie Eleonore war jetzt 38 Jahre alt und wünschte sich als Gräfin von Pfalz-Simmern standesgemäße Zerstreuung. Am 25. Februar 1646 begehrte „die durchlauchtigste hochgeborene Fürstin, unsere gnädigste Frau, das untere Theil von drei in der Nähe ihres Hauses und ihrer Gärten liegenden Thürmen, dem Schneider-, Gräber- und Schmiedethurm, um sich Lusthäuser anzulegen“.

Besitzansprüche des Kurfürsten

Der Stadtrat stimmte zähneknirschend zu. Frondienste zur Sanierung des Schlosses lehnten die Lauterer jedoch ebenso ab wie den Vorschlag, im Stadtwappen auf den überlieferten Hecht zu verzichten. Immerhin hielt die Bevölkerung zu Ludwig Philipp, als ihm sein 1646 nach Heidelberg zurückgekehrter Neffe die Herrschaft Kaiserslautern streitig machen wollte.

Der 1653 in Regensburg zusammengetretene Reichstag fand einen Kompromiss: Stadt und Amt Lautern sollten vom Pfalzgrafen Ludwig Philipp und seiner Frau Marie Eleonore zu deren Lebzeiten verwaltet und regiert werden, danach wieder der Kurpfalz gehören. Das Herzogtum Simmern verblieb Ludwig Philipp und seinen Erben. Als der Pfalzgraf Anfang 1655 mit nur 52 Jahren während einer Polen-Reise starb und neuerliche Besitzansprüche aus Heidelberg laut wurden, bestätigte der deutsch-römische Kaiser diese Regelung.

Sommersitz mit Gartenhäusern

So residierte Eleonore fortan abwechselnd in Kreuznach, Simmern und Lautern. Zur Sommerfrische reiste die „Fürstin von Lautern“, wie sie in den Ratsprotokollen durchgängig genannt wird, ins nahe Fischbach und zur Kur nach Wiesbaden. An der Lauter bezog sie neben dem Casimir-Schloss den Wadgasserhof. Das außerhalb der Stadtmauern gelegene Anwesen war von saarländischen Prämonstratenser-Mönchen als Hospital errichtet worden. Eine kleine Kapelle stand seit der Reformation leer.

Marie Eleonore, die als energische Gegnerin des Katholizismus auftrat, verwendete das Gehöft als Sommerwohnsitz mit Gartenhäusern. Sie war, wie ihre Biografin Marliese Fuhrmann schreibt, „durch ihren im Calvinismus begründeten Glauben nicht nur eine sittenstrenge Frau, die nach dem Tod ihres Manns ein puritanisches Leben führte“, sondern „erwartete dies auch von ihren Untertanen“.

Den Lauterern des Feiern verboten

Den Lauterern verbot sie vor Ablauf ihrer (eigenen!) dreijährigen Trauerzeit allzu laute Musik in den Wirtshäusern. Ein Bürger musste sich rechtfertigen, weil seine Hochzeitsfeier zu groß und zu laut geriet. Die städtische Hebamme wurde gefeuert, da sie der Fürstin zu alt erschien.

Eleonores aufrichtige, aus heutiger Sicht frömmlerische Sittsamkeit ging so weit, dass sie eine Lauterer Ehebrecherin an den Galgen brachte. Immer wieder verlangte sie von der Stadt gepfefferte Umlagen und eine „Prinzessinnensteuer“ zur Heirat ihrer Tochter, die jedoch vor der Trauung starb.

Andererseits kümmerte sie sich um die Hygiene beim Schlachten, die Reinlichkeit auf den Straßen und die Seuchenbekämpfung. Sie förderte nicht nur das Bildungswesen, sondern richtete sogar eine Mädchenschule samt weiblichem Lehrpersonal ein. Mit dem protestantischen deutsch-holländischen Theologen Johannes Koch, genannt Coccejus, stand sie in regelmäßigem Briefkontakt.

Reservierter Platz in der Stiftskirche

Der Literaturhistoriker Gottschalk Eduard Guhrauer schrieb 1850, die Fürstin habe „für ihre Bildung nicht den Weg durch die Philosophie“ genommen, „für welche bei ihrem simpeln und religiösen Sinne kein Bedürfnis war“. Sie widmete sich „dem Studium der Bibel, welche sie in der Ursprache las“, nachdem sie den Coccejus-Schüler Johann van Dalen als Hofprediger und Hebräisch-Lehrer nach Kaiserslautern geholt hatte. Für ihre Gottesdienstbesuche in der Stiftskirche stand ein eigens reservierter Platz auf der Empore zur Verfügung. Als ihr das Treppensteigen zu mühsam wurde, ließ sie sich im Mai 1663 einen Stuhl im Chorraum aufstellen und - zwecks Distanz zum gemeinen Volk - mit einem Gitter umgeben.

Die Fürstin von Lautern überlebte ihren Mann, die fünf Söhne und zwei Töchter. Nach dem Tod des letzten verbliebenen Kinds Ludwig Heinrich Moritz hielt sie sich überwiegend in Kreuznach auf. Dort starb Gräfin Marie Eleonore, Prinzessin von Brandenburg, Witwe des Administrators von Kurpfalz, Fürstin von Simmern und Kaiserslautern, nach kurzer Krankheit am 18. Februar 1675 im Alter von 67 Jahren. Sie wurde in der Schlosskirche zu Simmern beigesetzt. An den Rat von Lautern erging Order, „die Gemächer im Schlosse zu verpetschieren“ (versiegeln).

„Lautern, den 4. Juli 1666“: Marie Eleonore gratuliert einer Nichte ihrer Schwiegermutter zur Geburt eines Sohns.
»Lautern, den 4. Juli 1666«: Marie Eleonore gratuliert einer Nichte ihrer Schwiegermutter zur Geburt eines Sohns.
Als Wohnsitz zog Marie Eleonore den Wadgasserhof (Bild) dem von Pfalzgraf Johann Casimir erbauten Schloss Lautern vor.
Als Wohnsitz zog Marie Eleonore den Wadgasserhof (Bild) dem von Pfalzgraf Johann Casimir erbauten Schloss Lautern vor.
Ihr Mann, Pfalzgraf Ludwig Philipp.
Ihr Mann, Pfalzgraf Ludwig Philipp.
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