Kaiserslautern Von Soldatenliedern und klingenden Friedensappellen

Kammermusik im Union-Kino: die Solocellistin des Pfalztheaters Caroline Busser und der Geiger Ivan Knezevic.
Kammermusik im Union-Kino: die Solocellistin des Pfalztheaters Caroline Busser und der Geiger Ivan Knezevic.

Die erste Matinee im Unionsviertel präsentierte eine musikalisch-geografische Rundreise quer durch Europa. Aber nicht nur – wie so oft – mit Kostproben aus verschiedenen Ländern und Stilen, sondern in einer über viele Monate selbst erlebten Rund- und zugleich Hochzeitsreise.

Die Solocellistin des Pfalztheaters, Caroline Busser, und der Geiger Ivan Knezevic (erster Geiger in Hagen und Folkwang-Kammerorchester Essen) nahmen sich eine Auszeit und waren mit ihrem Wohnmobil unterwegs, um über 20 Länder zu bereisen. Am Sonntag stellten sie im Union-Kino in Filmausschnitten und klanglichen Kostproben ihre Reiseimpressionen vor. Die filmischen Stimmungsbilder mit wechselnden Naturaufnahmen, Sehenswürdigkeiten sowie Menschen bei rauschenden Dorffesten waren erstaunliche Kunstwerke für sich. Sie zeigten daneben das Paar in einer – positiv gemeinten – Selbstinszenierung. Denn die Musiker verstanden sich als Teil des dörflichen und städtischen Lebens, nahmen kulturelle Anregungen auf, stellten aber auch ihr Repertoire vor. Dabei bildete Schillers „Ode an die Freude“ in der Vertonung Beethovens als Europahymne einen Schwerpunkt. Das Paar verstand sich folglich auch vor allem als Botschafter des Friedens, der Aussöhnung und musizierte daher auch an Gedenkstätten von Kriegsopfern. „Musik verbindet“, lautete die Botschaft, die am Sonntag mit Werken von Mozart, Händel (konzertante Bearbeitung einer Cembalo-Passacaglia) vermittelt wurde. Es zeigte sich hier die herausragende Klasse des Duos in packendem gestalterischem Zugriff. Das Beethoven-Thema hatte der Geiger als hochvirtuosen Variationszyklus selbst bearbeitet, und auch hier zog das Duo alle Register seines ausgefeilten Könnens in rasantem Laufwerk und eleganten Umspielungen und Verzierungen. Soldatenlied an der französischen Gedenkstätte, Dorftänze im Balkan, klingende Friedensappelle mit John Lennons Poptitel „Imagine“: Beispiele einer gelungenen Synthese aus klassischer Musik und Pop. Unvergessliche Erlebnisse wie ein irisches Dudelsack-Festival regten eigene Adaptionen wie eine aufgeführte irische Suite an. Immer wieder fiel auf, dass sich das kongenial ergänzende Duo sehr gut in Idiomatik und Rhythmik sowie Melodik hineinversetzen kann. Und dass es kein Nachspielen von Liedern und Volkstänzen im Volkston war, sondern eine eigene, „aufpolierte“ Sichtweise mit grandiosen spieltechnischen Fertigkeiten.

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