Kaiserslautern
Vom „Badeweiher“ zur „Wesch“: Die Geschichte der Waschmühle
Am 4. Juni 1908 übergab Oberbürgermeister Hans Küfner festlich gekleidet in schwarzem Gehrock das Bad der Öffentlichkeit. Auch die eingeladenen Ärzte und Schuldirektoren hatten sich für die Zeremonie würdevoll gekleidet. Mit mahnenden Worten warnte Küfner damals die Nichtschwimmer vor den „Gefahren des tiefen Wassers“, und ermahnte zur Sauberkeit des Bades.
Wenn die französischen Pläne eines Saar-Pfalz-Kanals durch den Hagelgrund aus dem Jahr 1776 umgesetzt worden wären, gäbe es heute keine „Wesch“. Fischzuchtanlagen waren damals vorgesehen und ein kleiner Hafen. Doch aus dem Plan wurde nichts. Am Anfang des Waschmühlbads standen der Eselsbach, eine Mühle und die Morlauterer Waschfrauen. Zwischen dem Südhang des Kieferbergs, dem Nordhang des Vorderen Rotenbergs und dem Osthang des Mühlbergs liegt das Freibad.
Waldumgang mit Baderast schon 1730
Johann Georg Widder schreibt in seinem „Versuch einer Darstellung der Orte in der Kurpfalz“ im Jahr 1788 über die Waschmühle: „Das durch den Hagelgrund kommende Bächlein treibt auf der Höhe von Morlautern eine der geistlichen Verwaltung zugehörige Sägemühle, genannt Morlauterer Wasch. In dem Bächlein wuschen die Morlauterer Frauen ihre Wäsche.“ Gründer der Morlauterer Wasch, der Sägemühle, am später Eselsbach genannten Bächlein, war entweder die Zisterzienser-Abtei Otterberg oder die Prämonstratenser-Propstei Lautern. In der Literatur gibt es verschiedene Angaben.
Im 16. und 17. Jahrhundert besaßen dort auch die Herren von Löwenstein und die Grafen von Veldenz Fischweiher. Nach der Französischen Revolution 1789 kamen der Bach, die Sägemühle und die Weiher an wechselnde Privatbesitzer. Badespaß gab es mit Sicherheit im Eselsbach und in den Weihern schon früher. Das kann man am Jahr 1730 festmachen. Damals gab es einen Waldumgang mit einer Baderast am „Woog im Hagelgrund“. Die Deputierten von Morlautern wurden „an der Viehtränke am Woog“ gepritscht.
Damen durften erst 1926 baden
Die Idee, ein „Herrenbad“ zu bauen, wurde bei den städtischen Etatberatungen im Februar 1905 vorgetragen. Das Flurstück Waschmühle, das aus einem Weiher und verschiedenen Gebäuden bestand, kam im Jahr 1906 für 43.000 Mark in städtisches Eigentum. Bereits im Etat 1905 hatte die Stadt „zum Zwecke der Anlegung eines neuen Badeweihers“ 5000 Mark veranschlagt. Im März 1905 stiftete ein „wohlwollender Bürger“ 25.000 Mark, ein Jahr später kamen 40.000 Mark dazu.
Eine ungenannte anonyme Dame spendete 20.000 Mark, um gleichzeitig ein „Damenbad“ anzulegen, steht in einer Notiz der Baugeschichte. Gemeinsames Baden war verboten. Erst ab 1926 durften die Damen, gemäß einem Ratsbeschluss, nach 17 Uhr auch das Herrenbad benutzen. Die Bausumme der „Badeanstalt im Hagelgrund“ betrug ungefähr 145.000 Mark.
Beliebter Ort für Vereinsfeste
Das Kassenhäuschen war 1908 bei der Einweihung noch nicht fertig und Toiletten gab es auch noch nicht. Weil das Badevergnügen unmittelbar nach der Eröffnung noch nichts kostete, kamen „zahlreiche gesundheitsbewusste Gäste“, um sich in dem „klaren Forellenwasser“ zu erfrischen, so die Pfälzische Presse. Es soll aber auch „allerhand Gesindel“ gekommen sein. Im Kaiserslauterer Stadtanzeiger werden ein paar Tage nach der Eröffnung zahlreiche Taschendiebstähle beklagt. Es gab einige Badeunfälle, weil die Aufsicht noch nicht geregelt war. Zwei Wochen nach der Eröffnung ertrank ein junger Mann und kurz danach ein fünfzehnjähriges Mädchen.
Die „Badeanstalt an der Waschmühle“, so die Bezeichnung ab dem Jahr 1909, entwickelte sich offensichtlich zu einem beliebten Ort, um Vereinsfeste abzuhalten. Der Eintrittspreis betrug nun zehn Pfennig. Der Zuspruch war so groß, dass sich die Stadt veranlasst sah, ein „Reglement für die Abhaltung von Vereinsfeierlichkeiten in der Badeanstalt Waschmühle“ zu erlassen. So beschloss der Stadtrat am 8. Juli 1909 unter anderem, die „Zuschauerzahl bei Vereinsfeierlichkeiten“ auf 700 zu beschränken. „Der Verein muss auf seine Kosten für Ruhe und Ordnung sorgen“, beschloss der Rat. Für Schäden war zu haften, und es waren „sachliche Vorkehrungen zu treffen, dass keine Unglücksfälle passieren“, steht in dem Beschluss.
Wassergraben zum Füße reinigen
Im Laufe der Jahre wurde das Bad immer wieder saniert. Zum 25. Jubiläum des „Bades an der Waschmühle“ im Jahr 1933 gab es die größten Veränderungen. Das Bad nahm ungefähr die Gestalt an, wie wir sie heute kennen. Die Zeitungen berichteten, dass 250 Arbeiter im Einsatz waren, um das jetzt „Licht- und Luftbad Waschmühle“ genannte Bad herzurichten.
Die Liegefläche lag bis dahin tiefer und musste aufgefüllt werden. Die Stadt lies Gras sähen, die Wiese wurde auf 170 Meter Länge und 45 Meter Breite ausgeweitet. Die ursprüngliche Mauereinfassung der Becken auf der Südseite zur Liegewiese hin wurde um 30 Zentimeter abgetragen, um von der Liegewiese aus einen Blick auf die Wasserbecken zu bekommen. Ein Wassergraben von einem Meter Breite wurde um die Becken gelegt, um die Füße reinigen zu können. Im Jahr 1932 betrug der Zufluss vom Eselsbach rund 185 Liter pro Sekunde. Das genügte damals, um einen guten Durchfluss zu gewährleisten. Im Laufe der Zeit wurden deswegen Brunnen niedergebracht.
Höschen an der Fahnenstange
Ein Kinderplanschbecken wurde 1964 angelegt und Spielgeräte aufgestellt. Bürgermeister Wilhelm Franke gab 1954 mit einem mutigen Sprung den Zehnmeterturm frei. Größere Sanierungsarbeiten gab es 1975 und dann in den 1980er und 1990er Jahren. Auch der Holzzaun zwischen dem „Herrenbad“ und dem „Damenbad“ wurde abgerissen. Während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die Franzosen das noch durch den Holzzaun abgetrennte „Damenbad“. Die Leute nannten es „Franzosenbad“. Noch in den 1990er Jahren galt das Waschmühlbad als das größte Freibad Europas, was es möglicherweise heute noch ist.
Zum Schluss noch eine Anekdote: Verboten war es allemal, sich nach Kassenschluss im Schwimmbad zu aalen. Doch wo ein Zaun ist, ist auch ein Loch. Durch dieses Loch krochen die Lausbuben in Begleitung ihrer Mädchen nachts in die „Wesch“. Der Bademeister soll gestrippte Höschen und „Oberteile“ an der Fahnenstange gehisst, vorgefunden haben und Schampus-Flaschenkorken auf dem Wasser schaukelnd wie Schwimmer der Angler. Zeitzeugen erinnern sich. Das waren die lockeren Fünfziger. Später verdarben Rowdys den Spaß. Vom „wieder eingerissenen Zaun“ stand in der Zeitung. Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung steht in den Einsatzprotokollen.