Kaiserslautern Vom ASG ins Alcatraz
Wenn der eigene Vater ein flüchtiger Hochstapler ist und die Familie ein Nomadenleben quer durch Europa führen muss: Darum geht es in dem Debütroman „So, und jetzt kommst du“ des in Kaiserslautern geborenen Journalisten Arno Frank. Das Erstaunliche: Es ist die wahre Lebensgeschichte des Autors. Das Buch erscheint morgen (Besprechung folgt in der Samstagsausgabe auf der Seite Kultur). Und am kommenden Dienstagabend liest Arno Frank in der Thalia-Buchhandlung.
Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder den Versuch unternommen, die Geschichte in Angriff zu nehmen, weil Sie erzählt werden wollte. Habe aber nie die richtige Form gefunden. Alles wirkte zu manieriert und prätentiös. Dann hat sich ein Mitarbeiter des „Dummy – Das Gesellschaftsmagazin“, für das ich selbst häufiger schreibe, bei mir gemeldet und suchte nach einer Geschichte zum Thema „Abenteuer“. Da hat es bei mir Klick gemacht, und ich habe meine Kindheit innerhalb eines Nachmittags zu einer Kurzgeschichte runtergeschrieben. Bei dieser punk-artigen Schreibweise, von jetzt auf gleich, stimmten der Ton, das Tempo, es war schnörkellos. Ich hatte meine Sprache gefunden, um diese Geschichte erzählen zu können. Und in weniger als einem Jahr war sie in Romanform gepresst. Ist die Geschichte wirklich eins zu eins so passiert? Da ist nichts aufgebauscht, nichts dazu erfunden, höchstens verfremdet. Es ist aber auch keine Biografie, bei der jeder Tag und jeder Dialog haargenau so stattgefunden hat wie es da steht. Ein Beispiel: In dem Buch beschreibe ich, wie ich vom Klassenzimmer des Albert-Schweitzer-Gymnasiums aus in den Hof des ehemaligen Alcatraz-Gefängnisses gucken konnte. Und in meiner Erinnerung war das auch so. Jetzt stand ich aber vor kurzem wieder in diesem Klassenzimmer und merkte, dass das gar nicht möglich ist (lacht). Ich konnte nur über die Mauer schauen, aber nicht in den Hof. Für die Erzählung spielt das aber überhaupt keine Rolle. Es sind Erinnerungen aus der Perspektive eines Kindes, das nicht hinterfragt oder analysiert. Sie sagen, die Geschichte wollte erzählt werden. Meinen Sie damit, dass Sie sich das einfach von der Seele schreiben mussten? Es war kein therapeutisches Schreiben, keine Sozialreportage und auch kein Psychogramm. Ich habe schon lange meinen Frieden mit der Vergangenheit gemacht. Ich wollte einfach erzählen, wie es sich für ein Kind anfühlt, auf diese Achterbahnfahrt durch Europa geschickt zu werden. Man hätte es psychologisieren können, aber dadurch wäre die Geschichte verloren gegangen. Hatten Sie je Bedenken, Ihre Familiengeschichte so zu offenbaren? Ja, ich hatte Bedenken und habe sie manchmal noch. Ich fragte mich oft, ob ich das darf oder ob es taktlos ist. Mittlerweile glaube ich: Ja, es ist taktlos, aber ich darf das (lacht). Hinzu kommt, dass ich als Journalist eine gute Geschichte schnell erkenne. Und das ist eine gute Geschichte darüber, dass es sich nicht auszahlt, dem großen Geld hinterherzulaufen. Es gibt andere Werte, für die es sich zu leben lohnt. Es scheint so, als würde jeder Journalist irgendwann als Autor enden. Wie lange schlummert der Autor schon Ihnen? Es gibt tatsächliche viele Print-Journalisten, die meinen, dass in ihnen ein Roman-Autor schlummert. Dabei sind das journalistische und das literarische Schreiben zwei völlig unterschiedliche Dinge. Mein erstes Buch hab ich mit zwölf geschrieben – natürlich nur Schwachsinn, eine 80-seitige Fortsetzung von „Krieg der Sterne“ (lacht). Ich habe aber immer gerne gelesen. Dadurch schwirrte mir der Gedanke, irgendwann selbst zu schreiben, schon lange im Hinterkopf. Ich glaube, wer nicht liest, kann das mit dem Schreiben sowieso vergessen. Wird es nach diesem Debüt Nachschub von Ihnen geben? Der Roman „So, und jetzt kommst du“ ist erst mal der Korken auf der Flasche. Ob in der Flasche noch was drin ist, bleibt abzuwarten (lacht). Danke für das Gespräch! Lesung Am Dienstag, 19.30 Uhr, bei Thalia, Karten im Vorverkauf und an der Abendkasse. |kkv