Kulturzentrum Kammgarn
Vielleicht Emma: Abschied mit Stil
Wenn man einen Abschied würdig und angenehm begehen will, dann lädt man sich dazu Freunde ein. Das haben auch die Jungs von Vielleicht Emma gerne getan und sich mit den Bands Clockmakers und Good Looking Wilson zwei stilistisch und qualitativ vergleichbare, gute Bekannte mit zum Abschiedskonzert geholt.
Als erstes kamen die drei aus dem Kaiserslauterer Raum stammenden Clockmakers mit Jonathan Puhlmann (Bass), Daniel Bender (Schlagzeug) und Felix Kries als Frontmann auf die Bühne und brachten schon vom ersten Takt an die Menge davor mächtig auf Trab. Man war übrigens nicht dauerhaft nur zu dritt: Im Laufe des Auftritts kamen noch die stimmstarke Sängerin Romy und der musikbegeisterte Zuschauer Max (am Tambourin) als Special Guests dazu und sorgten dabei für gelungene Überraschungsmomente.
Einen ähnlich guten Eindruck hinterließen Sänger/Gitarrist Joshua Raubuch, Bassist Nils Friedrich und Schlagzeuger Jan Rosenlöcher von der Saarbrücker Band Good Looking Wilson. Das Trio füllte den zweiten Part des Konzerts ohne Substanz-Defizit in Stil und Aussage und brachte so den Konzert-Abend einen deutlichen Schritt weiter in Richtung Höhepunkt.
Den gab es dann mit dem Auftritt von Vielleicht Emma. Nach fast einem Jahrzehnt sollte dies nun also der letzte Auftritt des erfolgreichen Trios aus Kaiserslautern sein. Aber anstatt zu einer traurigen Abschiedsfeier mit bedauernden Worten (von denen es an diesem Abend durchaus einige gab) werden, geriet der Auftritt von Sänger und Gitarrist Manuel Schalk, Max Werz am Bass und Matthias Hassel (Schlagzeug) zu einer ausgelassenen Abschiedsparty. Dafür waren auch der mitreißende Indie-Sound, die ansprechenden deutschen Texte mitten aus dem Leben und die beiden launigen selbstproduzierten Werbe-Clips für das aktuelle (und eben letzte) Album mitverantwortlich.
Die emotionalen und für längere Momente der Ruhe im Publikum sorgenden Worte von der Bühne herab minderten auch keineswegs die gute Stimmung: Man sprach von der langen Zeit als Band, die man mit enger Freundschaft und guten gemeinsamen Erfahrungen in Verbindung brächte, und man äußerte die Absicht, auch weiterhin (zumindest für sich selbst) gemeinsam Musik zu machen.
Die Band traf also den richtigen Ton, verbal wie musikalisch, sie ernährte sich von den Reaktionen des Publikums, all das machte am Ende die Magie des Abends im „Cotton Club“ aus. Da wurden dann fröhlich die langen Texte aus dem großen Repertoire der kleinen Band lauthals und auswendig mitgesungen, danach gab es jedes Mal frenetischen Applaus für die einstigen Rockbuster-Gewinner. Besonders Titel aus dem letzten Album „Mindset“ wie etwa die eindringlichen Nummern „Augen Auf“ und „So wie du“, erfuhren viel Aufmerksamkeit.
So ging denn der Auftritt von Vielleicht Emma, der kaum länger dauerte als die der beiden Vorgänger an diesem Abend - eine kleine, aber sympathische Geste des Trios - tatsächlich immer noch ein wenig weiter in Richtung atmosphärischer Siedepunkt.
Am Ende wollte man die Band gar nicht mehr gehen lassen. Aufmunternde Fangesänge, zu Herzen geformte, in Richtung Bühne gereckte Hände und schillernde Seifenblasen in der Luft begleiteten diesen ebenso würdigen wie wertigen letzten Akt eines langen Abends und zugleich einer außergewöhnlichen Band.