Kaiserslautern
Viel los bei erster Lauterer Kulturnacht für Jugendliche
Endlich eine „Lange Nacht der Kultur“ für junge Lautrer: Am Freitag ging die erste „KULTn8“ der Jugendkulturmeile über die Bühne. Bis Mitternacht erwartete Jugendliche und junge Erwachsene ein abwechslungsreiches Programm. Die Rheinpfalz stürzte sich mit in die „kultige“ Nacht.
Na gut, zugegeben: So voll wie bei der „Langen Nacht der Kultur“ für die Ü-25-Semester waren die Straßen noch nicht. Dafür waren die ausgewählten Kulturstätten mindestens genauso gut gefüllt mit Spiel, Spaß und Spannung. Von Kinnhaken auf der Theaterbühne verteilen, über Rätselraten im alten Griechenland bis hin zu Fifa zocken: Da warteten einige Aktivitäten auf die jungen Nachtschwärmer.
Los ging es aber mit ein bisschen „Action“ für den kreativen Geist. Beim Poetry-Slam-Workshop in der Volkshochschule mit dem saarländischen Slam-Urgestein Mark Heydrich trainierten zwei junge Hobby-Literaten ihr dichterisches Talent. Quentin (15) und Erik (14) ließen sich vom Profi beibringen, worauf es ankommt, wenn man auf der großen Bühne begeistern will: „Viele Texte lesen. Denn das was man gerne liest, das schreibt man meistens auch gerne.“ Literaturinteressiert waren die Jungen schon mal, ob sie sich nach dem kleinen Crashkurs aber reif für die Slam-Bühne fühlten? „Ich fühle mich mit 14 noch viel zu jung dafür“, sagte Erik. „Wow, hab' ich jetzt so auch noch nicht gehört“, entgegnete Heydrich.
FCK bleibt bei Fifa außen vor
Nie zu jung ist man dagegen zum Spielen – ob nun Brett- oder Videospiele. Und mit beidem lockte die nächste Kultur-Stätte: die Pfalzbibliothek. „Schieß doch! Schieß endlich“ – das war beim Hineingehen so ziemlich das erste, was man hörte. Gezockt wurde Fifa. „Oah, mit einem Fallrückzieher! Aber nicht getroffen“, kommentierte Mitarbeiter Fabian Striehl. Er hatte die Idee für die Fifa-Sause. Jetzt aber Butter bei die Fische: Hat sich denn schon jemand an den 1. FCK ran getraut? Striehl lachte: „Bisher nicht!“
Naja, dann eben doch ein kleiner Abstecher in den hinteren Bereich der Bibliothek. Zwischen Bücherregalen versteckt, kämpften nämlich still und heimlich einige Besucher gegen Weltraumschiffe und Zombies – analog, auf einem Spielbrett aus Pappe und mit echten Spielfiguren. Die Brettspiel-Station wurde vom „Battle Bear“-Shop spendiert. Mit den Miniaturspielen „X-Wing“ und „Zombicide“ ging es sozusagen um Leben und Tod. Spielleiterin Dorothé Kupper spielte auch selbst an den Tischen, „Wachhund“ Gizmoe „schnüffelte“ immer wieder nach dem rechten. „Die Brettspiel-Community ist groß und war nie weg. Sie kommt nur mittlerweile aus dem Untergrund an die Oberfläche“, sagte Spieler und Orga-Helfer Steven Welker (32). Denn nirgendwo könne man die eigene Kreativität besser ausleben. „Man kann seine eigenen Geschichten bauen. Wir haben zusammen schon über 60 Spiele gespielt“, erzählten Andrea Sperling und Kevin Langheinrich.
Am Eingang stand schon der nächste Spielkandidat im Raum – Kultur-Referatsleiter Christoph Dammann. Wobei Zeit zum Spielen hatte er nicht wirklich, er drehte an diesem Abend seine gewohnte Runde durch die Veranstaltungsräume. „Wir sind sehr zufrieden, es ist überall was los. Ein ermutigender Zuspruch für das erste Mal“, verriet er.
Rätselknacken in der Bücherei
So, noch kurz eine nächtliche Taschenlampenwanderung durch die mittelalterliche Sammlung des Theodor-Zink-Museums und weiter ging es, vorbei an der Pfälzer Tapas Bar. Echte Gottheiten warteten in der Stadtbibliothek um die Ecke. Die „Suche nach dem „Goldenen Vlies“ wurde unterstützt von Hexen und griechischen Göttinnen – in detailgenauen und teilweise selbstgeschneiderten Gewändern. Jutta Lingohr, alias Hera – Schwester und Gattin des Zeus – führte durch die vielen Stationen zwischen den Regalen, an denen verschiede Aufgaben zu lösen waren. Von Fische angeln für Herkules' kleinen Hunger unter der Aufsicht von Aphrodite, über Fragen beantworten zur Eule bei Kriegsgöttin Athene bis hin zur Kräutererkennung anhand des Geruchs bei Medea. Nach jeder erfolgreichen Station gab es eine Nuss mit einem Buchstaben oder einer Zahl darauf. Mit dem zusammengebastelten Losungswort erhielt man Einlass zum „Goldenen Vlies“, das „Goldbären“ hütete. Viel Aufwand, viel los und rundum eine „kultige“ Nacht, die nach mehr verlangt.