Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Venedig in Texten und Musik: Lebendig und „unwiederbringlich tot“

 Madeleine Giese und Rainer Furch lesen auf der Gartenschau. Wegen des Dauerregens wurde die musikalische Lesung ins Waldhaus ve
Madeleine Giese und Rainer Furch lesen auf der Gartenschau. Wegen des Dauerregens wurde die musikalische Lesung ins Waldhaus verlegt.

Venedig - welch eine Stadt! Reich an Geschichte und Kunstwerken. So war es auch der Fall bei der Premiere des Programms „Venedig!“, das Madeleine Giese und Rainer Furch als Duo Wortlaut mit dem Streicher-Duo ICstrings am Samstag auf der Kaiserslauterer Gartenschau präsentierten.

Mit Texten kennt sich das Künstler-Ehepaar aus. Es bot eine solide Auswahl an Venedig-relevanten Äußerungen vom reinen Zitat bis hin zum Roman-Auszug. In der Regel bediente man sich dafür der Meinungen und Erlebnissen von Prominenten, die über die Zeiten verteilt Venedig besuchten oder dort lebten. So erfuhr man denn von Hanns-Josef Ortheil, dass Venedig „süchtig“ mache, dass die Stadt so sei, „als würde man eine ganze Schachtel Likörpralinen auf einmal aufessen“ (so Truman Capote), und man „unwiederbringlich tot“ sei, wenn einem auf dem Markusplatz nicht das Herz schneller klopfe (Franz Grillparzer). Und man bekam launige Tipps. So solle man in der verwinkelten Stadt besser nicht nach dem Weg fragen, zumal sich selbst Einheimische kaum auskennen würden. Hemingway sagte dazu: „Es ist eine sonderbare, knifflige Stadt, und von irgendeinem Punkt zum anderen gegebenen Punkt zu gelangen, ist amüsanter als Kreuzworträtsel lösen“.

Nicht nur Positives vermerkten Giese und Furch in ihren zwischen Canale Grande, prunkvollen Palästen und ungezählten Brücken angesiedelten Textbeiträgen. Zur guten Abrundung des vermittelbaren Stadtbildes wurden auch die ungeheuren Touristenmassen thematisiert, die die Stadt regelrecht überrollen. Mark Twain wurde zitiert, der die stadttypischen Gondeln wie „Leichenwagen“ empfand und den Gesang der dazugehörigen Bootsführer nicht ausstehen konnte.

Zitate kommen Schlag auf Schlag

So ging es intensiv weiter, kamen in dem kurzweiligen Parforceritt durch die Welt Venedigs Schlag auf Schlag bekannte Persönlichkeiten zu Wort: Thomas Mann und Donna Leon, Joseph Brodsky und Lord Byron, Henry James, Leïla Slimani und viele mehr. Es war eine gute Auswahl, die kaum einen Aspekt des in diesem besonderen Rahmen mit Worten zu zeichnenden Stadtbildes ausließ.

Inhaltlich verbunden und abgerundet wurde der Abend durch die musikalischen Beiträge von Caroline Busser (Violoncello) und Ivan Knezevic (Violine), die als Duo ICstrings mit zu Venedig passenden oder mit die vermittelten Stimmungen aufgreifenden Titeln maßgeblich am Erfolg dieses Abends Anteil hatten.

Vivaldi und Elvis

So wurde der venezianische Komponist Antonio Vivaldi („Die vier Jahreszeiten“) ausgiebig präsentiert. Aber es gab auch Unerwartetes. Als es um die Gefängnisse der Stadt ging, intonierte man den „Jailhouse Rock“ von Elvis Presley, und die berühmten Brücken Venedigs wurden mit „Über sieben Brücken musst du gehen“ vergegenwärtigt. Alles war von Ivan Knezevic professionell arrangiert und wurde nun im Duo perfekt vorgetragen.

Als Höhepunkt ihrer mehr als nur Intermezzi gewesenen Beiträge lieferte ICstrings zum Ende hin dann die komplexe „Bohemian Rhapsody“ im speziellen Arrangement. Speziell dafür spendete man extra lang anhaltenden Applaus. Den gab es auch für den musikalisch-literarischen Sommerabend als Ganzes, dann sogar vom begeisterten Publikum im Stehen. Venedig, die Stadt, „Venedig!“, die klingende und textliche Hommage – eine gute Verbindung.

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