Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Vanden-Plas-Sänger Andy Kuntz wechselt ins Regiefach

Bei den Dreharbeiten in der Nähe einer stillgelegten Eisenbahnbrücke zwischen Enkenbach und Ramsen (von links): Schauspieler Aar
Bei den Dreharbeiten in der Nähe einer stillgelegten Eisenbahnbrücke zwischen Enkenbach und Ramsen (von links): Schauspieler Aaron Kissiov, Kameramann/Filmemacher Oliver Barth, Regisseur Andy Kuntz.

Seit mittlerweile fast 35 Jahren kennt man den Kaiserslauterer Vanden-Plas-Mitbegründer Andreas „Andy“ Kuntz als renommierten Sänger, Texter und Komponisten, der in dieser Zeit mit seiner Band internationale Bekanntheit erreicht hat. In wenigen Tagen wird man ihn nun auch als versierten Videoclip-Regisseur wahrnehmen...

Denn für die filmische Umsetzung des Titels „When The World Is Falling Down“, ausgekoppelt aus ihrem am 4. Dezember erscheinenden Album „The Ghost Xperiment - Illumination“, hat der Lautrer Allrounder auch die Regie (inklusive Gesamt- und Lichtkonzept) übernommen. Die Grundlage für diese Funktion war die aktuelle Pandemie-Situation.

Alle Locations, die man für den Dreh zunächst ins Auge gefasst hatte, kamen nicht mehr in Frage. Als eine Art Ersatz schwebte Kuntz dann gerade im Gegenteil so etwas wie ein „Nichtraum“ vor, wie er es im Gespräch nennt: „Licht, Schatten, keine Wände, keine Böden, keine Decke – quasi buchstäblich eine Zwischenwelt“, passend zum „geisterhaften“ Ambiente und Inhalt des gesamten Albums, in dem es darum geht, dass es (gemäß eines berühmt gewordenen psychologischen Experiments) der wirkende Geist eines Menschen selbst ist, der einen „klassischen“, spukhaften Geist zu erschaffen vermag.

Der Club als „Nichtraum“

Dieser eigentlich nicht greif- und lokalisierbare Raum musste natürlich dennoch irgendwo in der Realität gefunden werden. Als geeigneter Innen-Drehort erschien Andy Kuntz da die Kammgarn. Und tatsächlich: Nach entsprechender Anfrage stellte Kammgarn-Chef Richard Müller der Band unbürokratisch den Cotton Club zur Verfügung. Hier war genug Platz zur Umsetzung der Ideen, hier griff präzise das Corona-Sicherheitskonzept, hier gab es nicht zuletzt auch eine erstklassige technische Ausrüstung.

Diesen immer noch nicht fassbaren Raum galt es nun dennoch zu füllen: mit einer darstellerischen und inhaltlichen „Vision“ (Kuntz), aber eben auch mit Lichteffekten und Schattenwirkungen. „Dazu musste ich gemeinsam mit meinem Produktionsleiter und Lichttechniker Christian Mannert ein Konzept entwerfen“, erzählt Kuntz weiter. Wie man später im Video sehen wird, gelang allein schon das in beeindruckender Weise.

Der Steinbruch als Gegenpart

Zwei intensiv genutzte Tage lang hat die rund ein Dutzend Personen umfassende Filmcrew, darunter auch der Profi-Kameramann/Filmemacher Oliver Barth, unter der Regie von Andy Kuntz dessen Ideen im Cotton Club umgesetzt. Was nicht immer leicht war. Öfters wich man etwa vom minuziösen Drehplan ab, weil etwas Unvorhergesehenes passierte oder eine neue, bessere Idee verfolgt werden sollte.

Und es war nicht der einzige Drehort. „Es war mir wichtig, dass wir mit Outdoor-Szenen einen coolen Gegenpart setzen“, sagt Kuntz. Ein Steinbruch – das wär’s doch. Und wieder konnte der Vanden-Plas-Frontmann mit Martin Picard einen lokalen Unterstützer für sein Projekt begeistern. In dessen Steinbruch im Schweinstal, einer „monumentalen Location“ (Kuntz), durfte man einige Szenen des Videos drehen. Und auch das war noch nicht alles an Örtlichkeiten: Einige Aufnahmen wurden buchstäblich naheliegend in der Region um Kaiserslauterns gemacht, so unter anderem etwa an einer stillgelegten Eisenbahnbrücke zwischen Enkenbach und Ramsen. An dieser Stelle wurde auch das Foto zum Artikel aufgenommen.

Erfahrungen vorhanden

Wie kam es eigentlich dazu, dass Andy Kuntz nun auch als Regisseur arbeitet? „Ich hatte eigentlich schon lange vor, mich als Regisseur mit eigener Konzeption in irgendeiner Form zu betätigen“, sagt Kuntz dazu. Nun ist die erste Gelegenheit dafür unter anderem wegen seiner Vor-Erfahrungen das eigene Band-Video: Er kennt sich mit dem Theater aus, ist als Autor und Darsteller mit entsprechenden Konzeptionen und der einschlägigen Regiearbeit vertraut, hat viele gute und große Theaterleute kennengelernt.

Letzteres ist auch der Grund, wie Kuntz den Hauptdarsteller des epischen Clips für sich gewinnen konnte. Der ist schließlich nicht irgendwer: Der erst 16-jährige Aaron Kissiov, der im Video die Hauptrolle des Gideon Grace spielt, hat schon mit Weltstars wie Oscar-Preisträger Sir Ben Kingsley zusammengearbeitet, in einem „Tatort“ mitgespielt oder jüngst die Hauptrolle in „Die Wolf-Gäng“ nach Wolfgang Hohlbein übernommen. Andy Kuntz kam auf ihn durch seine Bekanntschaft mit dessen Eltern, dem Tänzer/Choreographen-Ehepaar Amy Share-Kissiov und Stojan Kissiov. Er hatte die beiden Mitte der 1990er Jahre am Staatstheater Saarbrücken kennengelernt und mit Amy Share-Kissiov auch immer mal wieder in Theaterproduktionen zusammengearbeitet. Ihren Sohn Aaron kennt er seit dessen Geburt, seine Filmkarriere verfolgt er von Anfang an. Und auch in diesem Fall zeigte man sich – nun sogar in einer ganzen Familie – begeistert, als Kuntz von seinem Filmprojekt berichtete und wegen einer Mitwirkung des Jungen nachfragte.

Hilfe und Wohlwollen

Kuntz zeigt sich im Übrigen generell beeindruckt und dankbar für all die Hilfe und das Wohlwollen, das ihm und seinem Team entgegen gebracht wurde, gerade in diesen besonders für Künstler schwierigen Zeiten. Andernfalls hätte dieses Video, so Kuntz abschließend, in dieser Form niemals realisiert werden können.

Zurzeit ist der Film um den Song, den man exemplarisch für das gesamte Album-Konzept um Geister und Transformation ausgewählt hat, in der intensiven Nachbearbeitung. Voraussichtlich geht das Video in der kommenden Woche auf YouTube online. Auf der Facebook-Seite der Band wird die Veröffentlichung rechtzeitig bekanntgegeben. Eine RHEINPFALZ-Besprechung des Videos folgt.

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