Kaiserslautern
Uni-Theatergruppe feiert Premiere mit Komödie von Geraldine Aron
Um er gleich vorweg zu sagen: Das Stück ist zwar eine Komödie, aber kein oberflächlicher „Schenkelklopfer“. Der Humor ist subtil, mehr in der Sprache und den Charakterzeichnungen zu finden denn etwa in (wenngleich ebenfalls vorhandener) Situationskomik. Umso wichtiger sind die das Stück tragenden Personen – und wenn es sich wie im Original um ein Eine-Frau-Stück handelt, dann lastet alles auf den Schultern eben dieser einen Darstellerin.
Und Parya Memar, ausgestattet mit 20 Jahren Erfahrung im Theatermilieu, meisterte ihre komplexe Rolle in der Premiere mit Bravour. Für über zwei Stunden ging sie vollkommen auf in der auf die Bühne verlegte Coming-of-Age-Geschichte, in der nun allerdings kein Jugendlicher erwachsen wurde, sondern sich eine gestandene Frau mit eigentlich längst überwundenen Entwicklungsstadien von Selbstfindung und Emanzipation erneut auseinandersetzen musste. Eine dankbare Rolle, aber auch eine schwierige, denn sie besteht fast nur aus einem langen, wenngleich reich gegliederten Monolog. Memar, die auch die Regie des nun leicht veränderten Stücks übernommen hatte, überzeugte in beiden Teilen der „Meine tolle Scheidung“-Adaption.
Herzhafter Hustenanfall
In der Rolle der Angela Kennedy-Lipsky erinnerte sich Parya Memar an ihr Verlassenwerden und die Zeiten danach, in denen es unter anderem zu verzweifelt-einsamen Abenden, seltsamen Dating-Begegnungen und vielfachen Versuchen kommt, dem Leben einen neuen Sinn zu geben. Dabei übernahm sie unter Verwendung kleinerer Requisiten und mit veränderter Stimmlage fast nebenbei auch noch weitere vorkommende Rollen – was die Aufführung ebenfalls zu einer nicht einfachen Sache werden ließ.
Aber sie schaffte es. Memar meisterte die zum Teil ziemlich emotionalen Szenen mal herzhaft lachend, mal bitterlich weinend, mal einen heftigen „Hustenanfall“ bekommend, mal nur irritierend ihr „Gegenüber“ ansehend – und manchmal alles innerhalb kürzester Darstellungszeit. Dabei nutzte sie gänzlich unaufgeregt zielsicher alle Stellen des von ihr mitgestalteten einfachen, aber zweckmäßigen Bühnenbilds. Sogar Bühnen-Hund Axl, ein eigens für diese Aufführung entwickeltes, mechanisch-elektronisches Haustier, hatte seinen sicheren Interaktionsplatz auf der Bühne und in der Handlung gleichermaßen.
Pannen bei der Premiere
Apropos „Gegenüber“ in Anführungszeichen: Memar hatte als Regisseurin das Theaterstück etwas verändert, hatte den in der Vorlage nur aus dem Off zu hörenden Stimmen eine zweite auf der Bühne agierende Person zugeordnet. Und die wurde mit Christian Kötting hervorragend besetzt. In acht kurzen, aber pointierten Auftritten verlieh er dem Stück mit ebenfalls nur wenigen äußeren Versatzstücken (oft genügte da in der Hauptsache eine einfache Perücke) zusätzlich Tiefe und Wirkung.
Natürlich gab es bei der Premiere auch (wenige) Pannen. So knickte etwa in einer Szene das Klapp-Bett ungewollt ein. Machte nichts. Memar „überspielte“ das Missgeschick buchstäblich locker, integrierte es sogar geschickt in die Szene. So macht man das. Ganz hervorragende Arbeit leisteten auch Sophie Schug und Lukas Fuhrmann, die im Technikraum punktgenau für passende Musikeinspielungen, sowie die Handlung unterstützende Ton- und Licht-Effekte sorgte. Eine „Je t’aime (moi non plus)“-Sequenz zu bühnenfüllendem Rotlicht in trauter Atmosphäre, ein heftiges Gewitter und handlungsbegleitende Schrittgeräusche trugen so zur Fülle der Darstellung und zum Gelingen der Premiere bei. Schade war allerdings nur, dass zum einen der erstmals bei einer Aufführung per Mikro übertragene Ton stellenweise an jenem Abend etwas dumpf ausfiel, und dass nur relativ wenige Zuschauer zur Premiere gekommen waren. Diese hätte wesentlich mehr Zuspruch verdient. Gelegenheit dazu geben drei weitere Aufführungstermine in den nächsten Tagen.
Termine
„Meine tolle Scheidung“ läuft noch am 20., 22. und 28. Juli, jeweils 20 Uhr, im Audimax der Uni (Gebäude 42, Raum 115); Karten an der Abendkasse.