Kaiserslautern Um Heimatgeschichte bemüht

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Ramstein-Miesenbach. Viele kennen ihn von seinen Vorträgen, in denen er die Orte der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach anhand von alten Ansichtspostkarten vorstellt. Andere sind Manfred Bußemer beim alljährlichen Dampfnudelfest in Steinwenden begegnet, wenn er am Bierausschank mithilft oder antiquarische Bücher anbietet. Die Geschichte seiner Heimat ist es, die den Rentner umtreibt.

Wenn Manfred Bußemer in Steinwenden beim Dampfnudelfest Bier ausschenkt oder Bücher verkauft, hat er schon ein paar Tage Arbeit hinter sich. Denn als stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises des Heimatmuseums Ramstein-Miesenbach hat er sich schon im vorbereitenden Ausschuss eingebracht und die fleißigen Frauen des Vereins am Vorabend beim Kartoffelschälen unterstützt. Die Arbeit des rührigen und vielseitigen Miesenbachers geschah in der Vergangenheit ohnehin meist im Verborgenen. 1948 geboren, wurde er zum Starkstromelektriker ausgebildet, legte die Meisterprüfung ab und bildete später selbst Energieelektroniker aus. Zuletzt bei den Pfalzwerken beschäftigt, trat er 2006 in den Ruhestand. Zeitlebens gingen Bußemers Interessen über den beruflichen Alltag hinaus. 21 Jahre lang leitete er den Deutschen Amateur-Radioclub in Landstuhl, organisierte Treffen und Zusammenkünfte. Außerdem gab er mehrere Amateurfunk-Briefmarken-Kataloge heraus, die das Echo seines Hobbies in der Welt der Philatelie dokumentierten. Auf Hunderten von Seiten bieten die Kataloge Übersichten über einschlägige Sonderstempel, internationale Postwertzeichen zum Thema Marconi und 100 Jahre Radio sowie Markenmotive über Amateurfunk und Weltraum. Bußemers Interesse für die hiesige Geschichte wurde schon während der Schulzeit durch einen heimatverbundenen Lehrer geweckt und durch die Lektüre des Sickingen-Romans „Der Koloss“ von Heinz Lorenz vertieft. 1983 trat Bußemer dem Förderkreis des Heimatmuseums der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach bei, der von Roland Paul, dem heutigen Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, ins Leben gerufen wurde. Der Miesenbacher half mit beim Sammeln alter Gegenstände, beim Aufbauen von Ausstellungen und beim Einrichten eines Fundus’. Er trug zu einer Ausstellung bei, die pfälzisches Essen in Bildern, Texten und Rezepten präsentierte, konzipierte selbst eine über „100 Jahre Morse“, die Geschichte der Nachrichtentechnik. Im Ferienprogramm der Verbandsgemeinde führte er Wanderungen durch die Ortschaften und Abendwanderungen mit Elwedritschenjagd durch. Das Spezialgebiet Bußemers besteht indessen im Sammeln alter und neuer Ansichtspostkarten der Gegend. Er hat davon über 1000 Exemplare von 1898 bis in die Gegenwart zusammengetragen. Sie zeigen ein bemerkenswertes Stück Heimatgeschichte, die Entwicklung von Dörfern und Straßen, verschwundene Häuser und entstandene Plätze. Die Postkarten führen ebenso den Wechsel in der Darstellung vor Augen, den Übergang von der Lithographie zur Fotografie bei der Wiedergabe der Ortsansichten. Bußemers Sammlung ist inzwischen so umfangreich, dass er die einzelnen Karten auf seinem Handy gespeichert hat, um beim Besuch einer Messe nicht versehentlich ein Exemplar zu erstehen, das er bereits besitzt. Der sammeleifrige Miesenbacher betätigte sich auch auf literarischem Gebiet. Er hat Bibliografien über die Orte der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach erstellt, die sämtliche Veröffentlichungen über die einzelnen Gemeinden verzeichnen. Darüber hinaus hat er mit beträchtlichem Aufwand die vielen Ausgaben des „Heimatjahrbuches des Landkreises“ und des „Kaiserslauterer Jahrbuchs für Geschichte und Volkskunde“ von 1960 an bis heute bibliografisch erschlossen. Er gab dazu jeweils das Inhaltsverzeichnis des Jahrgangs in den Computer ein und ordnete die verschiedenen Beiträge zudem nach den Verfassern. Auf diese Weise entstand ein elektronisches Nachschlagewerk, das den Heimatforschern große Dienste leistet. Die Register der Aufsätze und Autoren können im Internet unter der Angabe „Heimatjahrbuch Kaiserslautern“ und „Kaiserslauterer Jahrbuch“ online abgerufen werden. Gegenwärtig ist Bußemer dabei, auch den Kuseler Westrichkalender nach den behandelten Themen und den vertretenen Autoren zu erfassen. Nicht zuletzt hat Bußemer auch selbst Aufsätze verfasst und Schriften herausgegeben. Er ist in einer Broschüre über den Flugplatz Ramstein, in einem Sammelband über Miesenbach und dem Buch „Gestern und heute“ von Klaus Bach vertreten. Für das hiesige Heimatjahrbuch stöberte er in alten Zeitungen und berichtete über Unglücksfälle und kriminelle Delikte, die sich vor 100 Jahren ereigneten. Zum runden Geburtstag eines Mackenbachers erarbeitete er mit anderen einen Sammelband, der Texte und Bilder über den Heimatort des 60-Jährigen vereinigt. Schließlich liegen auch selbstständige Veröffentlichungen Manfred Bußemers in hektographierter Form vor. So eine umfangreiche Sammlung von Wetter- und Bauernregeln aus der Pfalz und darüber hinaus, die er seiner Frau Anita und seinen Kinder Jessica und Sven gewidmet hat. Hinzuweisen ist auch auf eine umfassende Darstellung über Pfälzer Mundart, die Dichter und Texter in alphabetischer Reihenfolge auflistet und ebenso Veröffentlichungen über die Autoren enthält. Zu guter Letzt ist eine sehr detaillierte Übersicht von alten deutschen Münzen, Maßen und Gewichten zu erwähnen, die in diesem Umfang und dieser Vollständigkeit noch nicht veröffentlicht wurde.

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