Kaiserslautern Um 3 scheppern schon die Kisten und Kästen

Placeholder-Image

Obwohl es noch stockdunkel ist, herrscht schon reges Treiben auf dem Platz. Große Lkw rangieren hin und her, werden von emsigen Helfern eingewiesen. Einige Marktstände stehen schon, andere werden gerade aufgebaut, wie der Stand von „Früchte Wenger“. Die Familie Wenger kommt aus Lambsheim in der Vorderpfalz. Die Männer um Roland Wenger und seinen Schwiegersohn Jürgen Fillibeck sind schon seit 1 Uhr unterwegs. Am Vortag wurde bereits das Obst und Gemüse, das sie an ihrem Stand anbieten, frisch vom Großmarkt und von den Obst- und Gemüse-Bauern aus der Region eingekauft und über Nacht in einem Kühlhaus zwischengelagert. Dort haben sie es heute Nacht abgeholt, im großen Lkw verstaut und sich danach auf die Fahrt nach Kaiserslautern gemacht. Seit 3 Uhr sind sie nun auf dem Stiftsplatz und bauen den riesigen Stand auf. Währenddessen machen sich „Nachteulen“ nach anscheinend ausgiebiger Zechtour gerade erst auf den Heimweg. Laut grölend bahnen sie sich ihren Weg durch die überall herum stehenden Kisten und Kästen. „Aua“, ertönt der Schmerzensschrei eines Marktbeschickers, der sich beim Zusammenstecken der einzelnen Thekenteile den Finger gequetscht hat. Überhaupt geht es ziemlich geräuschvoll zu in diesen frühen Morgenstunden: Lkw-Motoren brummen, Autotüren knallen, Sackkarren scheppern über das Pflaster und die Marktbeschicker rufen sich laut Kommandos zu. Rasmus Raulefs, der schon seit 2004 zu Roland Wengers Team gehört, sortiert derweil schon fröhlich pfeifend die ersten Obstkisten in die Theke ein. Jürgen Fillibeck erklärt schmunzelnd: „Wir Männer machen hier schon einmal die Vorarbeit. Das ,Kreativ-Team’, das heißt die Frauen, kommt dann so gegen halb 6 und kümmert sich darum, dass alles dekorativ und optisch ansprechend aufgebaut und ausgelegt wird.“ Gegenüber fährt gerade der Verkaufswagen von Feinkost Conrad vor. Um die Ecke am Stand von Ralf Folz und seiner Lebensgefährtin Ulrike Holzner sind die „Pfälzer Frischwaren“ schon fertig einsortiert. Neben frischen Kräutern und frischem Gemüse von den Folz’schen Feldern bietet der gelernte Gärtner und Florist hier Obst an, das überwiegend aus dem benachbarten Donnersbergkreis stammt. Ulrike Holzner bindet inzwischen liebevoll die letzten Blumensträuße aus Rosen und bunten Schnittblumen aus dem eigenen Garten, die ebenfalls zum Sortiment gehören. Wer in den nächsten Quergang einbiegen will, muss über die Kisten und Kästen der Brüder Schäffer steigen, die hier an zwei gegenüberliegenden Ständen ihr Obst verkaufen. Obwohl jeder seinen eigenen Stand betreibt, kaufen sie die Waren gemeinsam ein und transportieren diese auch zusammen in einem Lastwagen. Und so stehen die Kisten mitten auf dem Weg, um von den Mitarbeitern gleichmäßig rechts und links auf die Stände verteilt zu werden. So langsam füllt sich der Platz. Vor der Deutschen Bank gehen gerade am Käsestand die Läden hoch und geben den Blick frei auf leckere Käsesorten, während direkt nebenan der Wagen mit frischen Fleisch- und Wurstwaren erst angekommen ist. Gegenüber am zwölf Meter langen Bio-Stand Winter legen Karsten Winter und seine Helfer das Sortiment aus über 100 Produkten aus biologischem Anbau aus. Auch hier kommt die Chefin, Petra Claußen-Winter, etwas später und übernimmt den kreativen Part. Um die nächste Ecke am Imbissstand Boll stehen Vater Manfred und Sohn Sascha Boll schon in den Startlöchern, um den ersten hungrigen Kunden – oft noch Nachtschwärmer auf dem Nachhauseweg – um 6 Uhr die ersten Bratwürste, Hamburger oder Schnitzel anbieten zu können. Mittlerweile ist es halb 6, und am Stand von „Früchte-Wenger“ sind inzwischen die Frauen eingetroffen, die neben ihrer kreativen Ader auch das Frühstück, bestehend aus dampfend-heißem Kaffee und belegten Brötchen, mitgebracht haben. Nun wird erst einmal gemeinsam gefrühstückt, bevor um 6 die ersten Kunden eintreffen und der zweite Teil des anstrengenden Markttages für die Beschicker beginnt. Enden wird der Markttag gut zwölf Stunden später gegen halb 3 Uhr nachmittags. Nachdem der Markttag für die Kunden um 13.30 Uhr vorüber ist, werden die Anbieter noch ungefähr eine Stunde benötigen, um alle – meist leeren – Kisten und Kästen wieder im Lkw zu verstauen und den Stand abzubauen.

x