Kaiserslautern Ulrich: „Befürchtungen bestätigt“

Derzeit arbeiten noch rund 350 Mitarbeiter für GKN Driveline in Kaiserslautern. Die IG Metall befürchtet eine „scheibchenweise“
Derzeit arbeiten noch rund 350 Mitarbeiter für GKN Driveline in Kaiserslautern. Die IG Metall befürchtet eine »scheibchenweise« Abwicklung des Standorts.

„Wir gehen davon aus, dass es 2021 einen drastischen Einschnitt bei den Arbeitsplätzen geben wird“, sagte GKN-Betriebsratsvorsitzender Markus Becker gestern. Kurz zuvor hatte er sich mit dem europäischen CEO des Automobilzulieferers GKN Driveline, Helmuth Rohregger, getroffen. Wenn es keine neuen Aufträge für das Werk gebe, müsse in zwei Jahren mit einer Halbierung der Belegschaft gerechnet werden. Derzeit arbeiten laut Betriebsrat rund 350 Menschen am Standort Kaiserslautern.

„Eine Werksschließung ist nicht ausgeschlossen“, sagte Becker, der mit seinem Stellvertreter Jörg Jung an dem Gespräch teilgenommen hatte. Von der IG Metall saß der Zweite Bevollmächtigte Alexander Ulrich mit am Tisch, auf Arbeitgeberseite die GKN-Geschäftsführer Stefan Wenzel und Christoph Zimmermann, Hannes Hellweger (Vice President Operations) und Rohregger, schilderte Becker. Dabei habe die Arbeitgeberseite geäußert, dass der Standort perspektivisch kleiner werden solle. Ohne neue Aufträge, die das Werk auf dem Opel-Gelände über das Jahr 2021 hinaus auslasten, sei mit einem Stellenabbau zu rechnen, betonte Becker. Ulrich ergänzte: „Momentan ist es eine schwierige Lage auf dem Automobilmarkt, da gibt es viele Unsicherheiten bei den Autobauern, und die wirken sich auf Zulieferer wie GKN aus.“ Das Personal könne mit der momentan absehbaren Auslastung nicht komplett gehalten werden, so die Befürchtung des Gewerkschafters. Die Geschäftsführung suche, nachdem das Geschäft mit Opel nahezu weggebrochen sei, nach Ersatzgeschäften, erläuterte Ulrich. Unterm Strich seien die Bedenken von Betriebsrat und Gewerkschaft, was den GKN-Standort Kaiserslautern und dessen Zukunft angeht, durch das Gespräch nicht beseitigt worden. „Die Ängste der Mitarbeiter sind berechtigt“, sagte Ulrich. Er hatte sich Anfang März in einem Schreiben an die GKN-Geschäftsführung gewandt. Darin hieß es: „Aufgrund von sinkendem Volumen, auslaufenden Produkten, kaum Neugeschäften, Verlagerung von Produktionsteilen und fehlenden Investitionen in die Zukunft des Werkes Kaiserslautern ist die Sorge groß, dass das Werk Kaiserslautern scheibchenweise abgewickelt werden könnte.“ Unberechtigt scheint die Sorge nicht; seit Oktober 2018 ist die Anzahl der Mitarbeiter laut Betriebsrat von etwa 400 auf rund 350 gesunken – vor allem die Verträge von Leiharbeitern und befristete Verträge seien nicht verlängert worden, erklärte Becker. Zudem sei der Altersschnitt im Werk recht hoch. Einige seiner Kollegen seien in den Ruhestand oder in Altersteilzeit gegangen. „Aktuell laufende Personalreduzierungen mit Abfindungen und die Nichtwiederbesetzung durch Fluktuation“, heißt es in Ulrichs Schreiben, seien Hinweise auf eine Abwicklung des Kaiserslauterer Werks. Das Gespräch gestern habe keine Klarheit gebracht. Ulrich: „Unsere Befürchtungen sind bestätigt worden. Wir sind nicht schlauer als zuvor und wissen beispielsweise nicht, ob es neue Produkte für das Werk in Kaiserslautern geben wird.“ Für die Gewerkschaft fehle also ein Hebel, an dem sie ansetzen könne. Die IG Metall werde für jeden einzelnen Arbeitsplatz in der Industrie kämpfen, kündigte Ulrich an: „GKN gehört mit 350 Menschen noch immer zu den bedeutenden Arbeitgebern in der Region.“ Die GKN-Geschäftsführung war gestern Nachmittag nicht zu erreichen.

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