Kaiserslautern Turnelemente lernen ist anders als Tore schießen

Ist für seine Schüler ein Vorbild: Achim Wätzold ist selbst aktiver und erfolgreicher Turner.
Ist für seine Schüler ein Vorbild: Achim Wätzold ist selbst aktiver und erfolgreicher Turner.

Wie klappt es, die Kurve zu kriegen, sich immer wieder für den Sport zu motivieren? Leistungsturner Achim Wätzold sagt dazu ganz klar: Anreize schaffen ist wichtig.

Lehrer, Trainer, aktiver Turner, Funktionär, das trifft alles auf Sie zu. Wo liegt denn der Schwerpunkt Ihres Tages?

Bei allem Engagement, die verantwortungsvolle Aufgabe als Lehrer steht im Vordergrund. Von Vorteil ist natürlich, dass ich als Lehrer mir meinen Tag neben dem Unterricht selbst strukturieren kann. Zudem habe ich das Glück, aktuell sehr heimatnah am Sickingen-Gymnasium unterrichten zu können. Somit ergibt sich die Möglichkeit, am Nachmittag/frühen Abend Trainings-, Sitzungstermine oder Aufgaben für die Ortsgemeinde wahrzunehmen. Sind Sportler oder Schüler leichter zu motivieren? Jugendliche und insbesondere Kinder sind im Grunde leicht für den Sport zu motivieren. Zum Beispiel einen Salto zu erlernen, fasziniert jeden, wenn es sich auch erst einmal nicht jeder zutraut. Genau hier müssen für jeden angemessene Wege aufgezeigt werden, was im Grunde in der Schule nichts anderes als im Training ist. Für Schüler ist es zunehmend eine neue Erfahrung, für ein Ziel auch mal eine längerfristige Leistung erbringen zu müssen. Das ist im Verein einfacher. Die meisten kommen mit einem festen Vorhaben in die Halle. In der Schule gilt es, genau dafür Anreize zu schaffen. Und wer schubst Sie an? Immerhin wollen Sie mit der TG Pfalz in diesem Jahr in der Dritten Bundesliga die Salti drehen. Als Vizepräsident im Pfälzer Turnerbund habe ich das Projekt, ein Ligasystem in der Pfalz mit durchgängiger Anbindung an die Bundesliga zu etablieren, unterstützt. Absolut überraschend kam dann, dass ich aktiv dabei sein soll. Nun lassen die anderen nicht locker, treiben mich an. Ganz besonders hilft dabei der Trainingsbetrieb unserer aktiven Turner im TT-Sickingen, wo oft nach drei Stunden Jugendtraining bis 20 Uhr noch eine gemeinsame Trainingseinheit durchgezogen wird. Die TG Pfalz-Trainer haben ein „Hardcore-Trainingsjahr“ angesagt. Ja, da wird Struktur und langfristige Trainingsplanung gefragt sein. Wir werden beginnend im Frühjahr monatlich gemeinsam als TG Pfalz trainieren, wobei jeder seine „Hausaufgaben“ für das Heimtraining bekommen wird. Die Turnelemente werden technisch immer komplizierter und riskanter. Zieht der Nachwuchs da locker mit? Absolut, die Geräte und methodischen Möglichkeiten haben sich parallel ebenso weiterentwickelt. So können die Kinder schneller schwierigere Elemente lernen. Dank der Weiterentwicklung der Mattenlage wurde aber auch viel für die Sicherheit der Athleten getan. Superweichböden, zahlreiche Niedersprung- und Weichbodenmatten lösen dünne Turnmatten zunehmend ab. Das ermöglicht den Kids sichere Lernerfolge, und das Erlebnis, ein neues Element selbst zu beherrschen, ist mit keinem Torschuss vergleichbar. Schade ist es nur, dass die Finanzierung solch wichtiger Geräte fast ausschließlich an den Vereinen hängen bleibt, da die öffentlichen Gelder dafür nicht mehr vorhanden seien. Ihr Heimatverein ist trotz allem kein Leistungszentrum. Wie halten Sie Talente? Wir arbeiten viel mit den Zentren in unsere Region zusammen, und wir haben die Geräte selbst umfangreich modernisiert. Leider geht für den Auf- und Abbau wertvolle Trainingszeit verloren, und häufig kommt es aufgrund der starken Auslastung unserer Sporthallen – zum Teil auch schlechter Verwaltung dieser – zu zahlreichen Trainingsausfällen und unökonomischer Nutzung, insbesondere in der Winterzeit. Diese Ausfälle versuchen wir dann durch die Zusammenarbeit mit Vereinen in unserer Region aufzufangen, was für die Sportler erhöhten Fahrtaufwand mit sich bringt, zugleich aber auch externe Anreize und neue Motivation liefert. Zurück zu Ihnen als Sportlehrer. Wie sehen Sie die Entwicklung im Schulsport, gerade wenn es um eine so komplexe Sportart wie das Turnen geht? Als Sportlehrer müssen wir den Kindern Möglichkeiten für ein lebenslanges Sporttreiben aufzeigen. Insbesondere in unserer zunehmend schnelllebigen, medialen und technisierten Leistungsgesellschaft ist der sportliche Ausgleich eine der Grundlagen für ein gesundes Leben, das höchste Gut. In Bezug auf das Turnen haben in den vergangenen Jahrzehnten offensichtlich viele Menschen demotivierende Ereignisse in ihrer Schule erlebt und die Sportart oder gar den gesamten Sport für sich abgeschrieben. Diese Erlebnisse werden als Vorurteile gegenüber der Sportart oftmals unbewusst beim eigenen Nachwuchs bestärkt. Hier gilt es nun, motivierende Erlebnisse für die Kinder zu ermöglichen. Sport und insbesondere das Turnen, das – ausgehend von den Fundamentalbewegungen – eine breite motorische Entwicklung ermöglicht, sind ein zu wertvolles Medium, als dass wir diese Möglichkeiten ungenutzt lassen könnten.

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