Kaiserslautern
Treppenhauskonzerte in Apostelkirche: Holger Haase krönt Abschluss seiner zehnten Reihe
Nach insgesamt fünf Auftritten an zwei vorangegangenen Tagen – Haase hatte am Montag und am Mittwoch jeweils mittags und am Abend gespielt (wir berichteten am Dienstag und am Mittwoch über die ersten beiden Konzerte) – sowie am Freitagmittag nahm nun jenes abendliche Abschlusskonzert einen besonderen Platz in der Reihe ein. Allein die zu dieser Tageszeit schon leicht gedeckten Lichtverhältnisse sorgten in der Apostelkirche für eine anheimelnde, die Wirkung der Musik noch verstärkende Stimmung.
Künstler kündigt schwer zu goutierende Klänge an
Adäquat dazu interpretierte Holger Haase auf der warm und rund klingenden Oboe d’amour die 3. Sonate für Oboe solo C-Dur, op. 71, Nr. 3 von François Devienne (1759 bis 1803) in besonders intensiver Art.
Neben dem ersten Satz jener Solo-Variante des Werks mit seinen schnellen, von Haase äußerst präzise gesetzten Läufen begeisterte hier insbesondere der sich betont tänzerisch und in der Melodie variationsreich gebende dritte Teil des Werks – ein runder und ansprechender Abschluss der bereits im letzten Jahr begonnenen kleinen Leistungsschau von Kompositionen dieser Art Deviennes.
„Es wird ein bisschen weh tun“, so „warnte“ Haase vor dem modernen zweiten und das Konzert auch bereits abschließenden Stück sein Publikum. In Fortsetzung der Präsentation nicht alltäglicher Werke spielte der Oboist die 1971 uraufgeführte Komposition „Piri für Oboe Solo“ des deutsch-koreanischen Komponisten Isang Yun – mit lang gehaltenen Tönen, etlichen Glissandi und scharfen Tönen auf der Oboe.
Interpretatorisches wie technisches Können bewiesen
In diesem schwierig zu spielenden Stück, in dem Isang Yun die traditionelle Spielweise der namensgebenden „Piri“ (einem oboe-ähnlichen koreanischen Instrument) und Inhalte der Musik seiner ursprünglichen Heimat über die europäische Oboe zu verbinden suchte, zeigte Holger Haase die ganze Bandbreite seines technischen und interpretatorischen Könnens.
Hier gelang es ihm in besonderem Maße, mit nur einem einzigen Instrument den Raum ebenso emotional zu füllen wie das Publikum – dem im Übrigen auch dem Vernehmen nach durchaus in keiner Weise „weh getan“ wurde. Im Gegenteil genoss man bisweilen den erfrischenden Ausflug in selten betretene Klang-Welten.
Zum Ende der aktuellen Konzertreihe zeigte sich der Initiator und Ausführende der Treppenhauskonzerte im RHEINPFALZ-Gespräch zufrieden mit der Zuhörer-Resonanz und auch mit der Akustik, die diesmal freilich in der Kirche selbst anders war als im Treppenhaus, wo die Konzerte aus aktuellem Anlass ja nicht stattfinden konnten.
Haase denkt bereits über Art der Fortsetzung nach
Zugleich geht sein Blick bereits in die Zukunft: Schon macht sich Holger Haase Gedanken darüber, wie die Treppenhauskonzerte nach der Zäsur des Jubiläums – es war dies die zehnte Serie - im kommenden Jahr fortgeführt werden sollen.