Kaiserslautern
THW Kaiserslautern: Bergen, baggern, pumpen – und alles im Ehrenamt
Wenn sie anrücken, fallen sie auf: Die blauen Einsatzfahrzeuge des Technischen Hilfswerks (THW) sind ein Hingucker und vielen Menschen nur von Großeinsätzen aus dem Fernsehen bekannt. Gerald Hirsch, seit einigen Monaten Leiter des Kaiserslauterer Ortsverbands: „Feuerwehr und Rettungsdienst kennt jeder, das THW ist nicht so präsent. Dabei gibt es unseren Ortsverband seit 70 Jahren.“ Eine angemessene Geburtstagsfeier soll es 2023 geben.
Das THW Kaiserslautern hat seinen Stützpunkt zwischen Eselsfürth und Parkplatz Schweinsdell an der A6. In der Fahrzeughalle stehen mehrere Lkw und Transporter – natürlich blau lackiert. Die meisten sind mit allerhand Technik beladen, so gibt’s eine mobile Werkstatt und auf einem Kipper harren verschiedene Baggeraufsätze auf ihren Einsatz. Lange warten müssen sie meist nicht, denn der Kettenbagger des Ortsverbands ist einer von nur sechs beim THW in ganz Deutschland – und entsprechend gefragt. Hirsch: „Im Ahrtal hat man sehr schnell gemerkt, dass Radbagger in den Trümmern nicht vorankommen.“ Ständig hätten kaputte Reifen gewechselt werden müssen. Der Lautrer Kettenbagger habe sich dort bewährt.
Das Einzugs- und Einsatzgebiet der Helfer in Blau umfasst grob die Stadt und den nördlichen Landkreis Kaiserslautern sowie teilweise den Donnersbergkreis und den Landkreis Kusel. „Unsere Mannschaft kommt aus einem Umkreis von gut 40 Kilometern“, sagt Hirsch und schiebt ergänzend hinterher: „Wir haben aber auch andere Ausrückezeiten als die Feuerwehr. Ziel ist es, dass das erste Fahrzeug nach einer Stunde vom Hof fährt.“ Beim Wintereinbruch im April ging’s deutlich schneller: Nach der freitäglichen Übung wurden bei den Fahrzeugen Schneeketten aufgezogen und liegengebliebene Lastwagen abgeschleppt.
Feuerwehr holt THW zur Hilfe
Alarmiert wird das THW in der Regel vom jeweiligen Einsatzleiter der Feuerwehr, erläutert Hirsch den Ablauf. Alternativ könnten THW-Fachberater gerufen werden, um an der Einsatzstelle Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten. Typische Einsätze für das Technische Hilfswerk seien Strohballenbrände (mit Radladern wird das Material auseinander gezogen), einsturzgefährdete Häuser (die abgestützt werden) und Verkehrsunfälle (wo die schweren THW-Geräte beim Bergen helfen). Schmunzelnd ergänzt Ann Christin Ochs vom THW-Ortsverband: „Wir kriegen auch immer wieder kuriose Anfragen. Etwa, ob wir einen Garten umgraben können, einen Baum fällen oder – als technisches Hilfswerk – bei Internetausfällen helfen können.“
Der Ortsverband ist rein ehrenamtlich organisiert, selbst Hirsch ist kein Hauptamtler der Bundesbehörde THW. Im Einsatzfall verlassen die Helfer ihre Arbeitsplätze, lassen Hobby oder Gartenarbeit stehen und liegen. Hirsch: „Die Helfer und ihre Familien müssen überzeugt dabei sein, gerade, weil wir immer wieder Einsätze haben, bei denen wir einen langen Atem brauchen.“ Wie zuletzt in Siegelbach beim Belüften der dortigen Weiher. Um die Mannschaft nicht auszulaugen, sind THW-Mitglieder aus angrenzenden Ortsverbänden dazugerufen worden. Für Hirsch ist das eine große Stärke der Organisation: „Wir arbeiten eng zusammen, von der Regional- über die Landes- bis zur Bundesebene. Da jeder Ortsverband andere Schwerpunkte hat, ergänzen wir uns.“ Die Schwerpunkte in Kaiserslautern sind Bergen, Baggern und Notinstandsetzung. Konkurrenz zur Feuerwehr gebe es keine, betont Hirsch: „Die Feuerwehr ist die schnelle Truppe vor Ort und hat die Einsatzleitung. Wir helfen aus, bringen unser schweres Gerät mit ein.“
Nachwuchsmangel und Lkw-Führerschein
Eine zunehmende Herausforderung ist für den Ortsverband die Nachwuchsgewinnung. „Wenn wir sagen, dass es für die Arbeit bei uns keinen Lohn gibt, verlieren viele junge Leute das Interesse“, berichtet Hirsch. Zudem ist jeden Freitag Übungsabend. Dass immer weniger Mitglieder einen Lkw-Führerschein besitzen, könne für den altersmäßig recht jungen Ortsverband ebenfalls bald ein Problem werden. Hirsch: „Ich muss die Lastwagen ja zum Einsatzort bringen.“ In diesem Jahr habe man immerhin einem THWler ermöglichen können, den entsprechenden Führerschein zu machen.
Ganz engagierte – und belastbare – Helfer können sich den sogenannten Sepa-Einheiten anschließen, jener THW-Fachgruppe, die beispielsweise nach Erdbeben zu Auslandseinsätzen aufbricht. Dafür braucht’s neben Sprachkenntnissen verschiedene psychologische Stresstests, denn die Einsätze sind Extremsituationen. Hirsch: „Das muss man wirklich wollen.“
Info
- Am Samstag, 5. November, e findet auf dem Messeplatz ein Teil einer pfalzweiten THW-Übung statt. Dabei wird ein Großeinsatz simuliert; der Fokus liegt auf Funk und Logistik.
- Weitere Infos zum THW Kaiserslautern gibt’s hier: https://ov-kaiserslautern.thw.de/