Kaiserslautern Suchen, sichern, weiterleiten

Sie sind im Einsatz, wenn eigentlich schon alles vorbei ist; eine Scheune abgebrannt, ein Flugzeug abgestürzt oder ein Mensch tot aufgefunden wurde: die Beamten der Kriminaltechnik (KT) in Kaiserslautern. Mit großer Sorgfalt gehen sie vor, schließlich können schon kleine Fehler ein Beweisstück unbrauchbar machen – oder vor Gericht anfechtbar. Die Beamten kommen immer dann in der Westpfalz zum Einsatz, wenn es um Kapitalverbrechen geht oder zumindest der Verdacht dazu besteht. „Aber auch wenn die Kollegen in den Polizeiinspektionen uns anfordern, fahren wir raus“, sagt Reiner Dick, Chef der KT, die landläufig auch als Spurensicherung bekannt ist. „Wir sehen uns als Servicedienststelle und helfen, wenn beispielsweise das Personal knapp ist.“ Eigentlich muss nämlich jeder Polizeibeamte selbst Spuren an einem Tatort sichern können, erläutert Dick. Allerdings habe er den Eindruck, dass die Spurensicherung in der Ausbildung des Polizeinachwuchses momentan keine große Rolle spielt: „Da könnte mehr gemacht werden, die läuft fast nur theoretisch ab.“ Statt sich ein möglichst breites Wissen anzueignen, würden zudem viele junge Kollegen nur noch gezielt für einzelne Prüfung lernen. Die Arbeit der Kriminaltechniker könne schon sehr belastend sein, räumt Dick ein. An Tat-, Fund- und Ereignisorten (bei Unglücksfällen) bieten sich den Ermittlern nicht selten grausige Anblicke. Die Aussicht auf Erfolge motiviere das Team, schließlich könne man aktiv dazu beitragen, dass der Schuldige überführt und verurteilt wird. Und die Erfolge seien auch deshalb möglich, weil die Ausstattung des Kommissariats stimme: „Wir arbeiten hier über den Mindeststandards.“ Eine gerade laufende Zertifizierung der Lauterer Kriminaltechnik sei zwar mit viel Bürokratie, aber nicht mit Umbauten oder Neuanschaffungen verbunden. In dem Job spielt jedoch nicht nur die Technik eine wichtige Rolle, wie das in einigen Fernsehsendungen suggeriert wird. Vor allem Wissen und Erfahrung sind gefragt. „Wir sind ein eingespieltes Team, jeder weiß, was der andere gut oder nicht so gut kann. Und Teamarbeit ist bei uns das A und O“, schildert der Kommissar. Seit 1999 arbeitet Dick mit seinen sechs Kollegen zusammen: „Unser Nesthäkchen ist 50.“ Das hohe Durchschnittsalter der Abteilung sieht er zwiespältig: „Wir müssen unser Wissen an junge Kollegen weitergeben. Das wird eine wichtige Aufgabe in der nächsten Zeit.“ Eine professionelle Fotografin sorgt in der KT dafür, dass alle Beweisstücke richtig fotografiert, Aufnahmen von Tat- und Fundorten gemacht werden. Komplettiert wird die KT von einer Vorzimmerdame, die im Umgang mit den Asservaten geschult ist. „Hier muss jeder wissen, wie er mit möglichen Beweisstücken umzugehen hat“, unterstreicht Dick. Über die Tische im Vorzimmer und in seinem Büro gehen schließlich so einige Beweisstücke am Tag: „Die werden oft auch von den Kollegen von außen zu uns geschickt, wo wir sie dann noch einmal genauer sichten.“ Die Beweisstücke sind jeweils mit einer sogenannten Spurenkarte versehen und elektronisch erfasst. Dick schildert: „Ich kann beispielsweise von hier aus auf die für mich nötigen Unterlagen von den Kollegen in Kusel zugreifen.“ Wenn nötig, wird der Gegenstand im hauseigenen Labor penibel untersucht. Mit Bedampfungsverfahren können beispielsweise Fingerabdrücke auf verschiedenen Oberflächen sichtbar gemacht werden. „Finden sich Spuren, werden die von uns bemaßt und beschriftet, anschließend fotografiert und zu den Kollegen nach Mainz weitergegeben“, schildert Dick einen Routinevorgang. Beim Landeskriminalamt kümmern sich Experten aus verschiedensten Fachrichtungen schließlich um die Auswertung der Asservaten. „Dort gibt’s unter anderem Dezernate für Fingerspuren, für chemische Spuren oder biologische.“ Auch mit den Rechtsmedizinern in Mainz und Homburg arbeite man eng zusammen. Dick: „Unsere Aufgabe ist es nicht nur die Spuren zu sichern, sondern auch, jemanden zu finden, der weiß, wie man sie auswertet.“ Es gehöre zum Alltag, gefundene Spuren zurückzustellen. Beispielsweise werde derzeit in München eine DNA-Probe überprüft, die zu einem Mordfall aus dem Jahr 1996 gehört. Dick: „Damals gab das die Technik noch nicht her.“ Nun kann die DNA-Auswertung möglicherweise den entscheidenden Hinweis liefern, und der Mörder kann überführt werden. Fast zwei Jahrzehnte nach der Tat.