Wissen Raus aus der Wolle
Weit zu hören ist das laute Blöken! Heute haben die Schafe etwas Wichtiges vor sich: Sie werden geschoren. Warum ist das überhaupt nötig?Im Stall herrscht dichtes Gedränge. Pausenlos rufen die Schafe „mäh mäh“. Offenbar ist die Aufregung groß. Aber ihr Besitzer, der Bad Dürkheimer Schäfer Günter Krapp, weiß schon jetzt: Wenn die Tiere erst mal ihre Wolle los sind, werden sie wieder ruhig auf der Weide grasen, und der ganze Wirbel ist vergessen.
Warum müssen Schafe überhaupt geschoren werden? Der Grund dafür liegt in der Zucht der Tiere. Auf den Weiden siehst du unterschiedliche Schafrassen. Ursprünglich stammen sie von Wildschafen ab. Eine Wildschafart ist der Mufflon. Er gilt als Vorfahre des Hausschafs. In Europa kann er noch frei leben.
Viele Rassen hat der Mensch so gezüchtet, dass ihnen eine Menge Wolle wächst. Hausschafe verlieren ihre Wolle nicht von selbst. Sie würde immer länger werden. Vielleicht hast du schon gesehen, wie dick so ein Wollfell wird. Das schützt zwar vor Kälte und Wärme, aber wenn es zu viel wird, drohen die Tiere zu überhitzen.
Im Gegensatz zu Wildschafen müssen also die meisten Hausschafe jedes Jahr geschoren werden. Ohne die regelmäßige Schur würden sie in der warmen Jahreszeit leiden. Außerdem schützt die Schur vor Schäden und Krankheiten der Haut.
Die Schafe wissen das natürlich nicht und wollen erst mal nicht auf die Schurbank. Bei schweren Tieren brauchen der Schäfer und seine Helfer ordentlich Kraft, um sie dorthin zu bringen. Aber dann dauert es pro Tier nur drei bis vier Minuten, bis es ohne Wollmantel wieder von der Bank springen darf.
Der Schafscherer Franz Bosch „frisiert“ heute fast 40 Tiere bei Günter Krapp. Das geht am laufenden Band: Während er das Schaf festhält, führt er schnell und gleichmäßig die Schermaschine über die Haut. Dabei schneidet er die Wolle in großen Teilen ab.
„Dem Schaf tut das nicht weh“, sagt Bosch. Tatsächlich bleiben die Tiere während des Scherens völlig ruhig. Anstrengend ist die Arbeit trotzdem. Die Coburger Fuchsschafe von Krapp sind mittelgroß, und ein erwachsenes Tier wiegt 70 bis 80 Kilogramm. Der Schafbock ist noch schwerer.
Nur etwa 15 Kilogramm wiegt dagegen ein kleines Quessant-Schaf. Drei Tiere dieser meist dunklen Zwergrasse werden heute ebenfalls geschoren. Passend heißt eines von ihnen „Frau Schwarz“. Das Schäfchen ist schnell von seiner Wolle befreit. Ob groß oder klein: In den nächsten Tagen bleiben die Schafe am besten im Schatten, damit sie keinen Sonnenbrand bekommen.