Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Starker Talentbeweis: Zwei junge Bands der Stadt im Kulturzentrum Kammgarn

Vielleicht Emma, sicher jedoch gut: Manuel Schalk (vorn), Max Werz am Bass.
Vielleicht Emma, sicher jedoch gut: Manuel Schalk (vorn), Max Werz am Bass.

Viele Gemeinsamkeiten im kraftvollen Doppelpack: Am Freitagabend gab’s im Kulturgarten der Kammgarn gleich zwei junge, gleichwohl nicht mehr ganz unbekannte Bands aus Kaiserslautern, beide stilistisch ungefähr auf der gleichen (Indie-)Rock-Schiene laufend, beide ausnehmend gut in Sachen Komposition und Spielfertigkeit. Und: Für beide Gruppen war’s seit der erzwungenen Auftrittspause einer der ersten Auftritte vor Publikum.

Die damit verbundene Freude merkte man auch gleich der ersten Band an. Das heimische Trio Vielleicht Emma legte mit angenehm überbordender Energie los, als müsste es noch eine Menge an aufgestauter Energie loswerden. Sorgfältig bauten dabei Leadsänger/Gitarrist Manuel Schalk, Bassist Max Werz und Schlagzeuger Matthias Hassel (zum Teil auch als kompetente Tastenkünstler) ihre durchweg deutschsprachigen Lieder auf und schickten sie als wirkungsvolles Gesamtpaket direkt in ihr von Anfang an mitgehendes Publikum im gut gefüllten Kulturgarten.

Auch textlich bot man in Songs wie „Defender“ und „Kalt und so“ einiges, wofür sich genaueres Hinhören lohnen konnte. Da ging es zwischen kleinen Begebenheiten und großem Nachdenkenswerten unter anderem um die vielen Ideen, die man als Künstler so hat, um die Liebe natürlich, auch das Studentenleben, nicht zuletzt die Musik. Das Ganze wurde dann öfters mit einem Augenzwinkern durch die Anlage gebracht: „Bitte, bitte hört unsere Musik! Hört euch an, was wir sagen! Ladet es euch doch einfach runter; wir werden euch schon nicht verklagen“ – das brachte auf und vor der Bühne gute Stimmung.

Ein wenig deftiger

Der erfrischende Auftritt wurde in gleichermaßen positiver Atmosphäre fortgesetzt mit dem ebenfalls aus Lautern stammenden Quartett Surfing Horses. Insgesamt ein wenig deftiger noch als ihre Vorgänger an diesem Abend (und nun auf Englisch) lieferten Fabian Best (Gitarre, Gesang), Philip Schohl (Gitarre, Trompete), David Dressler (Bass) und Dominic Schmitt (Schlagzeug) hier einen besonders energiereichen Sound, der bisweilen durch das Blasinstrument nicht nur obertonmäßig aufgepeppt wurde. Hinzu kam stellenweise noch eine wohlkalkulierte Verfeinerung durch den Einsatz der Tasten – auch das haben die Jungs mit der ersten Band gemeinsam.

Und gleich noch eine weitere Gemeinsamkeit: Auch in Sachen Text trabten die „surfenden Pferde“ manchmal nicht ganz so ausgetretene Wege, fragen in ihren Songs etwa mal besorgt-provokant „Is this the way you want to spend your day?“ oder, noch etwas pointierter: „What’s the problem, officer?“ Auch da machte es Spaß, zusammen mit den meist positivistisch-flotten Musik- und Rhythmuslinien den Texten nachzuspüren.

Überraschung zum Schluss

Eine nette Überraschung gab es dann ganz zum Schluss bei der Zugabe. Da kamen die drei mit der Band befreundeten Vielleicht-Emma-Musiker als veritable Schlagwerkspieler noch einmal mit auf die Bühne. Nunmehr als Septett interpretierte man stilistisch etwas außerhalb des vorangegangenen Programms, aber perfekt zum lauen Sommerabend passend, den latinesk-beschwingten Son-Titel „Chan Chan“ aus dem „Buena Vista Social Club“ – in respektabler spanischer Sprache übrigens und nicht nur deshalb zur Freude des begeisterten Publikums. Das hatte Stil und Klasse, das rundete einen gelungenen zweiteiligen Abend sauber ab.

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