Kaiserslautern
SPD nominiert Beate Kimmel als Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt
Draußen Schmuddelwetter. Erst Regen, später dicke Schneeflocken. Drinnen, im protestantischen Gemeindehaus Erzhütten, dominiert die Farbe Rot, auch wenn es bei der Vertreterversammlung des SPD-Stadtverbands zur Aufstellung von Beate Kimmel als Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin zunächst erstaunlich zahm zuging.
Stadtverbandsvorsitzender Patrick Schäfer spannte zunächst den Bogen von der Weltpolitik, mit Ukraine-Krieg und Corona, bis zu Lautrer Themen, wie Wohnungsnot und Klimaschutz vor Ort. Insgesamt resümierte Schäfer: „Kaiserslautern steht gut da!“ Daran trage „unser Oberbürgermeister Klaus Weichel einen nicht unerheblichen Anteil“. Dennoch gelte es, die Weichen für die Zukunft von Kaiserslautern zu stellen: „Wir brauchen jemanden, der die neuen Herausforderungen anpackt und die Stadt weiterentwickelt.“ Die SPD trete dafür ein, dass Kaiserslautern in Beate Kimmel die erste Oberbürgermeisterin wählt: „Beate kennt die Stadt, Beate kennt die Verwaltung wie ihre Westentasche und Beate ist bürgernah. Sie ist eine von uns.“ Schäfer zeigte sich überzeugt, „dass unsere Stadt bei ihr in den besten Händen sein wird“.
Im „Schweinsgalopp“ die wichtigen Themen genannt
Wie sie das schaffen will, dafür nannte Beate Kimmel, bei der SPD übrigens die einzige Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt am gestrigen Abend, in ihrer Vorstellungsrede vor allem ein Werkzeug: das Gespräch. Die 53-Jährige möge „lieber Dialoge statt Monologe“ und lasse sich gern von Menschen begeistern, „die für eine Sache brennen“: „Ich will die Menschen dazu einladen, Kaiserslautern mitzugestalten.“ Dennoch habe sie eine innere Haltung und eigene Lösungsideen.
Kimmel sprach, wie sie selbst sagte, im „Schweinsgalopp“ eine ganze Reihe von Themen an, die ihr wichtig sind, unter anderem den demografischen Wandel („Menschen zum Hierbleiben bewegen“), die Digitalisierung („Bürgern den Nutzen aufzeigen“), Jugend als Chance zu sehen („nicht nur als laut und müllproduzierend“), Tourismusförderung („wir sind die einzige Großstadt an einem Biosphärenreservat“) und den Kampf gegen Kinderarmut und für Chancengleichheit.
Kimmel fordert neue Fehlerkultur und „mutig sein“
„Wir müssen neue Wege gehen, einfach mal machen“, forderte Kimmel, „wir wollen immer perfekt sein, aber das lähmt auch. Da sind wir manchmal zu zögerlich.“ Als Oberbürgermeisterin wolle sie eine Fehlerkultur ermöglichen, bei der man scheitern dürfe – und vor allem ausprobieren, „mutig sein“. Kimmel: „Ich persönlich folge manchmal dem Prinzip des glücklichen Zufalls, und das trägt richtig gut.“ Gemeinsam könne man in Kaiserslautern mehr erreichen, warb sie auch für Verzahnungen innerhalb der Verwaltung.
Für die Wahl im Frühjahr 2023 habe sie drei Ziele: „Ich will gewinnen. Ich will der Stadt zeigen, welches Potenzial sie hat. Ich will den Menschen zeigen, warum sie etwas Besonderes sind.“ Die Delegierten zeigten daraufhin, dass sie hinter Beate Kimmel als Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin stehen: 34 von 38 stimmten mit Ja, vier mit Nein. Die SPD nominierte Kimmel mit 89,5 Prozent. „Jetzt müssen wir gemeinsam die Stadtgesellschaft überzeugen, dass ich eine gute Option bin“, sagte Kimmel.
SPD-Regionalverbands-Chef Schweitzer: „Genug Ideen für drei Wahlkämpfe“
Das griff denn auch Alexander Schweitzer, Vorsitzender des SPD-Regionalverbands Pfalz und rheinland-pfälzischer Arbeitsminister, in seinem Grußwort an die Lautrer Genossen auf. Jetzt stehe für die SPD die Chance für ein neues Kapitel im Raum: „Aber ein Spaziergang wird das nicht.“ Schweitzer wusste, welche Knöpfe er drücken muss, um die bis dahin eher zurückhaltenden Kaiserslauterer Sozialdemokraten in Wahlkampfstimmung zu bringen: „Lasst uns alle verdammt noch mal dafür sorgen, dass die Beate Oberbürgermeisterin wird.“ Jetzt müsse man sich im Wahlkampf auf die eigene Kandidatin fokussieren: „Wir haben Beate Kimmel, egal, was sonst auf dem Markt ist.“
Der „Bub vom Dorf“ attestierte Kimmel, „genug Ideen für drei Wahlkämpfe“ zu haben. Das Erfolgsrezept um eine Stadt, eine Verwaltung erfolgreich zu führen, ist laut Schweitzer: „Man braucht ’ne Idee, man braucht ’ne Gemeinsamkeit und eine starke Spitze – und das bist Du, liebe Beate.“ Für den nun beginnenden Wahlkampf rief Schweitzer zur Geschlossenheit auf: „Wir kriegen das gemeinsam – und nur gemeinsam – hin. Lasst uns den Wahlkampf zu einem gemeinsamen Wahlkampf machen.“