Kulturzentrum Kammgarn
Sound of the World (3): Cristina Branco setzt den Höhepunkt
Fado-Sängerin Cristina Branco machte nicht den gleichen gravierenden Fehler in ihrer Präsentation und Performance wie zuvor die Frontsängerinnen der Vorabende: Sie setzte auf subtilen Klangzauber und nicht auf reißerische, plakative Effekte einer Begleitband.
Am dritten Abend der Reihe bewahrheitete sich einmal mehr, dass zu einem charismatischen, ja hypnotisierenden und facettenreichen Sologesang an der Rampe und dies in zarten Nuancen besser akustische und klassische Instrumente wie Klavier (Luis Figueiredo) und akustische portugiesische Gitarre (Bernardo Couto) sowie gezupfter Kontrabass von Bernardo Moreira passen. Dies anstelle elektronischer Bandbesetzung mit E-Gitarren, Keyboard und vor allem zu dominantes Schlagwerk.
Intensiv, expressiv, suggestiv
Cristina Branco nutzte dann auch diesen dezenten Klanghintergrund und somit diese klanglichen Freiräume für eine besonders intensive, expressive und suggestive Vortragsweise, die ihresgleichen sucht: Ein solch emotionsgeladener, bisweilen melancholischer, dann wieder bis hin zu ekstatischer Intensität anschwellender Fadostil drückt seelische Regungen aus: Assoziativ, reflektiv (aus eigenen Erlebnissen und Sehnsüchten) und verträgt keine Ablenkung, sondern nur Hinführung. Das hatten die drei Musiker perfekt umgesetzt, nahmen das Kolorit und thematische Spannungsfeld der Lieder und Balladen sehr einfühlsam auf, belebten, variierten und improvisierten bisweilen – ohne allerdings den poetischen und lyrischen Gehalt zu beeinträchtigen. Da hing dieses bestens aufeinander abgestimmte und eingespielte Trio förmlich an den Lippen der Sängerin, passte sich nahtlos an und das Zuhören war so reinste, ungetrübte Freude und beflügelte alle Zuhörer – die machten sich immer wieder nach jedem Titel in Ovationen ihrer emphatischen Zustimmung Luft. Zur instrumentalen Profilierung gab es einige Solostücke oder Passagen ohne Gesang – es geht auch so: ohne blinde „Zerstörungswut“ mancher Pseudosolisten. Es standen weniger die tänzerisch gelösten (etwa in einem Jazz-Waltz) Titel im Vordergrund, sondern vielmehr diejenigen, die elegisch klagend (lamentierend) und reflektierend eigene und gesellschaftliche Probleme besingen. Dazu brachten die drei Musiker stets die passenden Parameter wie Harmonik, Rhythmik und Dynamik ein – kurz: Es war ein genialer Abend, da passte alles perfekt zusammen.