Kaiserslautern Sonnenscheinritt zum Glühwein
Pferdehänger um Pferdehänger rollte am Samstag auf den Parkplatz am Naturfreundehaus in Heltersberg. Der erste Glühweinritt des jungen VFD-Treffs Westpfalz, der bisher nur Vorträge auf dem Bremerhof organisiert hatte, stand an. Mehr als 20 Freizeitreiter, auch aus dem Kaiserslauterer Landkreis, folgten der Einladung zum Ritt durch den Pfälzerwald.
Schnauben, Wiehern, Prusten bei den Vierbeinern, rege Tätigkeit bei den Zweibeinern. Die Pferde werden aus den Anhängern geholt, die Reiter beginnen die Fellpflege mit Striegel und Kardätschen. Danach werden die Satteldecken aufgelegt, dann die Sattel, die Gurte werden festgezogen. Überwiegend sind es Westernsättel, in die sich die Reiter beim Aufbruch schwingen werden, der eine oder andere ist bei frostigen Temperaturen mit Frotteestoff überzogen. Gut 20 Pferde stehen zum Abritt bereit. Eine bunte Schar quer durch die Pferderassen, genauso bunt gemischt wie die Reiter. „Es kommt weniger auf die Pferderasse an, sondern mehr auf den Reiter und die Ausbildung der Pferde“, sagt Hermann Grimm beim Blick in die Runde. Amerikanische Quarterhorses und Appaloosas, Araberpferde, Ponys wie ein Dülmener Wildpferd oder ein Lewitzer, daneben ein Tinker und ein herrlicher Friese – eine Vielfalt, die das Herz eines jeden Pferdefreundes höher schlagen lässt, steht da. Was für die Tiere gilt, gilt auch für die Reiter. „Wir machen keinen Unterschied. Es ist alles dabei, von alt bis jung. Bei uns ist jeder willkommen“, sagt Grimm. Er ist der Gruppenleiter des VFD-Treffs Westpfalz. Für die Regionalgruppe der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland, wofür die Abkürzung VFD steht, ist der Glühweinritt der erste organisierte gemeinsame Ausritt. Denn der Treff besteht gerade mal ein Vierteljahr. Im September haben sich Freizeitreiter aus der Region zum ersten Mal auf dem Kaiserslauterer Bremerhof getroffen. Mittlerweile gehören rund 70 Pferdefreunde dem Treff an, Grimm ist überwältigt vom Zuspruch. „Das ist doch ein Riesenanklang, ad hoc 70 Leuten zusammenzubringen“, sagt er stolz. Auffallend ist, dass die Reiterinnen in der Überzahl sind. „Die Männerquote liegt unter fünf Prozent“, sagt Grimm und lacht. Grimm ist, was die Reiterei betrifft, ein Spätberufener. „Ich habe erst seit zehn Jahren mit Pferden zu tun. Zuvor war ich 30 Jahre aktiver Flieger, bis ich das aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste“, erzählt er. Vor acht Jahren hat er mit dem Reiten begonnen. Wenn er von der Reiterei und den Pferden spricht, hört man die Leidenschaft und Begeisterung für das Pferd heraus. Die Begeisterung steckt an, Grimm teilt sie gerne mit Gleichgesinnten. Der gebürtige Altleininger lebt mittlerweile in Mehlbach, er hat sich bei der Reiterlichen Vereinigung (FN), dem Dachverband aller Reiter, in Sachen Pferdehaltung weitergebildet. Und er erkundet gerne zu Pferd die Region. „Von Mehlbach aus sind wir schon bis nach Gebüg an der Grenze der Südwestpfalz oder nach Altleiningen geritten“, berichtet er. Ihn treibt um, dass die Pferdesportverbände eher wenig für Freizeitreiter tun. Die Infrastruktur müsste besser ausgebaut werden, sagt er, entlang attraktiver Routen fehlten etwa Versorgungsstationen für Ross und Reiter. Zudem sei es schwierig, gut ausgebildete Freizeitpferde zu finden. Er selbst reitet ein Quarterhorse, das, wie alle anderen Pferde, völlig entspannt auf dem Parkplatz steht und auf den Beginn des Rittes wartet. „Die Pferde merken schon, dass es in den Wald geht“, erzählt Grimm, der sich sichtlich auf den Ritt freut. Auch ein paar Fußgänger haben sich eingefunden, die auf einer 20-minütigen Wanderstrecke zum Rastplatz gelangen, wo ein Lagerfeuer, Glühwein und Punsch sowie Brezeln warten. Für die Reiter bietet der Rastplatz eine Verschnaufpause auf dem mehr als 20 Kilometer langen Rundweg, der wieder zurück zum Naturfreundehaus führt. „Es war einfach überwältigend, die Stimmung hat gepasst, das Wetter hat gepasst“, fasst Andrea von Klot aus Trippstadt zusammen. Das Treff-Mitglied der ersten Stunde, das sich im Vorstand engagiert, ist hocherfreut über den großen Anklang, den die relativ spontane Aktion gefunden habe. Sie spricht von „Gänsehaut pur“ und ist begeistert von den lächelnden Gesichtern, die alle Reiter trotz kühler Temperaturen bis zum Ende des Rittes trugen. Die Serie In der Reihe „Verein(t) in der Region“ stellen wir Clubs und Vereine aus dem südwestlichen Landkreis vor. Interessierte können sich per Telefon melden unter 06371/467479 oder per E-Mail an die Adresse marktklwest@rheinpfalz.de.