Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Simon Stäblein begeistert sein vorwiegend junges Publikum hellauf

Erzählt Lustiges aus dem Alltag und pflegt auch Selbstironie: Komiker Simon Stäblein.
Erzählt Lustiges aus dem Alltag und pflegt auch Selbstironie: Komiker Simon Stäblein.

Comedian Simon Stäblein gastierte mit seinem dritten Soloprogramm „Ich schmeiß mich weg!“ am Samstag in der ausverkauften Schreinerei des Kulturzentrums Kammgarn und hinterließ ein restlos begeistertes Publikum. Kulturkrisen-Gedanken lösen sich da in Wohlgefallen auf.

Ein vorwiegend jugendliches Publikum bevölkerte die ausverkaufte Schreinerei der Kammgarn und war bis zum letzten Sketch restlos begeistert: Das widerlegt durchaus Befürchtungen, dass sich in der jüngeren Generation eine zunehmend in sich selbst ruhenden Gesellschaft entwickelt, die lieber daheim streamt statt Live-Kulturangebote anzunehmen.

Der Wahl-Kölner Simon Stäblein entpuppte sich auf Anhieb als eine Stimmungskanone, die mitreißt. Der inzwischen 36-Jährige ist seit 2012 als Moderator (etwa des Formats NightWash), Entertainer und Comedian von Tourneen quer durchs Land bekannt und sagt über sich, er habe „es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschheit zu erheitern“. Stäblein lockte nun in Kaiserslautern nicht nur das Publikum hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervor, sondern auch aus der Reserve und entfachte Ovationen.

Eine hohe Kunst

In zwei Stunden entstand eine beglückende Verschmelzung aus Podium und Publikum, identifizierte sich wohl jede(r) mit den skurrilen, bisweilen abstrusen Alltags-Episoden, die Stäblein ausbreitete, gewürzt mit einer gehörigen Portion an Slapstick, Pantomime, ausdrucksstarker Gestik und Mimik sowie rhetorischem Können.

Es ist eine hohe Kunst, an der Rampe ohne jegliche Hilfsmittel ein Publikum über Stunden in Atem zu halten und zu bannen, um eine geschickt inszenierte Interaktion mit der Zuhörerschaft und eine sich steigernde Spannung aufzubauen. Stäblein setzt dabei als Stand-up-Komiker gern auf entwaffnende Selbstironie. Und mitunter hält er der in all ihren Widersprüchen sich selbst fesselnden Gesellschaft den Spiegel vor, so dass sich manche(r) wieder erkennt. Vor allem Spießer und Philister nimmt er bevorzugt aufs Korn und trifft mitten hinein in gesellschaftliche Widersprüche und Absurditäten.

Eine provokativ gesetzte „Weihnachtsbotschaft“: „Let It Snow“, steht auf Simon Stäbleins T-Shirt, aber auch das Wort „tits“.
Eine provokativ gesetzte »Weihnachtsbotschaft«: »Let It Snow«, steht auf Simon Stäbleins T-Shirt, aber auch das Wort »tits«.

Nüchtern betrachtet er scheinbar en passant die Anreise von K (Köln) nach K (Kaiserslautern): Zwei Stunden am Rhein entlang von Metropolen mit M wie Mainz und Mannheim und dann eine Stunde durch Wald und Tunnel. Relativ sicher und abgeschieden, findet er seinen Aufführungsort, denn militärische Angriffsziele seien wohl eher Metropolregionen – wäre da nicht die Air Base ... Hinter scheinbarem Nonsens steckt also ein bedeutungsvoller Kern, und den findet man bei allen Alltagsepisoden, seien es ein lamentierter Arztbesuch, der in der Röhre beim MRT endet, oder Erlebnisse beim Discounter, wo Hamsterjäger aufeinander treffen. Auch sinniert Stäblein über Müllberge trotz Mülltrennung sowie über Probleme in Beruf und Partnerschaft.

Für jede Lebenslage hat der urkomische und niemals statisch wirkende Komiker den passenden Sketch parat, bezieht in rhetorischen Fragen (die auch teilweise zurufend beantwortet werden) sein Publikum mit ein und gibt sich insgesamt als ein Künstler, der Distanz abbaut und Vertrauen aufbaut.

„Augen zu und durch“

Stets wirken diese Episoden besonders intensiv durch die Gestik, inklusive Grimassen und schrägen Verrenkungen, die Stäbleins intensiver Beobachtungsgabe gesellschaftlicher Verhaltensmuster entspringen: Redewendungen wie „Kopf in den Sand stecken“ oder „Augen zu und durch“ werden bei ihm schauspielerisch in vollendeter Körpersprache auch wirkungsvoll und urkomisch dargestellt.

Am Ende gibt er sich gesellig, versöhnlich und ein wenig populistisch – allerdings glaubt er zum Ausklang vor der versprochenen Begegnung mit dem Publikum mit drastischen, vulgären Worten („Ich geh erst mal ...“) auch unterhalb der Gürtellinie punkten zu müssen. Ein Irrtum!

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