Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Sieben Kippen im Warmwasserbecken“

Der ehemalige Fußballprofi Mario Basler macht keinen Hehl daraus, dass er gern mal eine raucht.
Der ehemalige Fußballprofi Mario Basler macht keinen Hehl daraus, dass er gern mal eine raucht.

Rauchen und Sport, das geht für viele überhaupt nicht zusammen. Doch so mancher Athlet kann die Finger nicht von der Zigarette lassen. Dazu zählen auch immer wieder Bundesliga-Fußballer und andere Sportasse. Welche schädlichen Folgen der Nikotingenuss für die Gesundheit haben kann, darüber berichtet ein Mediziner, der selbst auch mal Raucher war.

„Wir saßen im Wasserbecken und haben mit acht Mann geraucht, da kam der Trainer um die Ecke – auf einmal waren sieben Kippen im Warmwasserbecken, und ich habe halt weitergeraucht“, erzählte der ehemalige Fußball-Nationalspieler Mario Basler einst in einer Talkshow. Auch die früheren Bundesligatrainer Peter Neururer und Werner Lorant zogen eifrig an den Glimmstängeln, sogar auf der Trainerbank. Ja selbst Klaus Augenthaler und Torwart-Titan Oliver Kahn hatten sich bei Meisterschaftsfeiern mal eine angezündet. Auch Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw ist einer Zigarette nicht abgeneigt. Eine der größten Raucherlegenden des Fußballs ist Walter Frosch. Der in Ludwigshafen geborene Ex-Spieler des 1. FCK, der 43-mal für die Roten Teufel auflief, war bekennender Kettenraucher. Mit Zigarettenschachtel in den Stutzen lief der mittlerweile verstorbene Fußballer einst beim Abschiedsspiel für die Torwartlegende des FC St. Pauli, Klaus Thomforde, auf. „Was haben Sie denn da unten in Ihren Stutzen drin?“, fragte ein Reporter, worauf der Abwehrspieler mit teergetränkter Stimme kurz und knapp, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, antwortete: „Zigaretten.“

Zigaretten eingemottet

Was aber macht Rauchen mit Sportlern? Der frühere leitende Oberarzt des Westpfalz-Klinikums der Angiologie in Kusel, Rainer Schmiedel, der jetzt eine Praxis in Kaiserslautern betreibt, kümmert sich auch um die Entwöhnung von Rauchern. Der Internist und Gefäßmediziner kann dem Rauchen nicht viel Positives abgewinnen. „Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass bei manchen chronischen Erkrankungen durch das Rauchen seltener Schübe kommen“, erklärt der 58-Jährige. Schmiedel habe nach eigenen Angaben selbst mal zehn Jahre dem Glimmstängel gefrönt. „Ich habe dann damals an einer kleinen wissenschaftlichen Beobachtungsstudie teilgenommen. Damals kam das erste Nikotinpflaster auf den Markt“, erklärt Schmiedel, der gleichzeitig mit seiner Ehefrau die Zigarettenschachtel einmottete und nunmehr seit 31 Jahren nicht mehr raucht.

„Jeder soll unbedingt mit dem Rauchen aufhören“, sagt Schmiedel. Denn jeder Raucher verkürze sein Leben um etwa zehn Jahre. „Das sollte Motivation genug sein, mit dem Rauchen aufzuhören, auch für betagte Menschen“, fügt Schmiedel an.

Langfristige Gesundheitsschäden

Doch wirkt sich Rauchen auch auf die sportlichen Fähigkeiten aus? „Hätte Usain Bolt nicht zwei Hundertstel schneller laufen können? Hätte Mario Basler nicht noch besser spielen können?“, stellt Schmiedel die Fragen in den Raum, die letztlich weder er noch andere beantworten können. Zumindest habe Rauchen nach Ansicht des Mediziners nicht direkte Auswirkung beim Leistungssport. „Junge Raucher, die keine Vorerkrankung haben, sind durch Zigaretten nicht unmittelbar und messbar geschädigt. Aber die langfristigen Gesundheitsschäden sind schon ein Problem“, erklärt Schmiedel. Doch nach langer Zeit sei es schon denkbar, dass es zu Beeinträchtigungen des Lungenvolumens oder der Atemwege kommt. Insbesondere seien auf Dauer drei Krankheitsbilder häufig vom Rauchen geprägt: Eine Beeinträchtigung des Herz-Kreislauf-Systems, (chronische) Atemwegserkrankungen und Krebserkrankungen, insbesondere Bronchialkrebs. Bei der Raucherentwöhnung kann aber auch Sport hilfreich sein. „Die Bewegung kann es leichter machen. Viele haben Angst vor einer Gewichtszunahme, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Im Schnitt nimmt man drei bis fünf Kilo zu, das empfinden viele als unangenehm. Deshalb hilft Bewegung.“

Raucher in der Bundesliga

„In der Bundesliga gab es einige, die rauchten“, erzählt der ehemalige Fußball-Profi des VfL Wolfsburg und des 1. FC Kaiserslautern, Christopher Lamprecht. Doch es sei nach seiner Ansicht ein enormer Rückgang zu verzeichnen. In den Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs werden die Jugendlichen bereits professionell auf eine Profi-Karriere vorbereitet. „Früher war das anders. In jeder Mannschaft, in der ich gespielt habe, gab es mindestens einen Raucher“, fügt der Trainer des VfR Kaiserslautern an. Ein Thema sei der von den Profis doch geliebte Glimmstängel nicht gewesen, zumindest so lange die Leistung gestimmt habe. „Die Trainer haben die Raucherei dann schon mal angesprochen. Das war aber nie in einer Mannschaftssitzung, sondern eher mal in einem Einzelgespräch“, sagt Lamprecht.

Shisha verboten

Lamprecht, der seit seinem Karriereende nach eigenen Angaben selbst Raucher wurde, aber nicht exzessiv rauche, hat beim VfR Kaiserslautern aber selbst klare Richtlinien eingeführt. „Auf dem Platz und auf dem gesamten Vereinsgelände wird nicht geraucht. Wir wollen auch eine Vorbildfunktion ausüben, auch für die jüngeren Zuschauer“, erklärt der VfR-Trainer. Im Landesliga-Team gebe es mehrere Raucher. Doch ein echtes Thema ist es nicht. „Alkohol ist da viel mehr ein Thema. Einen Tag vor dem Spieltag wird nicht getrunken. Da sind wir rigoros“, sagt der Ex-Profi. Doch neben der Zigarette ist auch das Rauchen von Shishas, also Wasserpfeifen, ein Thema. „Nein, nein, Shisha gibt es auch bei uns in der Kabine nicht“, so Lamprecht. Aber dennoch sind Genussmittel durchaus erlaubt. „Wir sind im Amateurfußball. Ich verbiete keinem das Rauchen. Nach dem Sieg ist ein Bierchen auch okay“, stellt Lamprecht fest.

Keine Raucher gibt es beim SV Steinwenden. Auch die Tischtennisspieler der TSG Kaiserslautern brauchen die Fluppe nicht. „Wir haben nur Sportler bei uns, keine Raucher“, erklärt TSG-Oberligaspieler Christopher Enders.

Klischee und Wirklichkeit

Bei den Dart-Spielern ist Rauchen ein Mythos zwischen Klischee und Wirklichkeit. „Es rauchen sehr viele Profis“, berichtet Niko Springer vom Lauterer Dart-Bundesligisten Nostra DartMus. Der mehrfache Weltmeister Michael van Gerwen, Nico Kurz und Dimitri van den Bergh seien allesamt Raucher. „Es wird sehr viel geraucht, auch bei den Profis. Ich kenne auch viele Spieler im Freundeskreis, die rauchen. Auf professioneller Ebene ist es aber in den Hallen nicht gestattet“, erzählt Springer. Den typischen Dart-Kneipenraucher gebe es aber immer noch. Doch auch Nichtraucher Springer kann vom Zigarettenrauch beeinflusst werden. „Der Geruch stört mich schon. Wenn ich aber voll im Tunnel bin, lenkt mich der Rauch nicht ab“, sagt Springer.

Mit dem Rauchen aufgehört

Matthias Göttel, stellvertretender Abteilungsleiter der Läufern der TSG Kaiserslautern, berichtet, dass es in früheren Zeiten auch mal Gelegenheitsraucher unter den Athleten gegeben habe. „Wir sind eher eine Freizeitgruppe, da sind natürlich auch Raucher dabei“, sagt Göttel, der jedoch berichtet, dass es keine Kettenraucher in seiner Abteilung gebe. „Wir haben auch schon mal früher mit den Rauchern bei uns gesprochen. Aber auch wir sind Breitensportler und wollten niemanden herunterziehen“, erklärt Göttel, der selbst zwölf Jahre lang rauchte. „Ich habe etwa eine halbe Schachtel am Tag geraucht. Als ich mit dem Sport angefangen habe, habe ich mit dem Rauchen aufgehört“, erklärt Göttel. Die Auswirkungen des Tabakgenusses habe er noch eine Zeit lang gespürt. „Der Einstieg in den Sport gelingt Nichtrauchern natürlich besser“, stellt Göttel fest. Für ihn gebe es nur eine Devise: „Sport oder Rauchen.“

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