Kaiserslautern
Shakti und Matze überraschen in der Kammgarn
Der Mensch liebt (angenehme) Überraschungen. Das Kaiserslauterer Künstler-Ehepaar Shakti und Matze liefert sie zurzeit gleich im Doppelpack. Jetzt präsentierten sie in der ausverkauften Schreinerei der Kammgarn die zweite Ausgabe ihrer „Katz’-im-Sack“-Reihe. Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: Zwei Kleinkünstler, die in Kaiserslautern bestenfalls wenig bekannt sind, kommen in die Stadt und zeigen je eine Dreiviertelstunde lang, was sie besonders gut können: singen, spielen, erzählen, lesen, Comedy machen. Allen gemeinsam ist eine hohe Qualität.
Der Gen-Pool an Künstlern ist groß. Schließlich lernen die Lauterer Shakti und Mathias Paqué auf ihren Konzertreisen quer durch die Lande viele versierte Kollegen kennen und schätzen. Daraus erwuchsen eine Show-Idee und nun schon zum zweiten Mal positive Ergebnisse. Die eingeladenen Künstler erweitern ihren Live-Wirkungskreis, das Lauterer Publikum erlebt anspruchsvolle Unterhaltung von fähigen Leuten außerhalb des regionalen Tellerrands: eine „Win-win“-Situation für alle.
Totes Tier auf der Fußmatte
Hochwertigkeit bewies gleich der erste Gast des Abends, der Musiker und Entertainer Nicolai Köppel aus Heilbronn. Jenseits jeglichen Schubladendenkens lieferte er vom ersten Moment an ein bemerkenswertes Programm vor allem mit „albernen Songs, aber schlau gemeint“, so seine Selbsteinschätzung. Auf der Basis bester Singer/Songwriter-Tradition erzählte er mit guter Stimme (und mit bisweilen eindrücklichen Pfeif-Intros) über tragendem Gitarren-Spiel meist augenzwinkernd von denkwürdig-skurrilen Ereignissen und ihrer unerwarteten Pointe.
So begegnete man etwa in seinen Texten - jeweils sprachlich sauber ausformuliert - einem vermeintlich toten Tier auf der Fußmatte; erfuhr von unerwarteten Liebesbezeugungen sowie von nächtlichen Raubzügen im Jugendalter mit einem Kaugummiautomaten als Objekt der Begierde; gruselte sich leicht, als von einem Hausgeist im neu bezogenen Domizil einer Familie berichtet wurde. Da wurde schnell klar, warum Köppel auch als Autor erfolgreich ist.
Nachdenklich, tiefgründig, emotional
Einen durchaus nicht unangenehmen Bruch in musikalischer Darbietung und behandelter Thematik ergab sich mit dem Auftritt von Rosa Hoelger. Die junge Erfurter Sängerin und Gitarristin ist anders als viele andere Musikerinnen ihrer Generation und Stile-Welt. Sie schaut extrem scharfsinnig hinter die Kulissen der Welt und des Lebens. Dann transportiert sie in ihren Texten besonders Nachdenkliches, Tiefgründiges, Emotionales.
So ging es in ihren in der Schreinerei gespielten Liedern unter anderem um gute Seelen, die sich ihre Träger bewusst aussuchen; um erwartete, aber sich einfach nicht einstellende „verdammte Gefühle“; um - leider zeitlos, aber gerade auch vor dem Hintergrund aktueller Themen - um übergriffige Männer (im Lied „23 wow“). Das ging unter die Haut, machte bisweilen mehr als nur nachdenklich.
Dehnübungen fürs Publikum
Die herzlich-raue Liedermacherin - eigentlich ist der Begriff zu schwach für die thematisch wie stilistisch viele Facetten berührende Künstlerin - unterstützte ihre Aussagen bisweilen mit lang gezogenen, expressiven Vokalismen, die sich mit Wucht ins Gemüt bohrten. Das war beeindruckend.
Um die gesamte Präsentation der beiden „Katzen im Sack“ herum agierten erwartungsgemäß versiert die beiden Gastgeber. Shakti Paqué übernahm die Conference, bot in der Pause launig Dehnübungen fürs Publikum an (wegen der eventuell an diesem Abend abgesagten Yoga-Stunde). Auch vollzog sie kurzweilig das Ritual der Geschenke-Übergabe aus ihrer berühmten Tasche an Besucher. Man weiß halt, wie man die Leute auch außerhalb der reinen Präsentation unterhält.
Die erst frisch eingeführte und schon etablierte Veranstaltungsreihe wird übrigens fortgeführt. Die nächste Ausgabe der „Katze im Sack“ gibt es am Mittwoch, 27. Mai.