Kaiserslautern Selbstbestimmt alt werden: Betreuungsnetzwerk Kaiserslautern besteht seit 30 Jahren

Sind Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen der Betreuungsvereine (von links): Christian Simunic (Sozialdienst katholischer Fr
Sind Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen der Betreuungsvereine (von links): Christian Simunic (Sozialdienst katholischer Frauen und Männer), Martina Bürger (DRK), Eva Schinzel (Lebenshilfe Westpfalz), Christine Förster (Lebenshilfe Westpfalz) und Albert Jörg (AWO).

Vor 30 Jahren haben sich Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz, die Lebenshilfe und der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer mit der Betreuungsbehörde der Stadt Kaiserslautern zu einem Betreuungsnetzwerk zusammengeschlossen. In einer Jubiläumsveranstaltung in der Blumenhalle auf der Gartenschau gab’s neben einem Rückblick auf die Anfänge auch einen Ausblick auf anstehende Reformen.

Mit dem 1992 durch eine Gesetzreform eingeführten Betreuungsrecht sei es notwendig geworden, für die Begleitung von Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Beeinträchtigung ehrenamtliche gesetzliche Betreuer zu gewinnen, erläuterte Christine Förster von der Lebenshilfe Westpfalz. Aufgabe der Betreuungsvereine sei es, die eigenen Mitarbeiter und die ehrenamtlichen Betreuer zu begleiten, sie fortzubilden und zu beraten zum Beispiel bei der Erstellung von Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und Patientenverfügungen.

Die Betreuungsvereine hätten sich von Anfang an zum Netzwerk zusammengeschlossen und in gemeinsamen Aktionen wie früher dem Marktfrühstück mit der Betreuungsbehörde der Stadt um Ehrenamtliche geworben, schilderte Förster. Auf knapp 200 ehrenamtliche Männer und Frauen, die Pflegestützpunkte und das Netzwerk Demenz könnten die Betreuungsvereine aktuell zählen. Menschen für ein langfristiges Ehrenamt zu gewinnen, das sei heute schwieriger als früher. Die meisten wollen heute lieber kurzfristig unterstützen.

Unter der Schirmherrschaft von Sozialdezernentin Anja Pfeiffer haben die Betreuungsvereine am Mittwoch die ehrenamtlichen Betreuer und Betreuerinnen gewürdigt. Dafür wurde ein interessantes Tagesprogramm erstellt, in dem es der Mitarbeiterin der Lebenshilfe zufolge auch um Reformen ging, die für das kommende Jahr angekündigt seien.

Betreute seien selbstbestimmter geworden, unterstrich Christine Förster. Sie könnten heute frei über ihr Geld verfügen und über ihre Unterbringung entscheiden. Unterstützung sei dort gefragt, wo diese entsprechend der jeweiligen Beeinträchtigung notwendig sei. Bei Behördengängen zum Beispiel oder aktuell bei der Erstellung der Grundstückserklärung.

Mit dem Ziel, den Betreuten zu unterstützen, damit er solange wie möglich im eigenen Zuhause leben kann, besuchen Mitarbeiter des Betreuungsvereins ihre Betreuten einmal im Monat, so Förster. Dazu werden bei regelmäßigen Treffen der Vereine untereinander anstehende Themen und Angelegenheiten besprochen. Das ebenfalls für 2023 angekündigte Ehegattenvertretungsrecht, nach dem Ehegatten bei einem schweren Krankheitsverlauf des Partners über drei Monate auch ohne Vorsorgevollmacht entscheiden dürfen, was zu tun ist, könnte ein solches Thema für das Netzwerk werden.

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