Kaiserslautern „Sehr viel Rückendeckung erfahren“

Erfuhr am Freitagabend auf der Fahrt nach München, dass er nicht mehr Vorsitzender des 1. FC Kaiserslautern ist: Rainer Keßler.
Erfuhr am Freitagabend auf der Fahrt nach München, dass er nicht mehr Vorsitzender des 1. FC Kaiserslautern ist: Rainer Keßler.
Herr Keßler, wie haben Sie erfahren, dass Sie als Vorsitzender des 1. FC Kaiserslautern vom Aufsichtsrat abberufen worden sind?

Ich habe es in einem Telefonat von Patrick Banf, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, mitgeteilt bekommen. Es war Freitagabend um 17.35 Uhr. Ich war im Auto auf dem Weg nach München. Ich wollte das Spiel unserer Mannschaft bei 1860 München besuchen. Ich war gerade auf der Autobahn kurz vor Ulm, als mich das Telefonat erreichte. Hatten Sie mit einer solchen Reaktion seitens des Aufsichtsrats gerechnet? Ich hatte es befürchtet. Ich hatte aber gehofft, dass man sich in großer Runde an einen Tisch setzt, um die Differenzen, die zweifelsohne da waren, auszuräumen. Wie haben Sie die Entscheidung des Aufsichtsrats im ersten Augenblick aufgenommen? Ich war enttäuscht und hatte eine Leere im Kopf. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich jetzt weiter nach München fahren oder aber umdrehen sollte. Ich bin dann umgedreht, am Stuttgarter Flughafen bin ich noch mal umgedreht. Ich bin wieder Richtung München gefahren und habe dann ein paar Kilometer weiter letztlich entschieden abzubrechen. Ich wollte mit meiner Präsenz in München kein Öl ins Feuer gießen. Ich hatte mich mit verschiedenen Fanclubs verabredet, an einem Weißwurstfrühstück mit Fans des FCK und von 1860 München teilzunehmen. Ich hätte ja dann erklären müssen, was passiert ist. Wir hatten aber im Vorfeld abgestimmt, Patrick Banf und ich, dass wir erst eine Presseerklärung kurz vor Spielbeginn zu meiner Abberufung als Vorsitzender veröffentlichen, um die Mannschaft davon fern zu halten. Wir waren uns einig, dass wir keine Unruhe vor dem Anstoß haben wollten. Ärgern Sie sich im Nachhinein darüber, dass Sie bei der Jahreshauptversammlung den geplanten sofortigen Rücktritt nicht wahr gemacht haben? Nein, absolut nicht. Ich würde es wieder so machen. Ich wollte bei der Jahreshauptversammlung zurücktreten. Ich hatte von dem Rücktritt dann abgesehen, weil ansonsten der Verein komplett ohne Vorstand dagestanden hätte. Der Zuspruch der Mitglieder und Fans war so überwältigend, dass es die richtige Entscheidung war, weiter zu kämpfen. Entzündet hatten sich die Differenzen zwischen Ihnen und der Kapitalgesellschaft, der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KG aA, daran, dass Sie Einblick in eine Liste haben wollten, welche Unternehmen seitens der Kapitalgesellschaft als potenzielle Investoren angesprochen worden sind, diese Liste Ihnen aber verweigert worden ist. Warum wollten Sie diesen Einblick haben? Ganz einfach, weil wir im Moment noch keinen Investor haben, uns aber seit zwei Jahren um einen Investor kümmern. Das ist mir einfach zu dünn gewesen. Ich werde auch von allen Menschen angesprochen und gefragt, ob wir uns denn mit dem Unternehmen, dem Unternehmen oder dem Unternehmen unterhalten. Ich kann dann nicht sagen: Da haben wir im April gesprochen, da haben wir im Mai gesprochen, da haben wir im Oktober gesprochen. Ich kann keinerlei Auskünfte darüber geben. Deswegen war es mir wichtig zu sehen, wer wurde angesprochen, wer wurde wann von wem angesprochen und wen könnte man noch kontaktieren, mit wem könnte man sich noch zusammensetzen. Es ist geradezu fahrlässig, da jemanden auszuschließen. Wer hat Ihnen den Einblick in die Liste konkret verweigert? Es war der kaufmännische Geschäftsführer der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KG aA, Michael Klatt. Es war in einem persönlichen Gespräch. Wir saßen zu viert am Tisch: Mein Vorstandskollege Michael Littig und der Geschäftsführer Sport, Martin Bader, waren auch dabei. Es ging in dem Gespräch um einen Dienstleistungsvertrag zwischen dem Verein und der Kapitalgesellschaft, der Rechte und Pflichten zwischen dem e.V. und der Kapitalgesellschaft regelt. Bei der Gelegenheit wollte ich wissen, wo wir bei der Investorensuche gerade stehen. Wie hat Michael Klatt es begründet, den Einblick zu verweigern? Er sagte, er sei dafür nicht zuständig. Ich sollte mich deswegen an meinen Aufsichtsrat wenden. Das ist für mich im Umgang miteinander befremdlich gewesen. Ich hatte uns als Team verstanden und dass wir gemeinsam Lösungen für den 1. FCK suchen. Es war für mich somit überraschend, diese Information nicht zu bekommen. War es aus Ihrer Sicht richtig − es wird Ihnen ja nun auch von Kritikern vorgehalten − , den Konflikt bei der Jahreshauptversammlung öffentlich gemacht zu haben? Aus meiner Sicht war es richtig. Sicherlich, das kann man so und so sehen. Ich hatte vor der Jahreshauptversammlung intern mehrfach daran appelliert, dass wir diese Themen in einer großen Runde miteinander besprechen. Es ist aber zu keinem Gespräch darüber gekommen. Ich hatte im Vorfeld der Jahreshauptversammlung auch angekündigt, dass ich in der Mitgliederversammlung die Punkte ansprechen werde, die nach meiner Einschätzung nicht so laufen wie sie laufen sollten. Das gehört für mich zu einer gewissen Transparenz dazu. Ich hatte auch im Vorfeld der Jahreshauptversammlung den Rücktritt angeboten. Ich habe gesagt, ,Kinder, ihr müsst natürlich verstehen, dass ich in der Mitgliederversammlung nicht die heile Welt nach außen darstellen und drei Tage später zurücktreten kann’. Dann verliert man die Glaubwürdigkeit. Jeder wusste den Inhalt meiner Rede. Ich hatte sie Patrick Banf vorher gegeben. Das Einzige, was überraschend war: Es stand in der Rede, dass ich zurücktrete. Ich hatte mich kurzfristig dann aber entschieden, den Rücktritt nicht auszusprechen. Eine Stunde vorher hatte ich erfahren, dass Michael Littig nicht mehr als Vorstand verbleibt, sondern in den Aufsichtsrat zurückgeht. Welche Lehren sollte man aus dem Konflikt für die Zukunft ziehen? Für die Zukunft hoffe ich, dass es dem Verein gelingt, Ruhe zu bewahren. Ich hoffe es wirklich. Jetzt kann man mir vorwerfen, dass ich in den Verein Unruhe hineingebracht habe. Es war aber mit meiner persönlichen Philosophie nicht vereinbar. Ich hoffe, dass die Aufsichtsräte sich einigen, dass es wieder ein Team wird. Und das man zwei Vorstände findet, die es letztendlich dann gemeinsam mit dem Aufsichtsrat schaffen, das Schlimmste für den Verein abzuwenden und dem 1. FCK so eine finanzielle Basis bieten, ob über Fremdkapital oder Investoren oder eine Mischung von beidem, dass der Verein überleben kann. Das ist das Wichtigste. Hat sich Ihr dreimonatiger Einsatz an der Spitze des Vereins für Sie gelohnt? Ich habe viel gelernt. Ich habe sehr viele Freunde gewonnen, ich habe sehr viel Zuspruch nach wie vor. Ich habe nach meiner Abberufung als Vorsitzender sehr viel Rückendeckung erfahren. Vereinsrat und Ehrenrat stehen geschlossen hinter mir. Sie sagen: ,Es war genau richtig so’. Wir brauchen einen starken Mann an der Spitze des 1. FCK e.V., der die Interessen des Vereins vertritt. Unterm Strich ist für mich ein positiver Eindruck geblieben. Ich werde nach wie vor alles geben für den Verein, jetzt als engagiertes Mitglied. Ich werde auf keinen Fall den Kopf in den Sand stecken. EINWURF

x