Kaiserslautern Schicksale ergreifend geschildert

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Das zweite Familienkonzert des Pfalztheaters führte an Klavier- und Orchesterwerke der deutschen Romantik heran: Mit dem Künstlerehepaar Clara und Robert Schumann sowie Johannes Brahms stellte die insgesamt lebendige Konzeption drei Komponisten vor, die diese Stilepoche unterschiedlich geprägt haben – Clara vor allem als Konzertpianistin, Robert als Gründer der Neuen Zeitschrift für Musik und zusammen mit Brahms auch als Lied- und Kammermusik-Komponist und – etwas untergeordnet – als Sinfoniker.

Als Einstieg in deren umfangreiches Schaffen wurde ein biographischer Rückblick aus Sicht von Clara Schumann gewählt, die von Pfalztheater-Schauspielerin Marsha Zimmermann in historischem Kleid und passender, den authentischen Bildern entnommener Frisur verkörpert wurde. Nach Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Biographien ergab sich in szenisch dargestellten Reflexionen, Monologen und Dialogen (mit Uwe Sandner als Brahms) eine beispielhafte Fallstudie über die Stellung des Künstlers in der damaligen Gesellschaft. Diese Dreiecksbeziehung führte damals und noch heute aufgrund dieser Quellen zu vielen Spekulationen. Es gelang der Veranstaltung durchaus diese berührenden Einzelschicksale psychologisch treffend zu belichten: Clara als unterschätzte und unterdrückte Komponistin, Robert als ein von Krankheit gezeichneter, von existenziellen Sorgen geplagter und seiner Stellung als Musikdirektor in Düsseldorf nicht gewachsener Musiker sowie Brahms als am Ende Vereinsamter auf der Suche nach eigener Identität. Diese Dreiecksbeziehung führte auch zu Verfilmungen, etwa mit der legendären Katharine Hepburn. Es gelang am Sonntag durchaus, von den bewegenden Einzelschicksalen wieder zur aufgeführten Musik zu verweisen und motivische Bezüge zwischen den aufgeführten Werken der drei Komponisten durch Sandners aufschlussreiches Klavierspiel – ergänzend zum konzertanten Teil – herzustellen. Durch das Einbeziehen der Kinder in Quizform und das Aufgreifen der damaligen Praxis des „Vertonens von Namen“ nach deren Buchstaben konnte die als Komponisten-Porträt konzipierte Veranstaltung ansprechen. Vor allem, weil Sandner nicht nur als Dirigent und als schauspielerisch begabter Darsteller von Brahms, sondern darüber hinaus als spontaner Improvisator am Klavier (über Namensinitialen von anwesenden Kindern oder über Buchstaben) einen sehr vielseitigen Eindruck hinterließ. Die Konzeption von Musikdramaturg Elias Glatzle und Generalmusikdirektor Uwe Sandner brachte aber zu viele Klangbeispiele, war ohne Pause insgesamt etwas zu lang und hätte bei einer Konzentration auf weniger Klavier- und Orchesterwerke diese eingehender analysieren und auch mal das Orchester gesondert vorstellen können. So waren in den vorgestellten Sinfonien von Schumann und Brahms herrliche Soli der Hörner, der Klarinetten (um nur einige zu nennen) zu hören und nahmen die Violinen als Träger des melodischen Themenmaterials ihre Aufgabe diesbezüglich entschlossen wahr. Ein Anlass möglicher Vermittlung. Da das Publikum bei solchen Veranstaltungen in seiner Zusammensetzung nie gleich ist, wäre eine kleine Instrumentenkunde und eine kurze Einführung über den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Hintergrund der Zeit und des romantischen Stils zum Verständnis der Dreierbeziehung ebenfalls denkbar gewesen. Insgesamt lebte die Durchführung jedoch vom großen Einfühlungsvermögen der Schauspielerin Marsha Zimmermann, die sich mit Clara identifizierte. Bei der Vielzahl der Sätze aus Sinfonien und Konzerten von Schumann (Robert) und Brahms konnte Sandner die Stimmungsbilder dieser Partituren, ihren formalen Aufbau und ihre thematische Entwicklung sehr differenziert herausarbeiten. Das Orchester spielte ohne erkennbare Bruch- und Schwachstellen sehr ausgeglichen und akkurat, den durchdachten Vorstellungen Sandners folgend. Lediglich der „Ungarische Tanz“ Nr. 5 von Johannes Brahms in der Orchesterfassung geriet eine Spur zu hektisch, so dass die Kapriolen der Holzbläser zungentechnisch nur noch undeutlich artikuliert werden konnten und die Aufführung etwas rustikal wirkte. Besonders ansprechend gelangen die Kostproben aus der 3. und 4. Sinfonie von Schumann. Die Pianistin Mirei Arai spielte eine Auswahl der Charakterstücke dieser Zeit mit feinsten melodischen Linien und klanglichen Schattierungen.

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