Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schauspiel-Chef Demmer verlässt Pfalztheater

Als Schauspieldirektor wie als Regisseur hat Harald Demmer das Lauterer Pfalztheater in den vergangenen elfeinhalb Jahren entsch
Als Schauspieldirektor wie als Regisseur hat Harald Demmer das Lauterer Pfalztheater in den vergangenen elfeinhalb Jahren entscheidend geprägt.

Mit der Sippen-Demontage „Eine Familie“, die bis Ende Juli auf dem Spielplan steht, verabschiedet sich Harald Demmer vom Pfalztheater. Der seit 2012 amtierende Schauspieldirektor hat das Haus als Regisseur, Programmmacher, Entdecker und Förderer junger Talente geprägt. Ein Rückblick.

Bei Durchsicht der Stücke, die der Vollblut-Theatermann selbst in Szene gesetzt hat, fällt sein Faible für schwere Stoffe auf. Er weiß sehr wohl um den Stellenwert unterhaltender, beschwingter und heiterer Stoffe. Schon zum Antritt in Kaiserslautern kündigte er im RHEINPFALZ-Gespräch an, er wolle „Theater für die Zuschauer machen“. Dennoch liegt sein Augenmerk auf gedankenschweren, zuweilen problembeladenen, vielleicht sogar moralisierenden Stücken, die dem Publikum mehr bieten als bloße Zerstreuung und mehr abverlangen als flotten Konsum.

Demmer mutet uns etwas zu. Er will uns zum Nachdenken anregen über unsere Zeit und unsere Gesellschaft, über unsere Identität und über unsere Baustellen. „Das muss nicht zwingend mit schwerer Kost erfolgen“, sagt er. „Aber es soll die Zuschauenden in irgendeiner Weise bereichern.“ Zu machen sei das mit zeitgenössischen Stücken ebenso wie mit Klassikern, „wenn sie universelle, ewige und allgemeingültige Themen behandeln, die wir von heute aus betrachten“.

Vom Rhein an die Lauter

Der gebürtige Leverkusener, der soeben sein 65. Lebensjahr vollendet hat, ist ein sensitiver, behutsamer und ungemein gescheiter Gesprächspartner. Verstiegene Endlos-Monologe sind seine Sache nicht. Er hört seinem Gegenüber aufmerksam zu, reagiert und antwortet souverän, ohne Blabla und vor allem ohne jene bramarbasierende Egomanie, die Begegnungen mit Theaterleuten mitunter so öde machen.

Der Schreinersohn aus dem Rheinland hat katholische Theologie studiert und ein Staatsexamen in Philosophie und Kunstgeschichte abgelegt. Seine ersten Gehversuche am Theater machte er in Hannover und bei Andrea Breth in Berlin.

Inszenierung als Gemeinschaftswerk

Gelegenheit zu eigenen Inszenierungen bot ihm die facettenreiche freie Szene in Köln. Seit 1988 arbeitete er als Regisseur am Nationaltheater Mannheim und Staatstheater Mainz, in Dortmund, Oberhausen, Stuttgart, Würzburg, Ulm und Erfurt. Soeben hatte er in Trier die Spielleitung von Tennessee Williams„ „Endstation Sehnsucht“.

Am Pfalztheater stellte er sich im Dezember 2011 mit „Nathan dem Weisen“ vor, die Titelrolle spielte Henning Kohne. Bei allem Ringen um die inhaltliche Kernaussage ist Harald Demmer ein echter Schauspielerregisseur, der auf Vorschläge hört und die Inszenierung eines Stücks als gemeinsam zu schulternde Teamarbeit versteht.

Ein Regisseur der Darsteller

Zugleich wendet er viel Zeit und Sorgfalt für die Vorbereitung auf. Er liest sich intensiv in die jeweilige Thematik ein, studiert Sekundärliteratur, Rezeptions- und Interpretationsgeschichte. Wann immer es möglich ist, verbindet er seine Reisefreude mit Besuchen der Schauplätze und/oder Entstehungsorte.

Ein Beispiel dafür ist seine dunkel verhangene „Macbeth“-Produktion von 2018, die ihm in der Shakespeare-Stadt Stratford-upon-Avon in den Sinn kam. Die bluttriefende Moral- und Schauermär bescherte ihrem Hauptdarsteller Rainer Furch sowie dem vielköpfigen Ensemble einen großen Erfolg.

Demmer gebietet mit Souveränität über große Besetzungslisten („Don Carlos“, „Hiob“, „Die Räuber“, Schirachs „Terror“) ebenso wie über das Figurenarsenal von Kammerspielen („Der nackte Felsen“, „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“) und Monodramen („Judas“ mit Oliver Burkia, „Welche Droge passt zu mir?“ mit Hannelore Bähr, „Deine Helden, meine Träume“ mit Lukas Jakob Huber).

Verlässlich und beständig

In den vergangenen elfeinhalb Jahren ist Harald Demmer zum echten, ob seiner handwerklichen Verlässlichkeit womöglich beständigsten Erfolgsgaranten des Lauterer Bühnenhauses geworden. Daneben spielt er Tennis, fährt Rad und hat sich eine schöne Wohnung auf dem Lämmchesberg eingerichtet, obwohl sein Hauptwohnsitz immer Köln geblieben ist. „Meine Frau habe ich in den letzten Jahren nur an jedem zweiten Wochenende gesehen“, sagt der Vater zweier erwachsener Kinder.

Seinen Abschied von der Lauter kommentiert er mit den Worten: „Sad to leave, lucky to go.“ Die Theaterarbeit gibt Harald Demmer noch lange nicht auf. Bereits im kommenden August inszeniert er in Aachen ein Stück von Yasmina Reza.

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